Die Münchner Polizei war am Samstag bei mehreren parallel stattfindenden Demonstrationen stark gefordert. Nach ersten Schätzungen gingen in der Landeshauptstadt insgesamt rund 14.000 Menschen auf die Straße.
Die größte Veranstaltung richtete sich gegen die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) angekündigten Einschnitte bei der Förderung von Ökostrom. Während die Veranstalter von etwa 12.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sprachen, lag eine zwischenzeitliche Schätzung der Polizei bei rund 7.000.
Die Demonstrierenden und Rednerinnen und Redner warfen Reiche vor, die Energiewende auszubremsen und fossile Energieträger zu bevorzugen. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten unter anderem der Bund Naturschutz und Greenpeace.
Bund Naturschutz warnt vor Rückschritten
BN-Landeschef Martin Geilhufe kritisierte das geplante Netzpaket scharf. Er sprach von einem koordinierten Angriff auf Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Aus seiner Sicht dürfe die Bundesregierung den weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie nicht behindern.
Zeitgleich fanden auch in Berlin, Köln und Hamburg ähnliche Proteste statt. Greenpeace bezifferte die Gesamtzahl der Teilnehmenden in allen vier Städten auf etwa 80.000.
Hohe Kosten durch Engpässe im Stromnetz
Nach Angaben der Bundesnetzagentur stiegen die Kosten für das sogenannte Engpassmanagement im Jahr 2025 um vier Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro. Hintergrund sind überlastete Stromleitungen: An besonders sonnigen oder windreichen Tagen wird oft mehr erneuerbarer Strom erzeugt, als das Netz aufnehmen oder verbrauchen kann.
In solchen Fällen müssen stattdessen im Süden Deutschlands Gas- und Kohlekraftwerke einspringen, deren Strom deutlich teurer ist. Betreiber von Anlagen für erneuerbare Energien erhalten zudem eine finanzielle Entschädigung, wenn ihre Produktion gedrosselt wird.
Reiche plant, in Regionen mit besonders viel ungenutztem Ökostrom für neue Wind- und Solaranlagen künftig keine solchen Ausgleichszahlungen mehr vorzusehen.
Weitere Kundgebungen in der Innenstadt
Neben der Demonstration für erneuerbare Energien gab es bei sonnigem Wetter noch zwei weitere größere Versammlungen. Laut Polizei beteiligten sich zwischen 2.500 und 3.000 Menschen an einem "Marsch fürs Leben", der sich gegen Abtreibung und Sterbehilfe richtete und überwiegend christlich geprägt war.
Gegen diesen Aufzug protestierten wiederum nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern rund 4.000 Menschen. Um beide Lager voneinander zu trennen, war ein größeres Polizeiaufgebot im Einsatz.
Solche "Märsche fürs Leben" finden in vielen Ländern statt. Kritiker werfen den Organisatoren jedoch vor, Rechte von Frauen beschneiden zu wollen.
Die von der Polizei genannten Zahlen zu den drei Kundgebungen galten zunächst als Zwischenstand. Eine abschließende Bilanz des Münchner Polizeipräsidiums lag am Sonntag noch nicht vor.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion