Wenige Tage nach dem Meistertitel der Männer kann der FC Bayern am Mittwoch auch bei den Frauen vorzeitig die Bundesliga-Krone perfekt machen. Mit einem Auswärtssieg bei Union Berlin wäre das Team von Trainer José Barcala nicht mehr einzuholen. Sollte es dazu nicht reichen, könnten die Münchnerinnen dennoch jubeln, falls Verfolger VfL Wolfsburg im Nachholspiel bei Werder Bremen Punkte liegen lässt. Beide Partien beginnen um 18.00 Uhr und werden bei DAZN sowie Magentasport gezeigt.
Schon jetzt ist klar: Bayerns achte Meisterschaft und der vierte Titel in Serie sind praktisch nur noch Formsache. Bei noch fünf ausstehenden Begegnungen beträgt der Vorsprung auf Wolfsburg 13 Punkte. 61 Zähler aus 21 Spielen zeigen eindrucksvoll, wie dominant Giulia Gwinn und ihre Mitspielerinnen in dieser Saison auftreten. Dafür gibt es mehrere Ursachen.
Wirtschaftliche Stärke
Der FC Bayern baut sein Engagement im Frauenfußball kontinuierlich aus. Offizielle Zahlen zum Etat gibt es zwar nicht, doch der Club gilt als finanziell stärkster der Liga. Laut der von Deloitte veröffentlichten "Football Money League 2026" haben die Münchnerinnen ihren Umsatz in der Saison 2024/2025 auf 7,2 Millionen Euro gesteigert und damit im internationalen Vergleich einen Platz unter den zehn umsatzstärksten Frauenfußball-Clubs erreicht.
Auch bei der Infrastruktur sind die Voraussetzungen hervorragend. Am Bayern-Campus finden die Spielerinnen optimale Trainings- und Spielbedingungen vor. Weil die Arena dort mit 2.500 Plätzen inzwischen zu klein geworden ist, sicherte sich der Club zudem den Sportpark Unterhaching. Künftig soll das Team dort vor bis zu 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern auflaufen.
Schwäche der Konkurrenz
Wolfsburg kann mit dem DFB-Pokal-Finale gegen Bayern am 14. Mai noch einen Titel holen, in der Liga aber hat der frühere Serienmeister den Anschluss verloren. Alexandra Popp, die den Club nach Saisonende verlässt und zu Borussia Dortmund wechselt, bemängelte selbst die fehlende Konstanz. Besonders die Punktverluste gegen abstiegsbedrohte Teams wie den HSV und die SGS Essen kosteten den VfL viel Boden.
Auch Eintracht Frankfurt blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Hessinnen spielen zwar oben mit, kommen aber erneut nicht über die Rolle des Verfolgers hinaus und konzentrieren sich vor allem darauf, sich wieder für die Champions League zu qualifizieren. Hoffenheim muss regelmäßig Leistungsträgerinnen abgeben und bleibt damit eher Talentschmiede als echter Titelkandidat. Leverkusen wiederum ist trotz interessanter Verstärkungen noch ein gutes Stück von Bayerns Niveau entfernt.
Klare Spielidee
Barcala sieht die größte Stärke seines Teams vor allem in der Qualität des Kaders. Gleichzeitig hat er der Mannschaft einen klaren Stil verpasst: Bayern kontrolliert Spiele mit viel Ballbesitz, hoher Passsicherheit, aggressivem Pressing und großem Zug zum Tor. Die 81 Treffer der laufenden Saison unterstreichen das eindrucksvoll. Nach 21 Spieltagen sind das deutlich mehr Tore als im gleichen Zeitraum der Vorsaison.
Der Trainer betonte mehrfach, dass er auf der Arbeit seines Vorgängers Alexander Straus aufbauen konnte. Eine grundlegende Umgestaltung sei nicht nötig gewesen, weil die Mannschaft bereits taktisch hervorragend vorbereitet gewesen sei. Barcala habe dieser Basis lediglich den letzten Feinschliff gegeben – mit großem Erfolg.
Große Kaderqualität
Selbst lange Ausfälle wichtiger Spielerinnen konnte Bayern auffangen. Verletzungen von Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil, beide mit Kreuzbandriss, brachten das Team nicht aus dem Tritt. Auch der Winterwechsel von Lea Schüller zu Manchester United führte nicht zu einem Leistungsabfall.
Das liegt vor allem an der enormen Breite und Erfahrung im Kader. Mit Spielerinnen wie Glodis Viggosdottir, Georgia Stanway, Pernille Harder, Giulia Gwinn, Klara Bühl, Linda Dallmann und Arianna Caruso verfügt München über viele internationale und nationale Topkräfte. Diese Mischung aus Qualität, Routine und Tiefe macht den Unterschied.
Leistungsträger auf Topniveau
Vor allem Pernille Harder prägt die Saison. Die Dänin führt zusammen mit Vanessa Fudalla aus Leverkusen die Torjägerliste mit 14 Treffern an und gehört zu den konstantesten Offensivkräften der Liga. Auch Klara Bühl, derzeit verletzt, ist eine Spielerin, die Partien im Alleingang entscheiden kann. Zusammen mit Gwinn zählt sie zu den Publikumslieblingen.
Linda Dallmann hat unter Barcala als kreative Spielmacherin neuen Schwung gewonnen. Und Jovana Damnjanovic ist immer wieder für wichtige Treffer zur Stelle. Bayerns Topspielerinnen liefern also nicht nur regelmäßig ab, sondern entscheiden häufig auch die engen Spiele.
Neue Gesichter mit Wirkung
Neben den etablierten Namen haben sich in dieser Saison auch mehrere Spielerinnen stark entwickelt. Franziska Kett, zuvor eher Ergänzungsspielerin, zeigt konstant gute Leistungen und hat sich in den Fokus gespielt. Auch Edna Imade, seit dem Winter fest in München, brachte zusätzliche Qualität für die Offensive.
Besonders aufhorchen ließ jedoch Momoko Tanikawa. Das 20 Jahre alte Talent aus Japan erwies sich als echter Gewinn und steht sinnbildlich dafür, dass Bayern nicht nur auf bewährte Kräfte setzt, sondern auch neue Spielerinnen schnell integriert.
Fazit
Die Münchnerinnen stehen nicht zufällig kurz vor dem nächsten Meistertitel. Finanzielle Stärke, professionelle Strukturen, ein klarer taktischer Plan, ein außergewöhnlich breiter Kader und mehrere Spielerinnen in Bestform erklären die anhaltende Dominanz. Wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, wird der FC Bayern auch im Frauenfußball erneut ganz oben stehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion