Fußball

Was Littbarski und Rummenigge Nationalspielern vorwerfen

Littbarski und Rummenigge rechnen mit dem DFB-Team ab – und verraten, was ihren Nachfolgern heute brutal fehlt.

08.10.2026, 03:45 Uhr

Rummenigge und Littbarski vermissen markante Persönlichkeiten im DFB-Team

Die früheren Nationalspieler Karl-Heinz Rummenigge und Pierre Littbarski sehen bei der deutschen Nationalmannschaft Defizite. Bei einem Auftritt im Münchner Residenztheater äußerten sie den Wunsch nach mehr starken Charakteren, größerer Verlässlichkeit und mehr Spannung auf dem Platz. Auch die einst gefürchtete körperliche Präsenz der deutschen Mannschaft fehle aus ihrer Sicht.

Anlass war die Aufführung des Dokumentartheaterstücks „Die Nacht von Sevilla“ mit Peter Lohmeyer. Das Werk von Manuel Neukirchner erinnert an das legendäre WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich in Spanien.

Littbarski fordert mehr Beständigkeit statt „Gequake“

Littbarski betonte, echte Nationalspieler hätten früher oft über viele Jahre hinweg das Team geprägt. Für ihn lag das vor allem an besonderen Persönlichkeiten innerhalb der Mannschaft. Er hoffe, dass es solche Spieler auch in der inzwischen von Jürgen Klopp betreuten Nationalelf wieder geben werde.

Der Weltmeister von 1990 erklärte, dass er sich damals auf Mitspieler wie Rummenigge oder Torhüter Toni Schumacher jederzeit habe verlassen können. Genau diese Sicherheit und Geschlossenheit fehle ihm heute. Statt vieler Worte wünsche er sich wieder mehr Substanz.

Rummenigge vermisst den früheren Nervenkitzel

Das Halbfinale von Sevilla, das Deutschland nach einem 3:3 nach Verlängerung im Elfmeterschießen mit 5:4 gewann, bezeichnete Littbarski als ein Spiel für die Ewigkeit. Rummenigge sagte, genau dieser besondere Reiz und diese Dramatik seien bei der Nationalmannschaft in den vergangenen vier oder fünf Turnieren kaum noch zu erkennen gewesen.

Multimediale Leseinszenierung «Die Nacht von Sevilla»
Karl-Heinz Rummenigge war bei den WM-Endspielen 1982 und 1986 dabei. Quelle: René Chlopotowski/dpa

„Schwere Muskeln“ als frühere deutsche Stärke

Rummenigge erinnerte daran, dass deutsche Teams international einst auch wegen ihrer Robustheit und mentalen Stärke Respekt eingeflößt hätten. Diese Qualitäten seien nach seiner Einschätzung seit 2016 praktisch nicht mehr vorhanden. Damals erreichte Deutschland bei der Europameisterschaft in Frankreich letztmals ein Halbfinale.

Auch er kam zu dem Schluss, dass die Mannschaft wieder mehr prägende Figuren brauche. Von Klopp erhofft sich Rummenigge einen Kurswechsel und die Rückkehr zu alten Tugenden.

Schumacher spricht über den Zusammenstoß mit Battiston

Das Theaterstück beleuchtet auch die wohl dunkelste Szene des Halbfinals 1982: den heftigen Zusammenprall zwischen Schumacher und dem französischen Spieler Patrick Battiston in der 57. Minute. Battiston blieb bewusstlos liegen, doch der Schiedsrichter wertete die Aktion damals nicht als Foul.

Schumacher berichtete in München, dass ihn die Folgen des Vorfalls in Frankreich lange begleitet hätten. In einer Umfrage sei er damals sogar noch vor Adolf Hitler zum meistgehassten Deutschen gewählt worden. Zudem habe er Personenschutz erhalten, und es habe Drohungen gegen seine Familie gegeben.

Zwar sagte der frühere Torhüter, er würde in einer vergleichbaren Spielsituation erneut entschlossen zum Ball gehen. Rückblickend räumte er jedoch ein, dass es ein Fehler gewesen sei, sich nach dem Zusammenprall nicht um den verletzten Battiston zu kümmern.

Rummenigge erinnert an versäumte Entschuldigung

Rummenigge erklärte, er hätte sich gewünscht, Schumacher hätte schon damals mehr Einsicht gezeigt. Nach dem Spiel habe er ihm vorgeschlagen, gemeinsam in die französische Kabine zu gehen und sich zu entschuldigen. Schumacher habe das aber abgelehnt, sodass Rummenigge allein zu den Franzosen gegangen sei. Im Rückblick meinte er, es wäre besser gewesen, wenn Schumacher ihn damals begleitet hätte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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