Tigst Assefa hat den Weltrekord beim Berlin-Marathon dramatisch knapp verpasst. Die Äthiopierin erreichte das Ziel nach einem schmerzhaften Finish in 2:11:04 Stunden, stellte damit einen neuen Streckenrekord auf und lief zugleich die drittschnellste Marathonzeit der Geschichte bei den Frauen.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelte Assefa über die Ziellinie, sank danach völlig entkräftet auf die Knie und suchte später mit Tränen in den Augen Halt bei Lauf-Legende und Trainer Haile Gebrselassie. Lange hatte alles nach einem neuen Weltrekord über die 42,195 Kilometer ausgesehen, doch auf den letzten Metern platzte der Traum.
Bei der Siegerehrung und auch bei der anschließenden Pressekonferenz fehlte Assefa. Nach Angaben der Veranstalter wurde die Siegerin wegen einer Sehnenverletzung zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.
Den Weltrekord von Ruth Chepngetich konnte Assefa nicht unterbieten. Die Kenianerin war 2024 in Chicago 2:09:56 Stunden gelaufen und hält die Bestmarke trotz ihrer aktuellen Sperre nach einem positiven Dopingtest weiter. Schneller als Assefa waren bisher nur Chepngetich und Assefas Landsfrau Fotyen Tesfay, die vor einem halben Jahr in Barcelona 2:10:51 Stunden gelaufen war.
„Es ist schon bitter, aber das ist halt Marathon. Marathon hat seine eigenen Gesetze. Der entscheidet sich wirklich erst im Ziel“, sagte RTL-Expertin Sabrina Mockenhaupt. Sie vermutete muskuläre Probleme bei Assefa und meinte, die Siegerin werde sich wohl erst in „zwei, drei, vier Tagen“ richtig über ihre neue Bestzeit freuen können.
Dritter Berlin-Sieg, aber kaum Trost
Für Assefa war es trotzdem der dritte Erfolg in der deutschen Hauptstadt nach ihren Siegen in 2022 und 2023. Viel Trost spendete ihr dieser Erfolg nach dem dramatischen Finale allerdings nicht. Vor drei Jahren war sie in Berlin mit 2:11:53 Stunden selbst Weltrekord gelaufen, bevor Chepngetich diese Marke später übertraf.
Für die Berliner Veranstalter war das Rennen ebenfalls ein Rückschlag. Auf einer der schnellsten Marathon-Strecken der Welt hatten sie auf den 14. Weltrekord in der Hauptstadt gehofft. Nachdem bei den Männern Weltrekordler Sabastian Sawe schon Wochen vor dem Rennen verletzungsbedingt abgesagt hatte, ruhten die großen Hoffnungen vor allem auf Assefa.
Schon vor dem Start hatte die laut Leichtathletik-Weltverband 29-Jährige erklärt, bestens vorbereitet zu sein und ihre persönliche Bestzeit angreifen zu wollen. Bei nahezu idealen Bedingungen lief die Olympia-Zweite von Paris und WM-Zweite von Tokio mit mehreren Tempomachern und angetrieben von Zehntausenden Fans von Beginn an vorneweg.
Weltrekordkurs bis Kilometer 40
Im Vergleich zu Chepngetichs Rekordlauf in Chicago ging Assefa das Rennen zunächst etwas kontrollierter an. In der zweiten Hälfte hielt sie das hohe Tempo dennoch bemerkenswert konstant. Selbst bei Kilometer 40 lag sie noch klar auf Weltrekordkurs.
Dann kamen plötzlich die Schmerzen. Auf dem letzten Teil der Strecke musste Assefa trotz ihrer Beschwerden bis ins Ziel kämpfen – und verpasste die globale Bestmarke am Ende doch noch.
Auch Pfeiffers deutscher Rekordtraum platzt
Für die deutsche Läuferin Esther Pfeiffer, die den nationalen Rekord von Irina Mikitenko aus dem Jahr 2008 (2:19:19 Stunden) angreifen wollte, verlief der Tag ebenfalls enttäuschend. Bei erst ihrem zweiten Marathon musste sie bereits nach rund 15 Kilometern aufgeben.
Ihr Ehemann und Tempomacher Hendrik Pfeiffer erklärte anschließend: „Leider hat der enorme Erwartungsdruck heute seinen Tribut gefordert und sich unter anderem auf den Magen ausgewirkt. Esther ist das Rekordtempo angelaufen, doch aufgrund des angeschlagenen körperlichen Zustandes ging es dann nicht mehr. Sie wird zurückkommen und hat im Marathon noch viel vor.“
Beste Deutsche wurde Anna Langerwisch in 2:27:31 Stunden auf Rang 16.
Bei den Männern gewann der Äthiopier Guye Adola in 2:02:50 Stunden. Bester Deutscher war Haftom Welday, der in 2:08:25 Stunden ebenfalls den 16. Platz belegte. Die stärksten deutschen Marathonläufer um Europameister Amanal Petros waren in Berlin nicht am Start und peilen stattdessen einen Auftritt beim Marathon in Frankfurt in gut einem Monat an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber