Mehrere Verteidiger haben im Hamburger Prozess um die mutmaßliche Entführung der Kinder von Christina Block Stellung zur Aussage des mitangeklagten Ex-Sportmoderators Gerhard Delling genommen. Nach Darstellung von Blocks Anwalt Ingo Bott stützten Dellings Angaben die Einlassung seiner Mandantin vor dem Landgericht Hamburg. Die 53-jährige Unternehmerin ist mit Delling, 67, liiert.
Laut Bott habe Delling nachvollziehbar geschildert, wie überfordert Christina Block am Morgen des Neujahrstags gewesen sei, als sie erfahren habe, dass ihre Kinder wieder in Deutschland seien. Zugleich sei deutlich geworden, in welcher Verzweiflung sich Block als Mutter befunden habe, da sie keinen Kontakt zu den Kindern gehabt habe.
Vorwurf: Kinder aus Dänemark nach Deutschland gebracht
Die Hamburger Unternehmerin steht vor Gericht, weil sie nach Auffassung der Anklage im Zuge eines heftigen Sorgerechtskonflikts eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben soll, ihre damals 13 Jahre alte Tochter und ihren zehnjährigen Sohn aus Dänemark nach Deutschland bringen zu lassen. Die Kinder lebten beim Vater Stephan Hensel. Dieser hatte die beiden jüngsten gemeinsamen Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 entgegen der Absprache nicht nach Hamburg zurückgebracht.
In der Silvesternacht 2023/24 sollen maskierte Täter die Kinder an sich gebracht und zunächst nach Süddeutschland gefahren haben. Delling ist wegen Beihilfe angeklagt. Er und Block weisen strafbares Verhalten zurück und betonen, von der Aktion überrascht worden zu sein. Von den sieben Angeklagten hat bislang nur ein 37-jähriger Israeli die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft eingeräumt.

Verteidigung verweist auf späte Information
Auch eine Verwandte und enge Vertraute von Christina Block muss sich wegen Beihilfe verantworten. Der 50-Jährigen wird vorgeworfen, Anfang 2024 die Mutter sowie die beiden Kinder nach ihrer Ankunft in einem Hamburger Vorort auf dem letzten Stück mit dem Auto nach Hause gebracht zu haben.
Ihr Anwalt Reinhard Daum erklärte, aus Dellings Aussage gehe hervor, dass seine Mandantin erst kurz vor der Rückkehr der Kinder davon erfahren habe. Delling hatte ausgesagt, die Frau sei gebeten worden, die Fahrt zu übernehmen, weil sie früher ein gutes Verhältnis zu den Kindern gehabt habe. Man habe erwartet, dass sich Tochter und Sohn über ein Wiedersehen freuen würden.
Vor Gericht fragte Daum sinngemäß, ob andere in derselben Lage nicht ähnlich gehandelt hätten. Seine Mandantin habe die Kinder und ihre Mutter nicht einfach sich selbst überlassen wollen. Eine Unterstützung einer Straftat sei aus ihrer Sicht nicht beabsichtigt gewesen.
Der Prozess soll am Montag fortgesetzt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber