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Remis in Ried bremst DFB-Frauen auf dem Weg zur WM

Was war los mit dem Frauen-Nationalteam in Österreich? Das 0:0 hinterlässt viele Fragen. Was der Bundestrainer und die Spielerinnen sagen.

19.04.2026, 10:38 Uhr

Christian Wück blickte nach dem Schlusspfiff in Ried in enttäuschte und verunsicherte Gesichter. Das torlose Unentschieden der deutschen Fußballerinnen im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich bedeutet im Rennen um die Endrunde 2027 in Brasilien vor allem einen Dämpfer für die sportliche Entwicklung. Weniger die Tabellenlage bereitet Sorgen, sondern der schwache Auftritt.

Der Bundestrainer fand nach der Partie deutliche Worte. Sinngemäß sprach er davon, dass seine Mannschaft eine Stufe wieder nach unten gegangen sei, obwohl sie sich zuletzt bereits weiter nach oben gearbeitet hatte. Auch an der Seitenlinie war Wück ungewohnt verärgert zu erleben und trieb sein Team lautstark an, als das Spiel zu behäbig lief. Für Österreich war das 0:0 dagegen ein besonderer Abend: Der Außenseiter holte im neunten Duell mit Deutschland erstmals einen Punkt.

Viele Fehler, kaum Kontrolle

Sjoeke Nüsken brachte die Probleme klar auf den Punkt. Im Passspiel habe die nötige Qualität gefehlt, insgesamt habe weder vorne noch hinten viel zusammengepasst. Schon nach dem 5:1 im Hinspiel in Nürnberg hatte Wück ähnliche Mängel angesprochen, damals wurden sie allerdings durch das klare Ergebnis überdeckt.

Nach dem ernüchternden Auftritt vor 4.300 Fans im ausverkauften Stadion analysierte der Bundestrainer vor allem die vielen einfachen Fehler. Zu viele Zuspiele seien ungenau gewesen, und die Mannschaft müsse lernen, ihr Grundniveau konsequent auf den Platz zu bringen. Trotz aller Kritik betonte Wück aber auch, dass Deutschland weiterhin alles in der eigenen Hand habe. Aus der Partie wolle man die richtigen Schlüsse ziehen.

Gegen Norwegen wächst der Druck

Trotz des ersten Punktverlusts im vierten Qualifikationsspiel bleibt Deutschland Tabellenführer. Vor dem nächsten Spiel am 5. Juni in Köln gegen Norwegen liegt das DFB-Team einen Zähler vor den Skandinavierinnen. Da nur der Gruppensieger direkt zur WM fährt, bekommt die Partie zusätzliche Bedeutung. Zum Abschluss geht es am 9. Juni noch nach Slowenien.

Gerade offensiv muss sich die Mannschaft deutlich steigern. Larissa Mühlhaus, erstmals in der Startelf und auf der Zehnerposition eingesetzt, ließ ihr Potenzial erkennen. Die zuletzt starken Außenspielerinnen Jule Brand und Vivien Endemann konnten sich jedoch nur selten durchsetzen, und Nicole Anyomi blieb im Sturmzentrum weitgehend wirkungslos.

Sorge um Endemann, Rot für Minge

Zusätzlich musste Vivien Endemann wegen einer Knieverletzung ausgewechselt werden. Nach ersten Angaben von Wück scheint die Blessur jedoch wohl nicht schwerwiegend zu sein, auch wenn weitere Untersuchungen folgen sollen.

In der Schlussphase wurde es für die Deutschen noch bitterer: Kapitänin Janina Minge sah nach einer Notbremse die Rote Karte. Zuvor hatte die Abwehrspielerin noch per Kopf die Latte getroffen. Eine weitere gute Möglichkeit ließ Linda Dallmann ungenutzt, während die deutsche Mannschaft zunehmend hektisch und ideenlos wirkte.

Nüsken sprach deshalb von einer insgesamt zu schwachen Vorstellung. Wück hob neben der eigenen Kritik immerhin hervor, dass Österreich sehr diszipliniert verteidigt und Deutschland das Leben schwer gemacht habe. Dennoch sei es unangenehm gewesen, die eigene Mannschaft so zu sehen. Immerhin wisse man nun genau, wo angesetzt werden müsse.

Senß kritisiert Bedingungen

Elisa Senß verwies nach der Partie zudem auf schwierige äußere Umstände. Sie wolle zwar keine Ausreden suchen, sagte die Frankfurterin, doch sowohl der Platz als auch der Ball hätten besser sein können. Der Ball sei häufig stark gesprungen, was ein schnelles und präzises Spiel erschwert habe. Bei scharf gespielten Pässen sei er unberechenbar aufgesprungen, bei weniger Tempo wiederum zu lange unterwegs gewesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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