Wirtschaft

Warum Porsche jetzt radikal sparen will

Nach dem Crash der Gewinne zündet Porsche den Neustart: Mit diesem Plan soll der Sportwagenbauer zurück an die Spitze.

07.10.2026, 08:00 Uhr

Porsche spart massiv, setzt auf Luxusmodelle und peilt wieder zweistellige Renditen an

Porsche will in den kommenden Jahren deutlich sparen, die Organisation verschlanken und sich noch stärker auf besonders margenstarke Fahrzeuge konzentrieren. Mit der in Weissach vorgestellten Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ soll der Sportwagen- und SUV-Hersteller wieder profitabler werden.

Konzernchef Michael Leiters, der seit Januar an der Spitze des Unternehmens steht, präsentierte den Umbauplan im Entwicklungszentrum in Weissach, der „Herzkammer“ des Konzerns. Porsche reagiert damit auf sinkende Absatzzahlen, Belastungen in China, eine schwächere Nachfrage nach Elektroautos und die Folgen der US-Zölle. Nach den Gewinneinbrüchen soll nun eine tiefgreifende Sanierung folgen.

Weniger Autos, aber mehr Ertrag

Ein Kernziel der neuen Strategie ist es, Porsche unabhängiger von hohen Stückzahlen zu machen. Künftig soll der Konzern schon bei weniger als 200.000 Fahrzeugen profitabel arbeiten. Viele Bereiche waren zuletzt laut Leiters noch auf rund 350.000 Autos ausgelegt.

Bereits im kommenden Jahr soll die Gewinnschwelle unter die Marke von 200.000 Fahrzeugen sinken. Porsche setzt dafür auf eine klarere Ausrichtung auf exklusive und hochpreisige Modelle. Das gilt in der Branche als anspruchsvoll, weil normalerweise Größenvorteile für hohe Stückzahlen sprechen.

Mehr teure Modelle und stärkere Individualisierung

Der Anteil besonders teurer Fahrzeuge soll von derzeit etwa einem Drittel auf nahezu die Hälfte steigen. Bis 2030 will Porsche so den durchschnittlichen Verkaufspreis der teuersten 10.000 Fahrzeuge von 270.000 auf 330.000 Euro anheben.

Zugleich soll der Umsatz des Sonderwunsch-Programms, über das Kunden ihre Fahrzeuge stark individualisieren können, mittelfristig versechsfacht werden.

Geplant oder geprüft werden unter anderem:

  • ein größeres und teureres SUV oberhalb des Cayenne,
  • weitere besonders hochwertige Varianten des 911,
  • sowie voraussichtlich ein zweitüriger Supersportwagen über dem 911.

An anderer Stelle soll das Angebot gestrafft werden: Die Zahl der Modellvarianten will Porsche um rund 20 Prozent reduzieren.

Neue Modelle bis 2029

Porsche muss in den kommenden Jahren auch Lücken im Portfolio schließen. So kündigte Leiters die elektrischen 718-Modelle (Boxster und Cayman) für 2027 an. 2028 soll ein neues SUV mit Verbrenner oder Plug-in-Hybrid neben den vollelektrischen Macan treten.

Beim 911 legte sich der Porsche-Chef klar fest: „Der 911er wird niemals elektrisch sein.“

Von den elektrischen 718-Modellen erwartet Porsche ab 2028 Rückenwind für den Absatz. Das neue SUV soll ab 2029 spürbar zu Umsatz und Profitabilität beitragen.

Deutliche Kürzungen bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb

Nach Unternehmensangaben sollen die Entwicklungskosten für künftige Modellreihen um bis zu 20 Prozent sinken. In der Fertigung ist mittelfristig eine Reduzierung der Personalkosten um bis zu 30 Prozent geplant. Auch im Verkauf und Vertrieb will Porsche die Ausgaben um 20 Prozent verringern, unter anderem durch weniger Vertriebsregionen.

Bei den Materialeinzelkosten für neue Fahrzeugprojekte peilt Porsche ein Minus von rund zehn Prozent gegenüber den bisherigen Planungen an.

Zusätzlich soll die Entwicklungszeit um bis zu 40 Prozent sinken. Helfen sollen dabei mehr Simulationen, weniger Komplexität und stärkere Synergien im Volkswagen-Konzern, etwa bei gemeinsamen Bauteilen. Entwicklungschef Michael Steiner formulierte das Ziel so: Dort, wo Kunden keinen Unterschied bemerkten, müsse Porsche schlanker werden, um an anderer Stelle gezielt investieren zu können.

