Mit dem Herbst nehmen Atemwegsinfekte wieder zu
Mit Beginn der kälteren Jahreszeit häufen sich erneut Husten, Schnupfen und andere Beschwerden der Atemwege. Nach Einschätzung von Fachleuten steigen die entsprechenden Symptome derzeit langsam an. Aktuell sind vor allem klassische Erkältungsviren im Umlauf.
Welche Erreger treten zuerst auf?
Zu Beginn der Saison dominieren nach Angaben von Virologen meist Viren, die nicht zur Influenza gehören. Dazu zählen insbesondere Rhino- und Parainfluenzaviren. Gegen diese Erreger stehen keine Impfungen zur Verfügung.
Nachweisen lassen sich diese Entwicklungen auch im Abwasser. Dort sei unter anderem erkennbar, dass mit dem Schulstart in allen Bundesländern wieder mehr Infektionen auftreten. Auch Großveranstaltungen wie das Oktoberfest gelten regelmäßig als Orte, an denen sich viele Menschen anstecken.
Als Schutzmaßnahme kann das Tragen einer Maske helfen, vor allem wenn bereits erkrankte Personen sie verwenden. Denn auch vermeintlich harmlose Erkältungen können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem ernst werden und im schlimmsten Fall eine Behandlung im Krankenhaus oder sogar auf der Intensivstation nötig machen.
Was folgt nach der Erkältungswelle?
Erfahrungsgemäß breitet sich anschließend häufig das Coronavirus stärker aus. Eine Covid-19-Welle kann bereits im Spätsommer beginnen. Später im Jahr und zum Jahreswechsel hin gewinnen dann in der Regel auch Influenza- und RS-Viren wieder an Bedeutung.
Wie gut lässt sich die Saison vorhersagen?
Die Entwicklung in den kommenden zwei bis vier Wochen lasse sich noch vergleichsweise gut abschätzen. Schwieriger sei es jedoch, den Verlauf der gesamten Saison oder den genauen Zeitpunkt möglicher Höhepunkte vorherzusagen.
Ein Grund dafür ist, dass sich Viren fortlaufend leicht verändern. Mitunter entstehen Varianten, die sich schneller vermehren, leichter übertragen werden oder vom Immunsystem schlechter erkannt werden. Zudem spielt auch die Impfbereitschaft der Bevölkerung eine wichtige Rolle für den weiteren Verlauf.
Wie wirksam sind die Impfstoffe?
Die derzeit eingesetzten Corona-Impfstoffe bieten nach Einschätzung von Fachleuten weiterhin einen guten Schutz, auch gegenüber neu auftretenden Varianten.
Bei der Grippe ist die Lage komplexer, weil sich Influenzaviren teils deutlich verändern können. Deshalb werden die auf der Südhalbkugel zirkulierenden Stämme genau beobachtet. Auf dieser Grundlage wird die Zusammensetzung der Impfstoffe für Deutschland angepasst. Die aktuelle Impfstoffformel orientiert sich unter anderem an den zuletzt in Ländern wie Australien beobachteten Virusvarianten.
Für wen werden Impfungen empfohlen?
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem für:
- Menschen ab 60 Jahren
- Personen mit Vorerkrankungen
- Schwangere
- Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen
Eine Impfung gegen Covid-19 und RSV wird insbesondere Menschen ab 75 Jahren sowie auch jüngeren Personen mit bestimmten Grunderkrankungen nahegelegt.
Bis ein wirksamer Schutz aufgebaut ist, vergehen etwa zwei Wochen. Dieser hält dann in der Regel mehrere Monate an. Auch Impfstoffe aus der vergangenen Saison können noch einen ausreichend guten Schutz bieten. Darüber hinaus gibt es vielerorts auch für weitere Altersgruppen Impfangebote, vor allem gegen Influenza.
Wo sind Impfungen möglich?
Impfungen werden unter anderem in Hausarztpraxen, durch Betriebsärzte und in Apotheken angeboten. Nach Angaben der Apothekerverbände ist die Zahl der Apotheken mit Impfangebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.
Wie hoch sind die Impfquoten?
Nach Einschätzung der Stiko sind die Impfquoten in Deutschland seit Jahren zu niedrig — besonders bei Menschen mit Grunderkrankungen, die ein höheres Risiko für schwere Verläufe tragen.
Bei Erwachsenen mit solchen Vorerkrankungen lassen sich demnach nur etwa 30 bis 40 Prozent gegen Influenza impfen. Bei Kindern mit Grunderkrankungen liegt der Anteil sogar nur bei rund 10 Prozent. Aus Sicht von Fachleuten bleibt damit ein großer Teil besonders gefährdeter Menschen ungeschützt. Sie sprechen sich daher dafür aus, Impfungen beispielsweise auch in Kliniken anzubieten und die Kosten dafür von den Krankenkassen übernehmen zu lassen.
Rückblick auf die vergangene Saison
Nach Daten des Robert Koch-Instituts wurden in der Wintersaison 2025/26 rund 180 Millionen Atemwegserkrankungen registriert. Dazu zählten unter anderem Influenza, Covid-19, RSV-Infektionen, Erkrankungen durch Rhinoviren sowie saisonale Coronaviren.
Kleinkinder kamen im Durchschnitt auf 4,6 akute Atemwegserkrankungen, bei Menschen ab 60 Jahren lag der Mittelwert bei 1,3. Rund 429.000 schwere akute Atemwegsinfekte mussten bundesweit im Krankenhaus behandelt werden. Etwa 22.700 Menschen starben. Insgesamt bewertet das RKI die Saison anhand dieser Zahlen als moderat und vergleichbar mit der Lage in anderen Ländern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber