Infantino zwischen Nahost-Konflikt, Iran-Frage und eigener Zukunft an der FIFA-Spitze
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat beim Kongress des Weltverbands gleich mehrere heikle Themen bewältigen müssen. Besonders deutlich wurde das bei seinem Versuch, Vertreter Palästinas und Israels öffentlich zu einer Geste der Annäherung zu bewegen. Der Vorstoß misslang sichtbar. Dennoch konnte Infantino in einer anderen politisch sensiblen Frage einen Erfolg für sich verbuchen: US-Präsident Donald Trump überließ ihm die Entscheidung, ob der Iran bei der WM teilnehmen darf.
Trump gibt Infantino Rückendeckung beim Thema Iran
Aus dem Weißen Haus erklärte Trump, sein „Freund“ Infantino könne in der Angelegenheit frei entscheiden. Er selbst habe nichts dagegen, den Iran spielen zu lassen. Damit stellte sich der US-Präsident hinter die Linie des FIFA-Chefs, nachdem zuletzt erneut über eine mögliche Teilnahme des Iran diskutiert worden war.
Hintergrund der Debatte war, dass iranische Funktionäre beim FIFA-Kongress im kanadischen WM-Austragungsort nicht anwesend waren. Medienberichten zufolge sollen sie an der Grenze zurückgewiesen worden sein.
Infantino versuchte deshalb gleich zu Beginn seiner Rede, Klarheit zu schaffen. Er betonte, dass der Iran selbstverständlich an der WM teilnehmen und auch in den USA spielen werde. Trump reagierte darauf gelassen und sagte, wenn Infantino das so entschieden habe, sei das für ihn in Ordnung. Zugleich lobte er den FIFA-Präsidenten ausdrücklich.
Vermittlungsversuch zwischen Palästina und Israel scheitert
Wie schwierig Infantinos Rolle zwischen Sport und Weltpolitik ist, zeigte sich auch beim Nahost-Thema. Nach Ansprachen von PFA-Präsident Dschibril Radschub und Israels Verbandsvize Bassim Scheich Suliman bat Infantino beide Funktionäre gemeinsam auf die Bühne.
Doch das Bild der Versöhnung blieb aus: Die beiden standen mit deutlichem Abstand voneinander entfernt, ein symbolträchtiger Handschlag kam nicht zustande. Infantino appellierte zwar, gemeinsam im Sinne der Kinder und der Hoffnung zusammenzuarbeiten, doch beide verließen die Bühne getrennt.
Palästinensischer Verband zieht vor den Cas
Der Konflikt dürfte die FIFA weiter beschäftigen. Der palästinensische Verband will vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas ziehen. Dort soll geprüft werden, ob die Entscheidung des FIFA-Councils rechtmäßig war, Israels Verband nicht wegen mutmaßlich diskriminierender Maßnahmen gegen palästinensische Fußballer zu sanktionieren.
Auch international wurde Infantinos Auftritt kritisch gesehen. Beobachter verwiesen darauf, dass sein Anspruch, als diplomatischer Akteur auf höchster Ebene zu agieren, in diesem Moment an klare Grenzen gestoßen sei.
Infantino will 2027 erneut kandidieren
Zum Abschluss des Kongresses kündigte Infantino zudem an, bei der Wahl am 18. März 2027 in Rabat erneut für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen. Für den 56-Jährigen wäre es die vierte Kandidatur. Da seine ersten rund dreieinhalb Jahre als Nachfolger von Joseph Blatter laut Regelwerk nicht vollständig angerechnet werden, könnte er bei einer Wiederwahl bis 2031 im Amt bleiben. Diese Amtszeit wäre dann die letzte nach den geltenden Statuten.
Infantino sagte, er fühle sich geehrt und zugleich demütig, erneut antreten zu können.
DFB hält sich mit Unterstützung noch zurück
Beim Deutschen Fußball-Bund ist das Verhältnis zu Infantino inzwischen deutlich entspannter als noch bei seiner Wiederwahl 2023, als eine unmittelbare Unterstützung per Akklamation verweigert wurde. Eine feste Zusage wollte DFB-Präsident Bernd Neuendorf diesmal aber noch nicht geben.
Neuendorf verwies darauf, dass zunächst die zuständigen Gremien innerhalb des DFB sowie gemeinsam mit der DFL über die Kandidatur beraten würden. Eine Entscheidung solle erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist fallen.
Gegenkandidat derzeit nicht in Sicht
Bis zum 18. November können die FIFA-Mitgliedsverbände weitere Kandidaten nominieren. Momentan ist jedoch kein ernsthafter Herausforderer für Infantino erkennbar. Zudem haben die Verbände aus Südamerika, Afrika und Asien dem Amtsinhaber bereits vor seiner offiziellen Bewerbung ihre volle Unterstützung zugesichert. Damit scheint die notwendige Mehrheit schon jetzt gesichert.
FIFA kündigt höhere Fördermittel an
Passend zu seiner erneuten Kandidatur konnte Infantino auch wirtschaftlich positive Zahlen präsentieren. Das Entwicklungsprogramm „Forward“ für die Mitgliedsverbände soll im Zeitraum von 2027 bis 2030 um 20 Prozent aufgestockt werden. Insgesamt würden damit 2,7 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stehen.
Damit geht Infantino mit politischem Rückenwind, finanziellen Rekordwerten und wohl ohne ernsthafte Konkurrenz in die nächste Phase seiner Präsidentschaft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion