Die angekündigte Streichung von fast 8.000 Stellen beim Facebook-Mutterkonzern Meta zeigt, wie stark Künstliche Intelligenz inzwischen die Arbeitswelt im Silicon Valley verändert. Immer häufiger übernehmen KI-Systeme Aufgaben, die bislang von Menschen erledigt wurden.
Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte die Richtung bereits zu Jahresbeginn angedeutet. 2026 werde ein Jahr sein, in dem KI die Art zu arbeiten grundlegend verändern könne. Projekte, für die früher große Teams nötig gewesen seien, könnten inzwischen teils von einer einzelnen hochqualifizierten Person bewältigt werden, erklärte der Gründer.
Wochen der Ungewissheit
Schon damals stellte sich die Frage, was das für die Beschäftigten bedeutet. Inzwischen ist klar: Am 20. Mai soll sich Meta von rund jedem zehnten Mitarbeiter trennen. Zudem bleiben etwa 6.000 offene Stellen unbesetzt.
Da die Entscheidung erst im Mai umgesetzt werden soll, steht der Belegschaft jedoch zunächst eine Phase belastender Unsicherheit bevor. Personalchefin Janelle Gale schrieb laut interner Mitteilung, diese Situation sei für viele "unglaublich zermürbend". Nach vorzeitigen Informationslecks habe man die noch nicht vollständig abgeschlossenen Pläne aber früher offenlegen müssen.
Menschen überwachen die KI
KI kann schon seit geraumer Zeit Programmcode erstellen. Für Unternehmen eröffnet das die Möglichkeit, weniger Entwickler zu benötigen. Code, der früher manuell geschrieben wurde, entsteht heute zunehmend mithilfe von KI-Tools. Die Aufgabe der Beschäftigten verschiebt sich damit stärker auf Kontrolle und Qualitätssicherung. Bei Google stammen nach jüngsten Unternehmensangaben bereits 75 Prozent des neuen Programmcodes aus KI-Werkzeugen.
Als nächster Entwicklungsschritt gelten sogenannte KI-Agenten. Dabei handelt es sich um Software, die Aufgaben und ganze Prozessketten eigenständig bearbeiten kann. In einer weiteren internen Mitteilung, über die das "Wall Street Journal" berichtete, beschrieb Metas Technikchef Andrew Bosworth diese Technologie als Kern der künftigen Konzernstrategie. Demnach sollen KI-Agenten den Großteil der Arbeit übernehmen, während menschliche Mitarbeiter sie anleiten, überprüfen und weiter verbessern.
Auch andere Konzerne bauen Stellen ab
Im Silicon Valley vergeht derzeit kaum eine Woche ohne neue Meldungen über Entlassungen, oft im Bereich von mehreren Hundert Jobs. Bereits rund zwei Monate vor Metas Ankündigung hatte der Zahlungsdienstleister Block von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey deutlich härter durchgegriffen: Mehr als 4.000 der zuvor rund 10.000 Beschäftigten verloren ihren Arbeitsplatz.
Dorsey begründete den Schritt damals nicht mit wirtschaftlicher Schwäche. Das Geschäft wachse und werde profitabler, schrieb er auf X. Dennoch habe sich etwas Grundlegendes verändert: KI-Werkzeuge in Verbindung mit kleineren Teams ermöglichten eine neue Form des Arbeitens und veränderten damit auch, wie Unternehmen aufgebaut und geführt würden.
Er ging sogar noch weiter und sagte voraus, dass innerhalb eines Jahres die Mehrheit der Firmen zu ähnlichen Einschätzungen gelangen und vergleichbare strukturelle Umbauten einleiten werde.
Jack Dorsey strich bei seinem Bezahldienst Block mehr als 40 Prozent der Arbeitsplätze und rechnet damit, dass viele andere Unternehmen ähnlich handeln werden.
Bei Meta lautet die offizielle Begründung für den Stellenabbau, man wolle effizienter werden und höhere Ausgaben ausgleichen. Der Konzern investiert derzeit massiv in KI-Infrastruktur. Für das laufende Jahr stellte Meta Kapitalausgaben zwischen 115 und 135 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Zusätzlich sorgte Meta zuletzt mit einer internen Mitteilung für Aufsehen, die im Internet verbreitet wurde. Darin hieß es, Mitarbeiter müssten sich darauf einstellen, dass ihre Computer-Nutzung von Software erfasst werde, damit kommende KI-Modelle daraus lernen können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion