Ex-Prinz Andrew bekommt Ausgleichszahlung nach Auszug aus der Royal Lodge
Der britische Ex-Prinz Andrew, der seit Jahren wegen seiner früheren Nähe zu Jeffrey Epstein stark in der Kritik steht, erhält nach dem Verlassen der Royal Lodge eine Entschädigung in sechsstelliger Höhe. Das teilte der Crown Estate mit, der den Grund- und Immobilienbesitz der britischen Krone verwaltet. Demnach stehen dem 66-Jährigen mehr als 300.000 Pfund zu, umgerechnet rund 354.000 Euro.
Für uneingeschränkte Freude sorgt die Zahlung jedoch nicht. Laut Mitteilung wurden Andrew gleichzeitig 1,8 Millionen Pfund für notwendige Instandsetzungsarbeiten berechnet. Dem Crown Estate seien davon bereits 1,5 Millionen Pfund von Andrew überwiesen worden. Das Anwesen soll inzwischen komplett geräumt worden sein. Nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur PA soll allerdings König Charles III., Andrews älterer Bruder, die Kosten übernommen haben.
Andrew hatte die exklusive Residenz auf dem Gelände von Schloss Windsor ursprünglich für 75 Jahre gepachtet und nach Angaben einen hohen Millionenbetrag in die Sanierung investiert. Im Gegenzug musste er nur eine symbolische Pacht entrichten, eine sogenannte Pfefferkorn-Miete. Die jetzige Ausgleichszahlung wurde fällig, weil er den Pachtvertrag deutlich vorzeitig beendete und das Objekt bereits nach weniger als 25 Jahren zurückgab.
Vom Senior-Royal zum Rückzug nach Norfolk
Nach den Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal verlor Andrew schrittweise seine royalen Aufgaben, Titel und Auszeichnungen. Zuletzt musste er auch seinen repräsentativen Wohnsitz in Windsor aufgeben. Mittlerweile lebt er auf der deutlich schlichteren Marsh Farm in der ostenglischen Grafschaft Norfolk.

Bemerkenswert ist auch, dass der Crown Estate noch Ende des vergangenen Jahres in einem Parlamentsausschuss erklärt hatte, Andrew werde wegen des schlechten Zustands der Renovierungsarbeiten voraussichtlich keine Entschädigung erhalten. Diese Einschätzung wurde nun offenbar revidiert.
Auslöser für Andrews Absturz war vor allem seine langjährige Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der inzwischen verstorbene US-Multimillionär hatte ein Missbrauchsnetzwerk aufgebaut, dem zahlreiche Minderjährige zum Opfer fielen. Andrew beteuerte stets, von den Verbrechen nichts gewusst zu haben. Dennoch geriet er immer stärker unter Druck.
Zusätzlich belasteten ihn die Vorwürfe von Virginia Giuffre, die erklärte, Andrew habe sie missbraucht, als sie 17 Jahre alt war. Andrew wies die Anschuldigungen stets zurück, einigte sich in einem Zivilverfahren in den USA jedoch Berichten zufolge auf einen Vergleich in Millionenhöhe mit Giuffre.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber