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VW verschärft Sparkurs – was 2030 droht

Radikaler Umbau bei VW: Mit weniger Modellen, dem Abbau von Überkapazitäten und einem harten Sparkurs will der Konzern sein Geschäftsmodell neu erfinden. Doch entscheidende Fragen sind noch immer ungeklärt.

28.04.2026, 14:30 Uhr

VW verschärft Sparkurs und arbeitet an Strategie bis 2030

Volkswagen will seinen Sanierungskurs forcieren und den Konzern mit einem neuen Leitbild für das Jahr 2030 neu aufstellen. In einer internen Management-Information, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, macht das Unternehmen deutlich, dass die bisherigen Effizienzmaßnahmen nicht ausreichen. Trotz bereits laufender Programme verdiene der Konzern mit seinen Fahrzeugen derzeit zu wenig Geld.

Finanzvorstand Arno Antlitz wird in dem Papier mit den Worten zitiert, das derzeitige Umfeld mache tiefgreifendere Veränderungen notwendig. Die bislang vorgesehenen Einsparungen reichten nicht aus. VW müsse deshalb sein Geschäftsmodell grundlegend umbauen und strukturelle sowie dauerhaft wirksame Verbesserungen erreichen. Zwar habe der Konzern schon Milliarden eingespart, doch angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheiten müsse weiter konsequent an den Kosten gearbeitet werden.

Konkrete zusätzliche Sparmaßnahmen nannte VW zunächst nicht. Nach Informationen des Handelsblatts hatte sich der Aufsichtsrat am Montag mit einem Bericht des Vorstands über das Sanierungsprogramm und den Stand der Kostensenkungen befasst. Aus Konzernkreisen hieß es jedoch, es habe keine Beschlüsse gegeben, sondern lediglich eine Information des Gremiums. Vorgestellt worden sei demnach auch eine neue Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting.

Blume: Erträge reichen nicht aus

Konzernchef Oliver Blume betont in der internen Mitteilung, Volkswagen verfüge über eine starke Substanz. Gleichzeitig räumt er ein, dass der Konzern aktuell nicht genug an seinen Fahrzeugen verdiene, um die Zukunft des Unternehmens nachhaltig zu finanzieren.

Bereits bei der Bilanzvorlage im März hatte Blume angekündigt, an einem neuen „Zielbild Volkswagen Konzern 2030“ zu arbeiten. Damals erklärte er, das Geschäftsmodell, das VW über Jahrzehnte getragen habe, funktioniere in seiner bisherigen Form nicht mehr — weder für Volkswagen noch für die Branche oder den Standort Deutschland insgesamt. Das neue Zielbild solle darauf Antworten liefern. Ein wesentlicher Punkt sei dabei eine höhere Kosteneffizienz. Blume hatte angekündigt, man werde „jeden Stein umdrehen“.

Weniger Komplexität bei Produkten und Technik

Nach den nun bekannt gewordenen Eckpunkten soll das Produktangebot vereinfacht und gestrafft werden. Außerdem will sich der Konzern auf weniger Plattformen und Technologien konzentrieren. Zuständigkeiten zwischen Konzern, Marken und Regionen sollen klarer verteilt werden. Ziel ist es, Mittel und Personal stärker dort einzusetzen, wo der größte Nutzen entsteht.

Audi und Porsche warnen und mahnen Geduld an

Audi-Chef Gernot Döllner zeichnet in der Mitteilung ein ernstes Bild der Lage. Es gehe längst nicht mehr nur um einzelne Modelle oder Marktanteile, sondern um die Zukunft der deutschen Autoindustrie insgesamt. Audi stelle sich dieser Realität.

Porsche-Chef Michael Leiters bezeichnet die aktuelle Situation dagegen auch als Chance. Porsche wolle zu alter Stärke zurückfinden. Dieses Ziel könne gemeinsam erreicht werden, werde aber Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen gelingen.

Konzern will Überkapazitäten reduzieren

Vor wenigen Tagen hatte Blume im Manager Magazin angekündigt, die weltweiten Produktionskapazitäten des Konzerns weiter zu senken. Geplant sei ein Abbau um nochmals rund eine Million Fahrzeuge auf dauerhaft neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Das liegt in etwa auf dem Niveau des aktuellen Absatzes: Im vergangenen Jahr lieferte der Konzern weltweit 8,98 Millionen Fahrzeuge seiner Marken aus.

Blume hatte erklärt, Überkapazitäten seien auf Dauer nicht tragbar. Die frühere Volumenplanung passe nicht mehr zur aktuellen Markt- und Wettbewerbslage. Ob Werke geschlossen werden müssen, sei noch offen. Zugleich betonte er, es gebe intelligentere Lösungen, als sofort einen Standort dichtzumachen.

Niedersachsen lehnt Werksschließungen ab

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach sich am Wochenende klar gegen mögliche Schließungen von VW-Standorten aus. Zwar müsse sich Volkswagen an die veränderte Marktsituation anpassen, sagte der SPD-Politiker der Welt am Sonntag. Daraus folge jedoch nicht automatisch, dass Fabriken in Europa geschlossen werden müssten.

Lies hatte bereits zuvor vorgeschlagen, auch die Produktion chinesischer Autos in deutschen VW-Werken zu prüfen. Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen und verfügt bei wichtigen Entscheidungen über ein Vetorecht. Zudem sitzt Lies im Aufsichtsrat des Konzerns.

50.000 Stellen in Deutschland betroffen

Um die Kosten zu senken, baut Volkswagen derzeit bei der Kernmarke sowie bei Audi und Porsche in Deutschland insgesamt 50.000 Arbeitsplätze ab. Davon entfallen 35.000 auf die Kernmarke VW. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach einer Vereinbarung mit der IG Metall bis 2030 ausgeschlossen. Der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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