Berlin (dpa) – Im Netz kursieren viele Ratschläge, wie sich Kurzsichtigkeit angeblich beseitigen lasse – etwa durch Augentraining, bestimmte Ernährung oder viel Sonne. Ein Facebook-Nutzer behauptet beispielsweise, seine Dioptrien hätten sich deutlich verbessert, seit er keine Brille mehr trage, täglich Karottensalat esse und regelmäßig in die Sonne gehe. Wissenschaftlich belegt ist eine solche Heilung jedoch nicht. Fachleute betonen, dass die bei Kurzsichtigkeit typische Verlängerung des Augapfels nicht rückgängig gemacht werden kann.
Schwankungen bei der gemessenen Dioptrienzahl können vielmehr durch Tagesform oder unterschiedliche Messbedingungen entstehen. Daraus lässt sich nicht schließen, dass die Kurzsichtigkeit tatsächlich abnimmt.
Bei einer Myopie werden entfernte Dinge unscharf gesehen. Ursache ist meist, dass der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft des Auges zu lang ist. Dadurch wird das Licht nicht exakt auf der Netzhaut, sondern davor gebündelt. Nahes bleibt meist gut erkennbar, Entferntes wirkt ohne Sehhilfe verschwommen.
Das Auge wächst vor allem in jungen Jahren
Nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands ist ein erwachsenes Auge im Schnitt rund 24 Millimeter lang. Kurzsichtigkeit entwickelt sich häufig während des Wachstums in Kindheit und Jugend. Laut der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft spielen dabei sowohl die Veranlagung als auch äußere Einflüsse eine Rolle.
Studien zeigen, dass viel Zeit im Freien bei Tageslicht helfen kann, das Auftreten von Kurzsichtigkeit hinauszuzögern oder zu verhindern. Dagegen wird intensive Naharbeit, etwa an Bildschirmen, mit einem höheren Risiko in Verbindung gebracht.

Tageslicht kann also gerade bei Kindern vorbeugend wirken oder das Fortschreiten bremsen. Eine bereits vorhandene Verlängerung des Augapfels wird dadurch aber nicht zurückgebildet. Auch bei Erwachsenen verschwindet eine bestehende Myopie nicht durch häufigen Aufenthalt in der Sonne.
Übungen verkürzen den Augapfel nicht
Ebenso wenig können Augenübungen die Augenlänge relevant verändern. Eine im Fachjournal Eye veröffentlichte Meta-Analyse chinesischer Forschender kam zu dem Ergebnis, dass solche Übungen bei Vorbeugung oder Eindämmung der Kurzsichtigkeit nur wenig bis gar nichts bewirken.
Auch die AOK verweist darauf, dass es keine wissenschaftlichen Nachweise für eine Verbesserung der Sehkraft durch Augentraining gibt. Denn nicht die Augenmuskeln sind das Problem, sondern die Form des Auges. Übungen können die eigentliche optische Ursache daher nicht beheben. Einzelne Änderungen bei Dioptrienwerten sind kein Beweis dafür, dass sich der Augapfel verkürzt hat oder die Kurzsichtigkeit geheilt wurde.
Karotten helfen der Augengesundheit – aber heilen nicht
Karotten enthalten Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bildet. Dieses Vitamin ist wichtig für die Netzhaut, und eine ausgewogene Ernährung unterstützt generell die Gesundheit der Augen. Die strukturelle Ursache der Kurzsichtigkeit lässt sich dadurch jedoch nicht rückgängig machen. Darauf weist auch eine 2025 im Fachblatt Nutrients veröffentlichte Auswertung wissenschaftlicher Studien hin.
Brillen und Kontaktlinsen gleichen die fehlerhafte Brechkraft aus, damit Bilder wieder scharf auf der Netzhaut entstehen. Auch eine Laserbehandlung verändert lediglich die Brechkraft des Auges – die Länge des Augapfels bleibt unverändert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber