Fußball

Topligen rechnen mit Infantino ab: «Ausbeuterisch»

Attacke auf Infantino: Europas Top-Ligen fordern radikale Reformen – und setzen die FIFA massiv unter Druck.

25.09.2026, 10:37 Uhr

Europas Top-Ligen erhöhen den Druck auf FIFA und Infantino

Im Machtkampf des internationalen Fußballs verschärfen die vier größten Ligen Europas ihre Kritik an der FIFA und ihrem Präsidenten Gianni Infantino. Bundesliga, La Liga, Serie A und Premier League werfen der Verbandsspitze gravierende Führungsfehler vor und verlangen tiefgreifende Reformen – eine direkte Rücktrittsforderung gegen Infantino formulieren sie jedoch weiterhin nicht.

In einem gemeinsamen, zweiseitigen Brief erklären die Ligen, die über Jahre gewachsenen Grundlagen des Fußballs seien zuletzt durch ein grundsätzliches Führungsproblem bedroht worden. Der FIFA-Präsident habe aus ihrer Sicht problematische und ausbeuterische Ideen nicht gestoppt, sondern aktiv begünstigt. Infantinos Name wird in dem Schreiben zwar nicht ausdrücklich genannt, die Botschaft richtet sich jedoch unmissverständlich an ihn.

Unterzeichnet wurde der Brief von Marc Lenz für die Bundesliga, Javier Tebas für La Liga, Luigi De Siervo für die Serie A und Richard Masters für die Premier League. Das Schreiben trägt den Titel: „Um den Fußball zu vereinen, muss sich die FIFA reformieren.“ Darin warnen die Ligachefs außerdem vor dem „unerbittlichen Expansionismus“ des Weltverbands und dessen Folgen für den gesamten Fußball.

Kritik an Reformangeboten der FIFA

Infantino war bereits im Sommer massiv unter Druck geraten. Auslöser war damals der Vorstoß, die Vermarktung der WM-Rechte mit externen Investoren voranzutreiben. Auch sein Führungsstil steht seit Längerem in der Kritik.

Zwar hatte der FIFA-Präsident daraufhin erstmals Gespräche mit seinen Gegnern über mögliche Reformen angeboten und zudem eine unabhängige externe Überprüfung der Führungsstrukturen des Verbands angekündigt. Nach Ansicht der vier Ligen reicht das aber nicht aus. Oberflächliche Änderungen an Abläufen seien zu wenig. Stattdessen sei eine grundlegende Reform der FIFA-Governance nötig, um klare verfassungsrechtliche Grenzen innerhalb des Verbands wiederherzustellen.

In ihrem Brief beziehen sich die Ligen nicht nur auf das gescheiterte Investorenprojekt. Sie verweisen auch auf die nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump wieder aufgehobene Rot-Sperre gegen Stürmer Folarin Balogun bei der WM – ein Vorgang, den die Kritiker ebenfalls als problematisch werten.

Drei konkrete Forderungen an die FIFA

Die vier Top-Ligen verlangen von der FIFA-Führung ausdrücklich drei Punkte:

  • echte Mitsprache betroffener Interessengruppen bei wichtigen Entscheidungen,
  • eine nachvollziehbare und evidenzbasierte Entscheidungsfindung,
  • den Schutz der FIFA als Hüterin des Fußballs vor rein kommerziellen Interessen.

Außerdem fordern sie, dass der am 18. März in Rabat gewählte FIFA-Präsident innerhalb von 100 Tagen eine unabhängige Kommission einsetzt. Spätestens nach sechs Monaten soll diese einen öffentlichen Bericht vorlegen.

Infantino will weitermachen

Trotz der Kritik macht Infantino deutlich, dass er die FIFA weiter führen will. Hinweise auf einen Verzicht auf eine erneute Kandidatur beim Kongress im März 2027 gibt es nicht. Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin drängen allerdings genau darauf und fordern, dass Infantino auf eine vierte Amtszeit verzichtet.

Derzeit ist Infantino nach aktuellem Stand der einzige Kandidat für die Wahl im kommenden Jahr. Zwar fahren die UEFA und Verbände aus Nord- und Mittelamerika seit Wochen einen harten Oppositionskurs gegen ihn, einen Gegenkandidaten konnten sie bislang aber nicht präsentieren.

Dass die Ligen in ihrem Brief dennoch keine öffentliche Rücktrittsforderung erheben, überrascht deshalb einige Beobachter. In Teilen Europas ist diese Haltung längst deutlich schärfer. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke sagte zuletzt über Infantino, dieser müsse gehen. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich ähnlich. Selbst Spaniens Liga-Chef Tebas hatte bereits im August offen Infantinos Rücktritt verlangt und ein Führungsmodell kritisiert, das Macht konzentriere, Kontrollmechanismen schwäche und direkt Betroffene an den Rand dränge.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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