Eltern sind verunsichert, während die Ermittler unter Hochdruck an dem Fall arbeiten: Nach dem Nachweis von Rattengift in Babynahrung fahndet die Kriminalpolizei Ingolstadt nach einem bislang unbekannten Täter. Dafür wurde eigens die Ermittlungsgruppe „Glas“ eingerichtet.
Nach Polizeiangaben wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei bislang fünf manipulierte Babygläser entdeckt. Laboruntersuchungen bestätigten darin Rattengift. In Deutschland wurden nach bisherigem Stand keine verunreinigten Produkte gefunden. Im österreichischen Burgenland wird jedoch weiterhin ein weiteres Glas mit Hochdruck gesucht.
Ermittler sprechen von einem „sehr sensiblen Thema“
Die Sondergruppe arbeitet nach Angaben der Polizei auf Hochtouren und stimmt sich eng mit den Behörden in den betroffenen Nachbarländern ab. Wie viele Beamte beteiligt sind, sei nicht festgelegt: Je nach Ermittlungsstand würden auch Spezialisten anderer Stellen hinzugezogen.
Weitere Einzelheiten wollen die Ermittler derzeit nicht nennen, um die Untersuchungen nicht zu gefährden. Eine Sprecherin betonte, es handle sich um ein „sehr sensibles Thema“. Auch zum konkreten Vorgehen bei der Suche nach dem noch fehlenden Glas im Burgenland machen die Behörden aus taktischen Gründen keine Angaben.
Hipp bestätigt Erpressung über Sammelpostfach
Der Babykosthersteller Hipp aus Pfaffenhofen an der Ilm erklärte, selbst Ziel einer Erpressung geworden zu sein. Nach Unternehmensangaben ging die Nachricht des Täters an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach, das im Rahmen üblicher Standardprozesse nur in größeren Abständen geprüft werde. Das Unternehmen habe daraufhin einen internen Krisenstab eingerichtet.
Zugleich betonte Hipp, es handle sich nicht um einen Produkt- oder Qualitätsmangel. Die betroffenen Gläser hätten das Werk nach Angaben des Unternehmens in einwandfreiem Zustand verlassen.
Rückruf und Verkaufsstopp in Österreich
Betroffene Handelspartner nahmen nach Angaben von Hipp alle Babygläschen der Marke aus dem Verkauf. Außerdem ruft das Unternehmen weiterhin alle Babykostgläschen zurück, die bei Spar Österreich gekauft wurden. Im Zuge dieser Rückrufaktion sei auch ein manipuliertes Glas entdeckt worden.
Vorsorglich und ohne konkreten Verdacht nahm zudem die Rewe-Gruppe in Österreich Hipp-Produkte bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg aus dem Verkauf. Auch die Drogeriemarktkette dm reagierte entsprechend.
Unklar, was genau gefordert wurde
Weder die Polizei noch Hipp machten Angaben dazu, was in der Erpresser-Mail stand oder welche Forderungen gestellt wurden. Medienberichten zufolge soll es um eine Geldforderung in Millionenhöhe gehen. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht.
Am Wochenende war im österreichischen Burgenland ein manipuliertes 190-Gramm-Glas der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ sichergestellt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen in dieser Region mindestens zwei veränderte Gläser in Umlauf gebracht worden sein – eines davon fehlt weiterhin.
Die Polizei im Burgenland hatte bereits erklärt, man setze „alle Hebel in Bewegung“ und habe inzwischen auch Kindergärten und Pflegeeinrichtungen kontaktiert.
Gutachten soll Dosis von Rattengift klären
Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung. Ein vorläufiges toxikologisches Gutachten bestätigte Rattengift in einem sichergestellten Glas. Nun soll genauer untersucht werden, in welcher Dosis der Stoff enthalten war und wie gefährlich ein Verzehr gewesen wäre.
Nach Polizeiangaben lassen sich manipulierte Gläser möglicherweise an einem beschädigten Deckel oder daran erkennen, dass beim Öffnen das übliche Plopp-Geräusch fehlt. Außerdem sollen sich auf dem Glasboden weiße Aufkleber mit rotem Ring befinden. Wer Auffälligkeiten an Babygläschen bemerkt, sollte den Inhalt keinesfalls verwenden und sofort die Polizei informieren.
Mehrfach waren in der Vergangenheit bereits bekannte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln. Auch Babynahrung stand dabei nicht zum ersten Mal im Fokus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion