Kurz vor dem Ende der Feuerpause im Krieg mit dem Iran am Mittwoch bleibt unklar, ob die Gespräche zwischen Washington und Teheran fortgesetzt werden. Zusätzliche Spannungen entstehen durch das Vorgehen der USA in der Straße von Hormus. Dort hatte die US-Marine am Sonntag einen iranischen Frachter angegriffen und anschließend unter ihre Kontrolle gebracht.
In Pakistan führte Innenminister Mohsin Naqvi derweil getrennte Gespräche mit Vertretern des Irans und der USA. Nach offiziellen Angaben ging es dabei auch um Sicherheitsfragen in der Hauptstadt Islamabad mit Blick auf eine mögliche zweite Verhandlungsrunde.
Naqvi erklärte laut Mitteilung bei einem Treffen mit der US-Geschäftsträgerin Natalie A. Baker, man hoffe auf einen erfolgreichen weiteren Gesprächsversuch in Islamabad. Im Austausch mit dem iranischen Botschafter Resa Amiri Moghadam hob er demnach hervor, dass eine dauerhafte Lösung nur über Diplomatie und Verhandlungen erreicht werden könne.
Iran hat noch keine Entscheidung getroffen
Nach Angaben aus Teheran ist bislang offen, ob es überhaupt weitere Gespräche mit den Vereinigten Staaten geben wird. Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte, derzeit sei keine neue Verhandlungsrunde angesetzt. Zugleich verwies er darauf, dass Pakistans Armeechef Asim Munir bei seinem jüngsten Besuch in Teheran einen neuen Vorschlag aus den USA übermittelt habe. Dieser werde derzeit geprüft. Über das weitere Vorgehen werde unter Berücksichtigung iranischer Interessen entschieden.
Teheran hatte zuletzt ein weiteres Treffen mit US-Vertretern abgelehnt. Als Gründe wurden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna überzogene Forderungen aus Washington, häufige Kurswechsel der USA sowie die anhaltende Blockade iranischer Häfen genannt.
US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor offen für neue Verhandlungen gezeigt. Auf Truth Social schrieb er, die USA böten der Führung in Teheran ein sehr faires und vernünftiges Abkommen an. Zugleich verband er dies mit einer scharfen Drohung: Sollte der Iran nicht zustimmen, würden die Vereinigten Staaten sämtliche Kraftwerke und Brücken des Landes ausschalten.
US-Delegation soll nach Islamabad kommen
Aus dem Weißen Haus verlautete nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, dass am Abend mehrere hochrangige US-Vertreter in Islamabad erwartet werden. Demnach sollen Vizepräsident JD Vance, der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, in die pakistanische Hauptstadt reisen.
Pakistan, selbst Atommacht und Nachbarland des Irans, vermittelt derzeit zwischen Teheran und Washington. Seit Tagen laufen in Islamabad Vorbereitungen für eine mögliche zweite Gesprächsrunde. Bereits vor gut einer Woche waren dort ranghohe Delegationen beider Seiten zusammengekommen. Ein Durchbruch blieb jedoch aus.
China rügt das Vorgehen der USA in der Straße von Hormus
China äußerte unterdessen Kritik am amerikanischen Einsatz in der strategisch wichtigen Meerenge. Außenamtssprecher Guo Jiakun sagte in Peking, man sei über das gewaltsame Vorgehen der USA gegen die betroffenen Schiffe besorgt. China rief alle Beteiligten dazu auf, verantwortungsvoll zu handeln und die Vereinbarung zur Waffenruhe einzuhalten. Das bestehende Zeitfenster für Frieden müsse genutzt und Bedingungen für ein rasches Ende des Krieges geschaffen werden.
Neben der Feuerpause zwischen den USA und dem Iran gilt seit einigen Tagen auch eine Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon. Dennoch meldete Israels Armee in der Nacht einen Angriff auf eine Raketenabschussrampe im Süden des Libanons. Nach israelischen Angaben war die Stellung einsatzbereit und stellte eine unmittelbare Gefahr für Orte im Norden Israels sowie für Soldaten dar. Das Militär erklärte, man werde weiterhin gegen Bedrohungen vorgehen und die Sicherheit von Zivilisten und Truppen gewährleisten.
Waffenruhe im Libanon bleibt angespannt
Nach der vom US-Außenministerium veröffentlichten Vereinbarung zur Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon darf Israel alle notwendigen Schritte zur Selbstverteidigung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder laufende Angriffe unternehmen. Israelische Soldaten bleiben weiterhin im Süden des Libanons stationiert. Die Regierung in Jerusalem spricht dort von einer Sicherheitszone, die Nordisrael vor Angriffen der Hisbollah schützen soll. Viele vertriebene Libanesen können deshalb vorerst nicht in ihre Heimatorte zurückkehren.
Die Hisbollah erklärte am Morgen, israelische Militärfahrzeuge seien in der Nacht durch Sprengsätze getroffen worden, die bereits früher in der Region platziert worden seien. Die israelische Armee teilte auf Nachfrage mit, man prüfe den Vorfall.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion