Fußball

Klopp nach Griechen-Flop: «Wir sind besser!»

Nach dem 0:1 gegen Griechenland wird’s ungemütlich: Klopp schützt sein Team – und setzt jetzt alles auf Kader zwei.

28.09.2026, 05:43 Uhr

Jürgen Klopp hat nach dem 0:1 gegen Griechenland umgehend den Fokus auf Schadensbegrenzung und den nächsten Nations-League-Auftritt gelegt. Nach dem missglückten Heimdebüt des Bundestrainers sprach der 59-Jährige zunächst in der Kabine mit seiner ersten Kadergruppe um Kapitän Joshua Kimmich, die anschließend wie geplant individuell abreiste. Danach versuchte Klopp im Presseraum des Augsburger Stadions, die aufkommende Unruhe rund um die Nationalmannschaft einzufangen.

„Wenn die Euphorie jetzt weg ist, tut mir das leid“, sagte Klopp nach dem überraschenden Rückschlag. Zugleich wehrte er sich dagegen, die Lage grundlegend schlechtzureden. „Für mich gibt es keinen Grund, jetzt in Depression zu verfallen und zu sagen, wir sind ja doch so schlecht. Sind wir nicht. Aber wir sind auch noch nicht so gut, wie wir gerne wären.“

Erste Drucksituation für Klopp

Mit der Niederlage gegen Griechenland ist für Klopp schon früh die erste echte Drucksituation entstanden. Nach einer kurzen Nacht machte sich der Bundestrainer im DFB-Quartier in Herzogenaurach direkt wieder an die Arbeit – diesmal mit seinem zweiten 25-Mann-Kader. Vor dem nächsten Spiel am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) in München gegen Gruppen-Schlusslicht Serbien wächst der Ergebnisdruck bereits spürbar.

Klopp sprach von einer insgesamt guten Woche, schränkte aber ein: „Die Woche war alles top, bis auf das Spiel heute.“ Wie schon nach dem 1:1 in den Niederlanden suchte er auch nach der ersten Niederlage nach vorne zu blicken. „Lieber ein schlechter Start als ein schlechtes Ende“, sagte er. Gleichzeitig räumte er ein, dass der Abend schmerzhafte Einsichten gebracht habe: „Es gab einige Erkenntnisse, die ich nicht haben wollte. Gekriegt habe ich sie trotzdem.“

Appell an die Medien: „Lasst die Jungs in Ruhe“

Klopp übernahm die Verantwortung für den Fehlstart in die Nations League, für seine große Sichtung mit vielen neuen Gesichtern, für die Aufstellung und für die Ergebnisse. An die Medien richtete er einen deutlichen Appell: „Wenn ihr euch auf dem Weg an jemandem auslassen und jemanden kritisieren wollt, macht das mit mir. Lasst euch an mir aus – und lasst die Jungs in Ruhe.“

Nach Klopps Darstellung brauchen nicht nur die Debütanten, sondern auch die etablierten Nationalspieler jetzt Rückhalt. Wer seinen Weg mitgehen wolle und sich voll einbringe, für den bleibe die Tür offen. Damit machte der Bundestrainer erneut deutlich, dass er an seinem Kurs trotz des Rückschlags festhält.

Schweinsteigers Kritik und Klopps Widerspruch

Für zusätzliche Brisanz sorgte die Analyse von ARD-Experte Bastian Schweinsteiger. Der Weltmeister von 2014 sagte mit Blick auf den Zustand des deutschen Fußballs: „Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen. Wir haben nicht diese Spieler mehr, die den Unterschied ausmachen.“

Klopp wollte dieses Urteil so nicht stehen lassen. Zwar sei ihm klar gewesen, dass der deutsche Fußball derzeit nicht in einer Glanzphase sei. Wunder könne aber auch er nicht sofort bewirken. „Dass der deutsche Fußball aktuell nicht in der besten Situation aller Zeiten ist und Jürgen Klopp nicht vorbeikommt und einfach kurz mit Handauflegen alle Probleme löst, das wusste ich vorher. Wenn es irgendwer nicht wusste, dann weiß er es jetzt.“

XXL-Kader bleibt für Klopp „alternativlos“

Seinen ungewöhnlichen Start mit einem 44-Mann-Kader bezeichnete Klopp als „alternativlos“. Das groß angelegte Casting mit zwei fast komplett getrennten Gruppen soll ihm möglichst viele Erkenntnisse für den weiteren Aufbau bis zur EM 2028 liefern.

Kapitän Kimmich hätte die Mannschaft derweil gern weiter begleitet. „Ich hatte bis zum Ende so ein bissel gehofft, zu bleiben“, sagte der 116-malige Nationalspieler nach dem Spiel. Ausgerechnet er fälschte den Schuss von Dimitrios Kourbelis zum 0:1 unglücklich ab. Klopp sprach bei dem Gegentor von einem „Drecksding“.

Erste Gewinner der Sichtung – weitere Debüts in München

Als kleine Lichtblicke der ersten Woche wertete sich vor allem Philipp Treu, Yann Bisseck und trotz fehlenden Torerfolgs auch Karim Adeyemi. In München könnten nun weitere Neulinge ihre Chance erhalten. Genannt wurden unter anderem Said El Mala, Mika Baur, Finn Jeltsch, Felix Keidel, Derry Scherhant und der 28 Jahre alte Premier-League-Profi Vitaly Janelt.

„Wir sind nicht das Bayern München des europäischen Fußballs“

Sportlich sah Klopp vor allem ein Problem: das Spiel gegen einen tief stehenden Gegner. Deutschland hatte viel Ballbesitz, fand aber nur selten Lösungen. „Das Schwerste im Fußball ist es, gegen einen tiefen Block anzuspielen“, erklärte der Bundestrainer. Und er schob hinterher: „Wir sind nicht das Bayern München des europäischen Fußballs.“

Klopp betonte, dass Abläufe, Training und Zeit nötig seien, um sein Spiel zu entwickeln. Die Debatte über fehlende Qualität wollte er nicht weiter befeuern, stellte aber klar, dass Entwicklung nicht von heute auf morgen gelingt.

„Schritte sind nie groß genug. Es geht nie schnell genug. Aber am Ende wird es einen Moment geben in der näheren Zukunft, an dem wir bereit sind, gegen jeden Gegner ein unangenehmer Gegner zu sein“, versprach Klopp. Zugleich erhöhte er die Erwartungen an seine Mannschaft: „Die Jungs müssen irgendwann sehr selbstbewusst Fußball spielen.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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