Schlankere Organisation und Fokus auf das Kerngeschäft

Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft sowie eine schlankere Organisation. In diesem Zusammenhang sollen die Managementstellen mittelfristig um 40 Prozent reduziert werden.

Porsche will sich außerdem von Randaktivitäten trennen. Geplant sind der Verkauf von Beteiligungen an Bugatti und der Management- und IT-Beratung MHP sowie die Schließung mehrerer Tochtergesellschaften.

Weitere Stellenstreichungen bis 2035

Der Umbau trifft auch die Belegschaft. Insgesamt soll die Zahl der Beschäftigten in direkten und indirekten Bereichen mittelfristig um 25 Prozent sinken; strategisch peilt Porsche langfristig 30 Prozent an. Überproportional abgebaut werden soll in Verwaltung und Entwicklung.

Weltweit beschäftigte der Konzern Ende 2025 noch rund 41.800 Menschen.

Eine wichtige Rolle spielt das im Sommer vereinbarte Zukunftspaket. Es sieht vor, bis 2035 in der Region Stuttgart weitere 5.000 Stellen abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden im Gegenzug ausgeschlossen. Insgesamt fallen in der Porsche-Heimat damit rund 9.000 Stellen weg. Hinzu kommen weitere Abbauprogramme im Werk Leipzig und bei Tochtergesellschaften.

Belastungen durch China, E-Autos und Zölle

Zuletzt hatte Porsche mit mehreren Problemen zu kämpfen. Dazu zählen rückläufige Verkaufszahlen, vor allem in China, eine schwächere Nachfrage nach Elektroautos sowie die US-Zölle. Hinzu kamen hohe Milliardenkosten für die Verlängerung der Verbrenner-Strategie, die den Gewinn des Konzerns 2025 weitgehend aufgezehrt hatten.

Der Überschuss nach Steuern brach im Vergleich zum Vorjahr um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Im ersten Halbjahr stabilisierte sich das Ergebnis zwar wieder, dennoch belastete die Krise bei Porsche zuletzt auch die Bilanz des Mutterkonzerns Volkswagen deutlich.

In China stellt sich Porsche nach den Worten von Leiters auf eine dauerhaft deutlich kleinere Rolle ein. Künftig könnte dort höchstens noch rund ein Zehntel der Fahrzeuge verkauft werden. Im Spitzenjahr 2020 gingen fast 35 Prozent der Porsche-Auslieferungen nach China, 2025 waren es nur noch knapp 15 Prozent. Aufgeben will Porsche den Markt aber nicht.

Profitabilität soll wieder steigen

Mit der neuen Ausrichtung will Porsche auch bei Umsatz und Ergebnis wieder zulegen. Nach Unternehmensangaben soll das Umsatzwachstum höher ausfallen als das Absatzwachstum, während das Ergebniswachstum wiederum stärker als das Umsatzwachstum sein soll.

Mittelfristig peilt Porsche wieder eine operative Umsatzrendite von 10 bis 15 Prozent an. Im ersten Halbjahr lag sie bei 7,8 Prozent. Beim Umsatz strebt der Hersteller in einigen Jahren 41 bis 45 Milliarden Euro an, nach 36,3 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Das obere Ende dieser Spanne hängt nach Unternehmensangaben allerdings auch von einem günstigeren wirtschaftlichen, geopolitischen und regulatorischen Umfeld sowie von zusätzlichen Wertschöpfungsinitiativen ab.

Der Umbau braucht Zeit

Leiters machte deutlich, dass der Kurswechsel nicht kurzfristig wirken werde. Zunächst gehe es darum, Porsche wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Mit dem Start der nächsten Produktgenerationen soll die Entwicklung dann spürbar an Fahrt gewinnen.

Finanzchef Jochen Breckner stellte die Belegschaft allerdings auf eine weitere schwierige Phase ein: 2027 dürfte für Porsche noch einmal härter werden. Absatz und Profitabilität würden dann voraussichtlich unter den Werten von 2026 liegen.

Selbst wenn die Strategie aufgeht, bleibt Porsche mit einem langfristigen Renditeziel von 15 Prozent unter den Werten früherer Spitzenjahre.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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