Vincent Kompany hat dem FC Bayern auch am Tag vor dem Champions-League-Duell mit dem FC Arsenal gefehlt. Der erkrankte Cheftrainer schonte sich zu Hause, sodass erneut Co-Trainer Aaron Danks beim Abschlusstraining auf dem Vereinsgelände die lautstarken Kommandos übernahm. Ob Kompany am Mittwochabend (21.00 Uhr/DAZN) tatsächlich an der Seitenlinie stehen kann, bleibt offen.
Danks übernimmt erneut auf dem Trainingsplatz
Beim Abschlusstraining gab der 43 Jahre alte Assistent die Anweisungen. Schon zuletzt beim 6:1 in der Bundesliga gegen RB Leipzig hatte Danks Kompany weitgehend vertreten, nachdem der Belgier wegen einer Virusinfektion und zusätzlicher Hüftprobleme angeschlagen war. Den klaren Sieg verfolgte Kompany damals größtenteils im Sitzen.
Danks machte vor dem Arsenal-Spiel deutlich, dass derzeit schwer abzuschätzen sei, ob es bei Kompany rechtzeitig reicht oder ob er noch einige Tage brauche. Der Bayern-Coach müsse sich ausruhen. Zugleich betonte der Assistent, dass Kompany in jedem Fall eine Rolle spielen werde – unabhängig davon, ob er im Stadion dabei sein kann oder nicht. Der Austausch im Trainerteam soll auf jeden Fall eng bleiben.
Schon einmal Chefvertreter in der Königsklasse
Für Danks wäre eine größere Verantwortung gegen Arsenal keine neue Situation. Bereits im Halbfinal-Hinspiel der Champions League in der Vorsaison hatte er Kompany vertreten, als der Bayern-Coach wegen einer Gelbsperre auf die Tribüne musste. Die Münchner verloren damals ein spektakuläres 4:5 gegen Paris Saint-Germain.
Danks sieht darin keinen außergewöhnlichen Fall. Er kenne die Situation, sagte der Engländer, und gehe dann mit voller Konzentration in die Partie.
Kimmich fehlt – Einsatz weiter nicht gesichert
Die Vorbereitung auf das Wiedersehen mit Arsenal verlief insgesamt dennoch nicht ideal. Neben der offenen Trainerfrage fehlte auch Joshua Kimmich aus privaten Gründen beim Training. Anders als zunächst erhofft, konnte Danks einen Einsatz des Mittelfeldspielers für das Spiel gegen die Londoner noch nicht bestätigen.
Neuer sendet positives Signal
Immerhin gab es gute Nachrichten von Manuel Neuer. Der Kapitän absolvierte nach zwei Spielen Pause wegen seiner Fußprobleme wieder eine Einheit mit der Torwartgruppe um Jonas Urbig. Sollte Neuer gegen Arsenal zurückkehren, wäre es sein 163. Einsatz in der Champions League. Damit würde er mit Thomas Müller und Lionel Messi gleichziehen.
Urbig deutete zugleich an, dass er für einen vollkommen fitten Neuer selbstverständlich wieder Platz machen würde. Der junge Keeper hob zudem eine besondere Stärke des Routiniers hervor: Neuer lasse sich von nichts irritieren und bewahre stets seine Ruhe.
Arsenal-Spiel mit Vorgeschichte
Das Duell mit den Gunners ist für die Münchner auch deshalb besonders, weil es noch offene Rechnungen gibt. In der Ligaphase der vergangenen Saison kassierte Bayern beim 1:3 in London eine von nur zwei Niederlagen in insgesamt 14 Königsklassen-Partien. Arsenal trat damals unter anderem mit Nationalspieler Kai Havertz an.
Sportvorstand Max Eberl machte klar, dass diese Erinnerung zusätzliche Energie freisetzen soll. Die Bayern hätten die Niederlage nicht vergessen und wollten daraus nun neue Kraft ziehen. Auch Serge Gnabry sprach vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club von einer offenen Rechnung.
Auch für Neuer hat das Aufeinandertreffen eine persönliche Note. Beim 1:3 vor rund elf Monaten wirkte er bei zwei Gegentreffern unglücklich. Nun bietet sich die Chance zur Wiedergutmachung, sofern er nach den Problemen am Fuß, in dem sich Flüssigkeit angesammelt hatte, wieder zwischen die Pfosten zurückkehrt.
Beeindruckende Heimserie als Trumpf
Ein wichtiger Faktor aus Bayern-Sicht ist diesmal der Spielort. Anders als beim vergangenen Gastspiel in London findet die Partie in München statt. Eberl sieht darin einen möglichen Vorteil gegen eines der derzeit stärksten Teams Europas.
Seit der 2:3-Niederlage gegen Manchester City im Dezember 2013 hat Bayern in der Gruppen- oder Ligaphase der Champions League kein Heimspiel mehr verloren. In diesem Zeitraum stehen 37 Siege und zwei Unentschieden zu Buche – eine Serie, die inzwischen seit 13 Jahren Bestand hat.
Auch in dieser Saison präsentiert sich der deutsche Rekordmeister in der Allianz Arena wieder äußerst dominant. Das 6:1 gegen Leipzig nährte zusätzlich das Selbstvertrauen vor dem Arsenal-Kracher.
Olise gesperrt – Gnabry oder Karl als Lösung?
Personell gibt es in der Offensive jedoch ein klares Handicap. Michael Olise fehlt nach seiner Gelb-Roten Karte beim 3:3 vor einer Woche bei Viking Stavanger gesperrt. Der Franzose gilt als einer der wichtigsten Kreativspieler der Münchner und ist gerade in Topspielen nur schwer zu ersetzen.
Als naheliegende Alternative für den rechten Flügel gilt Serge Gnabry, der als Ex-Arsenal-Profi zusätzliche Erfahrung mitbringt. Eine weitere Option ist Lennart Karl. Der Youngster hatte vor einem Jahr bei der Niederlage in London den einzigen Bayern-Treffer erzielt.
Gnabry betonte, dass Olise aktuell enorm wichtig für das Bayern-Spiel sei. Auch Eberl unterstrich den Stellenwert des Offensivspielers, machte aber gleichzeitig klar, dass der Ausfall keine Ausrede sein dürfe. Nun müssten andere in die Bresche springen.
Kane fordert den nächsten Schritt
Auch Harry Kane sieht im Fehlen von Olise eine Herausforderung. Einen Eins-zu-eins-Ersatz für einen Spieler dieses Formats gebe es selbst im Münchner Luxus-Kader kaum. Dennoch sei der Ausfall zugleich eine Chance für andere.
Kane betonte, bei einem Club wie Bayern müsse jeder bereit sein, sofort einzuspringen und den nächsten Schritt nach vorn zu machen. Konkurrenzkampf gehöre auf diesem Niveau dazu.
Für Kane selbst ist das Duell mit Arsenal ohnehin besonders. Gegen seinen Jugendclub kommt der englische Torjäger in Pflichtspielen auf 15 Tore in 22 Begegnungen. Entsprechend groß ist die Vorfreude des Angreifers auf einen Abend, den er als speziell einstuft – auch wegen der Atmosphäre in der ausverkauften Allianz Arena. Bayern spiele zu Hause, mit der Energie der Fans im Rücken: Das könne eine besondere Nacht werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber