Fußball

Nach Frusttagen: Bayerns Torrausch – doch Kompany wankt

Nach zwei Wacklern zerlegt Bayern Leipzig 6:1 – Díaz trifft dreifach. Doch warum wirkt Kompany plötzlich wie ein Rätsel?

17.10.2026, 20:24 Uhr

FC Bayern setzt mit Tor-Gala gegen Leipzig ein Ausrufezeichen

Auch mit einem gesundheitlich angeschlagenen Vincent Kompany hat der FC Bayern nach zuletzt zwei Frusterlebnissen eindrucksvoll zurückgeschlagen. Beim klaren 6:1 (3:0) gegen RB Leipzig saß der Münchner Trainer fast die komplette Partie auf der Bank und überließ das Coaching an der Seitenlinie weitgehend seinen Assistenten. Nach dem Schlusspfiff ging Kompany dann langsam in den Mittelkreis, um Dreierpacker Luis Díaz zu seinem starken Auftritt zu gratulieren.

Der Kolumbianer traf in der 12., 47. und 69. Minute. Außerdem waren Aleksandar Pavlovic (26.), Michael Olise (34.) und Harry Kane (53.) erfolgreich. Für Leipzig gelang Andrija Maksimovic (90.+1) nur noch der späte Ehrentreffer.

Kompany fehlt die Kraft – Kimmich witzelt im TV

Schon während der Partie fiel auf, dass Kompany diesmal ungewöhnlich ruhig blieb. Nach dem Spiel erklärte Sportvorstand Max Eberl, der Bayern-Coach habe die gesamte Woche über mit einem Infekt zu kämpfen gehabt und sich zusätzlich eine Sportverletzung an der Hüfte zugezogen. "Er liegt grad in der Trainerkabine, aber es geht ihm gut", sagte Eberl bei Sky. Zu einem TV-Interview erschien Kompany später nicht mehr.

Für einen lockeren Moment sorgte Joshua Kimmich, als er auf das Fehlen seines Trainers angesprochen wurde. Zunächst sagte der Nationalspieler, er habe davon gar nichts mitbekommen, und scherzte dann in Richtung der TV-Runde um Lothar Matthäus: "Der hat keinen Bock auf euch."

Eberl war dafür umso angetaner vom Auftritt seiner Mannschaft. Bayern habe von Beginn an aggressiv verteidigt, mutig gespielt und sich den deutlichen Sieg damit absolut verdient.

Tabellenführung mindestens über Nacht

Die Münchner profitierten außerdem vom 0:0 von Borussia Dortmund beim 1. FC Union Berlin und rückten damit zumindest bis zum Sonntagsspiel des SC Freiburg in Leverkusen auf Rang eins vor. Der Kantersieg ist zugleich die perfekte Einstimmung auf das Champions-League-Duell am Mittwoch gegen Titelkandidat FC Arsenal.

Leipzig kassiert eine Lehrstunde

Bei RB fiel die Analyse nach dem Abpfiff vernichtend aus. Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer sprach von einer "Lehrstunde" und einem "kompletten Versagen" in allen Bereichen. Das Ergebnis sei deshalb folgerichtig, sagte Schäfer, und kündigte eine schonungslose Aufarbeitung an: Das sei nicht der Anspruch der Leipziger.

Bayern dominiert von Beginn an

Vor 75.000 Zuschauern entwickelte sich die Partie früh zu Einbahnstraßen-Fußball. Nachdem Bayern zuletzt in Augsburg (2:2) nach 8,4 Sekunden und in Stavanger (3:3) nach 71 Sekunden jeweils früh in Rückstand geraten war, wäre diesmal beinahe das Gegenteil passiert: Schon nach nicht einmal zwei Minuten hatte Díaz die erste große Chance, doch Maarten Vandevoordt parierte zunächst noch.

Diese Szene gab bereits die Richtung des Abends vor. Fast alles spielte sich vor dem Leipziger Tor ab. Im Mittelpunkt stand neben Díaz erneut Harry Kane, der in seinem 100. Bundesliga-Spiel zunächst mehrfach glänzend vorbereitete und nach der Pause auch selbst traf. Es war sein 102. Bundesliga-Tor.

Die Münchner Angriffe waren nicht nur effizient, sondern oft auch sehenswert herausgespielt. Vor dem 1:0 hob Joshua Kimmich den Ball gefühlvoll über die Leipziger Abwehr auf Díaz. Beim 3:0 leitete Kane den Angriff ein und setzte Olise nach einem Doppelpass in Szene. Der Franzose antwortete damit auf die Kritik nach seinem Platzverweis in Stavanger mit einem Tor.

An der Seitenlinie gab vor allem Co-Trainer Aaron Danks die Anweisungen für den Münchner Sturmlauf.

Fragezeichen hinter Neuer

Trotz der sechs Gegentore war Vandevoordt noch einer der auffälligsten Leipziger und verhinderte mit mehreren Paraden eine noch höhere Niederlage. Auf der anderen Seite erlebte Jonas Urbig im Bayern-Tor bis auf den Gegentreffer in der Nachspielzeit einen weitgehend ruhigen Abend.

Der 23-Jährige vertrat erneut Manuel Neuer. Der 40-Jährige hatte nach seinem Patzer in Augsburg bereits in der Königsklasse gefehlt, weil er Beschwerden am Fuß verspürte. Ob er gegen Arsenal zurückkehrt, ist weiter offen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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