Politik

Klare Ansage: Bischöfe gegen AfD und Antisemitismus

Klare Ansage aus Fulda: Die Kirche stellt sich gegen AfD und Antisemitismus – und warnt eindringlich vor den Folgen.

01.10.2026, 13:40 Uhr

Katholische Kirche in Deutschland warnt vor AfD-Einfluss und Antisemitismus

Die katholische Kirche in Deutschland will dem wachsenden Zuspruch für die AfD sowie dem zunehmenden Antisemitismus entschlossen entgegentreten. Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda warnte deren Vorsitzender, der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, insbesondere vor den möglichen Folgen einer AfD-Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt. Sollte die Partei politische Verantwortung übernehmen, wäre dies aus seiner Sicht ein tiefgreifender Einschnitt.

Unterstützung für das Bistum Magdeburg

Wilmer betonte, die AfD rüttele an den grundlegenden Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens und strebe ein anderes Deutschland an. Vor dem Hintergrund der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellte er sich demonstrativ hinter den Magdeburger Bischof Gerhard Feige und das dortige Bistum. Man stehe eng an ihrer Seite, sagte Wilmer.

Mit Blick auf mögliche Konsequenzen einer von der AfD geführten Landesregierung, etwa beim Einzug der Kirchensteuer, erklärte der Bischof, die Kirche bereite sich auch auf größere Erschütterungen vor. Kein Bistum dürfe in einer solchen Lage allein gelassen werden.

Zugleich zeigte er sich alarmiert darüber, dass im Osten rund 30 Prozent der katholischen Wählerinnen und Wähler die AfD unterstützten. Diese Partei stehe im klaren Widerspruch zum christlichen Verständnis von Gott und Mensch und werde in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Kirche setzt auf Gespräch und Orientierung

Nach den Worten Wilmers gehört es zum Auftrag der Kirche, mit Menschen im Gespräch zu bleiben und Räume für Zuhören und Austausch zu schaffen. Als Antwort auf gesellschaftliche Spannungen verwies er auf die jüdisch-christliche Tradition, auf Menschenwürde, Nächstenliebe und eine demokratische Kultur.

Alle Menschen gehörten als eine Menschheitsfamilie zusammen, sagte Wilmer. Weder Deutschland noch Europa könnten Krisen allein bewältigen. Nur mit Zusammenhalt und einem Bewusstsein für das Gemeinsame lasse sich durch schwierige Zeiten steuern.

Allerdings räumte der DBK-Vorsitzende ein, dass es derzeit keine direkten Gesprächskanäle zur AfD-Spitze oder zu deren Parlamentariern gebe. Die Partei suche nicht den Kontakt, zugleich habe die Kirche bisher ebenfalls nicht aktiv das Gespräch gesucht. Zudem habe man vermeiden wollen, als Akteur im Wahlkampf wahrgenommen zu werden.

Deutliche Kritik am wachsenden Antisemitismus

Wilmer äußerte sich zudem tief besorgt über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Judenfeindlichkeit von rechts wie von links sei ein Angriff auf die Demokratie, schade dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und sei klar zu verurteilen. Besonders nachdenklich stimme ihn der Umgang von Teilen der Linken in Berlin mit der jüdischen Gemeinschaft. Antisemitische Parolen und entsprechendes Verhalten dürften keinen Raum bekommen.

Teile der Berliner Linken stehen seit geraumer Zeit wegen ihrer Haltung zu Israel, Palästina und zum Thema Antisemitismus in der Kritik. Vertreter der Partei hatten zuletzt mehrfach betont, dass sie jüdisches Leben schützen wollten.

Appell zur Stärkung der politischen Mitte

Wilmer unterstrich, dass völkischer Nationalismus und christlicher Glaube unvereinbar seien. Die Kirche werde weiter klar Stellung beziehen, wenn Hass gegen Bevölkerungsgruppen geschürt oder demokratische Institutionen geschwächt würden. Zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren äußerte er sich zurückhaltend und verwies darauf, dass darüber nicht die Kirche, sondern das Bundesverfassungsgericht zu entscheiden habe.

Die katholischen Bischöfe und die Kirche insgesamt wollten alles daransetzen, die zentrifugalen Kräfte in der Gesellschaft einzudämmen, sagte Wilmer. Nötig seien neuer gesellschaftlicher Zusammenhalt und eine Stärkung der demokratischen Mitte.

Mit Sorge blickt der Bischof in diesem Zusammenhang auch auf die Schwäche der CDU. Deren besondere Stärke habe lange darin gelegen, auf christlicher Grundlage an einer freiheitlichen und sozialen Ordnung mitzuwirken, in der alle ihren Platz hätten.

Kirche will Reformen aufmerksam begleiten

Mit Blick auf die Reformpolitik der Bundesregierung wandte sich Wilmer gegen pauschale Politiker-Schelte. Demokratie brauche Vertrauen in gewählte Verantwortungsträger. Die katholische Kirche werde den bevorstehenden politisch und sozial schwierigen Herbst aufmerksam begleiten und besonders jene im Blick behalten, die wirtschaftlich oder sozial unter Druck geraten. Dazu zählte er Menschen mit zu niedrigen Renten, langjährig Arbeitende, die dennoch nicht ausreichend abgesichert seien, sowie junge Familien und Alleinerziehende.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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