Messi weint beim Abschied aus Argentiniens Nationalteam: Tor, zwei Assists und tiefe Emotionen in Buenos Aires
Lionel Messi hat sich von der großen Bühne des internationalen Fußballs verabschiedet. Beim 3:0 im Freundschaftsspiel gegen Benin stand der 39-Jährige ein letztes Mal für Argentinien auf dem Platz und wurde im restlos ausverkauften Monumental-Stadion von Buenos Aires von 85.000 Fans gefeiert.
Schon vor dem Anpfiff war klar, dass dieser Abend weit mehr als ein Testspiel werden würde. Fangesänge, Feuerwerk und eine Atmosphäre voller Wehmut machten die Partie im Stadion von River Plate zu einem historischen Ereignis. Nach dem Schlusspfiff wurde Messis Gesicht gemeinsam mit dem WM-Pokal in den Nachthimmel projiziert – ein weiterer Gänsehautmoment eines ohnehin emotionalen Abschieds.
Sportlich setzte der Superstar seinem letzten Länderspiel die passende Krone auf. Messi bereitete zunächst die Treffer von Nicolás Otamendi (48.) und Nico Paz (61.) vor, ehe er in der 71. Minute per Elfmeter zum 3:0-Endstand traf. Es war sein 126. Tor für die "Albiceleste".
Goldene Nummer 10 und ein riesiges "Gracias"
Keiner wollte gehen, und kaum jemand wollte Messi wirklich ziehen lassen. Für seinen letzten Auftritt trug der Kapitän ein Sondertrikot mit goldener Rückennummer 10. Als sein Name ein letztes Mal bei der Mannschaftsaufstellung durch das Stadion hallte, brandete ohrenbetäubender Jubel auf.
Über dem Rasen lag ein riesiges himmelblau-weißes Trikot mit Messis legendärer Nummer 10 und einem goldenen "Gracias". Auch auf den Rängen war die Rührung spürbar: Seine Ehefrau – wie gewohnt ebenfalls im Messi-Trikot – und die drei Söhne kämpften sichtbar mit den Tränen.
Bereits vor dem Spiel hatte sich Messi in einem auf Instagram veröffentlichten Video an die Fans gewandt. Der Moment des Abschieds sei gekommen, erklärte er. Das Trikot der Nationalmannschaft sei immer sein Traum, sein Stolz und sein Leben gewesen. Für die Liebe der Anhänger dankte er ausdrücklich.
"Der vielleicht traurigste Tag meiner Karriere"
Nach dem Spiel rang Messi mit den Emotionen. Es falle ihm schwer, an so einem Abend die richtigen Worte zu finden, sagte er vor den Zuschauern. Sein erster Gedanke gelte seinem Vater Jorge, der ihn einst nach Spanien begleitet hatte und über viele Jahre eng an seiner Seite war. Jorge Messi war kurz nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien im vergangenen Sommer im Alter von 68 Jahren gestorben.
"Heute ist vielleicht der traurigste Tag meiner Karriere", sagte Messi. Es sei für ihn eine Ehre gewesen, dieses Trikot über zwei Jahrzehnte zu tragen. Nicht mehr Teil der Nationalmannschaft zu sein, werde ihm sehr wehtun. Für Argentinien zu spielen, sei das Schönste, was einem passieren könne.
Zugleich betonte er, er habe nie aufgehört zu kämpfen. Er sei immer auf den Platz gegangen, um alles zu geben – auch, weil er Krieger an seiner Seite gehabt habe, die ebenfalls alles für dieses Team investierten.
Vom Jungen mit Wachstumsstörungen zum Idol einer Nation
Die Partie gegen Benin markiert das Ende einer mehr als 21 Jahre langen Länderspiel-Karriere. Begonnen hatte sie am 17. August 2005 gegen Ungarn denkbar unglücklich: Messi wurde eingewechselt und sah nach nicht einmal einer Minute die Rote Karte. Der deutsche Schiedsrichter Markus Merk ahndete damals eine Tätlichkeit.
Dazwischen liegt eine außergewöhnliche Laufbahn. Messi, der als Junge mit Wachstumsstörungen aus Rosario nach Barcelona ging, wurde zu einem der größten Fußballer der Geschichte. Lange musste er sich in der Heimat Anerkennung erst erarbeiten, auch weil er nie für einen argentinischen Club spielte und ständig mit Diego Maradona verglichen wurde.
Das Nationaltrikot war für ihn deshalb nicht nur Ehre, sondern auch Last. 2006, 2010, 2014 und 2018 blieb der ganz große Triumph aus, mehrfach endeten Turniere schmerzhaft – nicht selten gegen Deutschland. Besonders die Finalniederlage bei der WM 2014 traf ihn hart. Nach einer weiteren Endspiel-Pleite bei der Copa América 2016 trat Messi zwischenzeitlich sogar aus der Nationalmannschaft zurück, kehrte aber nach großem Druck aus der Heimat wieder zurück.
Der Durchbruch im Nationaltrikot kam schließlich spät, dafür umso größer: 2021 gewann Messi mit Argentinien die Copa América, 2022 folgte der WM-Titel in Katar, 2024 ein weiterer Copa-Erfolg. Hinzu kommen die Vizeweltmeisterschaften von 2014 und 2026.
Messi beendet seine Karriere in der Nationalmannschaft als Rekordspieler und Rekordtorschütze Argentiniens – mit 208 Länderspielen und 126 Toren.
Huldigungen aus Mannschaft, Heimat und Fußballwelt
Die Reaktionen auf seinen Abschied fielen entsprechend groß aus. Auswahlkollege Julián Álvarez schrieb, er habe Messi zunächst wie Millionen andere Argentinier als Kind bewundert und später das Glück gehabt, an seiner Seite zu spielen. Diese gemeinsamen Erlebnisse werde er nie vergessen.
Auch aus der internationalen Fußballwelt kamen Würdigungen. Ronaldinho schrieb, Messi habe Generationen zum Lächeln gebracht und unzähligen Menschen Freude am Fußball geschenkt. Landsmann Romário nannte ihn einen der Größten der Geschichte. Sogar RB Leipzig meldete sich mit einem Foto Messis zusammen mit dem heutigen Leipziger Trainer Martín Demichelis aus gemeinsamen Tagen in der Nationalmannschaft.
Argentiniens Medien überschlugen sich ebenfalls. Von "Messi für immer" bis zum Bild des "heiligen Messi" reichte die Bandbreite der Huldigungen für einen Spieler, der in Buenos Aires noch einmal das ganze Land bewegte.
Erfolgsära unter Lionel Scaloni – und nun ein Umbruch
Ein wesentlicher Baustein für diese Entwicklung war die Ernennung von Lionel Scaloni zum Nationaltrainer im Jahr 2018. Unter seiner Führung entstand jene Mannschaft, die Messi zu den größten Erfolgen im Nationaltrikot trug – und mit ihm eine neue goldene Ära prägte.
Scaloni würdigte seinen Kapitän nach dem Spiel mit großen Worten. Er hätte sich niemals vorstellen können, einmal Trainer des besten Fußballers der Geschichte zu sein, sagte der Coach. Einen zweiten Messi werde es nicht geben. Gleichzeitig beginnt für Argentinien nun die schwierige Zeit nach Messi. Auch Scalonis eigene Zukunft ist offen, sein Vertrag läuft zum Jahresende aus.
Messi selbst gab der nächsten Generation zum Abschied noch eine klare Botschaft mit: Wenn Argentinien zusammenhalte, könne die Mannschaft alles schaffen. Gerade in schwierigen Zeiten zeige sich, was ein Team wirklich ausmache.
Rücktritt nach schwerer Zeit entschieden
Messi hatte seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft Ende August bekanntgegeben. Neben dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien und dem damit verpassten Traum der erfolgreichen Titelverteidigung spielte auch der Tod seines Vaters eine prägende Rolle.
Dem Vereinsfußball bleibt Messi aber erhalten: Für Inter Miami will der Weltstar weiterhin auflaufen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber