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Wegen Energiekrise: Schneider setzt auf neuen Schwung für den Klimaschutz

Der Klimaschutz kam in den vergangenen Jahren nur langsam voran. Ändert sich jetzt etwas durch die hohen Preise für Öl und Gas? Thema bei einer internationalen Konferenz in Berlin.

21.04.2026, 07:53 Uhr

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat den Petersberger Klimadialog in Berlin mit einem eindringlichen Appell für eine schnellere globale Energiewende eröffnet. Der SPD-Politiker bezeichnete die aktuelle Lage als eine Krise der fossilen Energien. Die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle sei ein kaum kalkulierbares Risiko – auch für Deutschland. Erneuerbare Energien seien dagegen aus seiner Sicht eine Form von Sicherheitsenergie.

Schneider betonte zugleich, dass erneuerbare Energien der wichtigste Hebel im Kampf gegen die Erderwärmung seien. Die Energiewende sei bereits weit vorangekommen und nicht mehr aufzuhalten. Dennoch müsse das Tempo steigen, weil sich der Planet weiter erhitze.

Auch UN-Klimachef Simon Stiell sieht in entschlossenem Klimaschutz einen Ausweg aus Energie- und Wirtschaftskrisen. Zum Auftakt des Treffens warnte der Exekutivsekretär des UN-Klimarahmenabkommens (UNFCCC) davor, dass der Krieg mit dem Iran fossile Energien über Monate oder sogar Jahre verteuern könnte. Hohe Preise für Öl und Gas würden weltweit Milliarden Haushalte belasten.

Nach Stiells Einschätzung ist internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz der Schlüssel, um zwei Risiken zugleich zu begrenzen: die Erderwärmung und das von fossilen Energien ausgelöste Kostenchaos. Saubere Energie bedeute mehr Versorgungssicherheit, stabilere Preise und größere Unabhängigkeit für Staaten.

Zustimmung zum Klimaschutz und Mahnung aus New York

Schneider sagte, der politische Druck gegen Klimapolitik sei vielerorts deutlich spürbar und werde oft von anderen Krisen überlagert. Gleichzeitig wollten viele Menschen Fortschritte beim Klimaschutz sehen. Er verwies auf eine Umfrage, nach der in Deutschland 70 Prozent es richtig finden, das Land bis 2045 klimaneutral zu machen. Dass Gegner der Klimapolitik oft lauter aufträten, bedeute nicht, dass sie die Mehrheit stellten.

In einer Videobotschaft wandte sich auch UN-Generalsekretär António Guterres an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er rief dazu auf, beim Senken der Treibhausgasemissionen und bei der Finanzierung des internationalen Klimaschutzes nicht nachzulassen. Die Staaten stünden vor der Wahl, alte Fehler zu wiederholen oder den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien entschlossen voranzutreiben – im Interesse von Klimastabilität, Energiesicherheit und einer lebenswerten Zukunft.

Rund 400 Gäste in Berlin erwartet

Der Petersberger Klimadialog findet seit 2010 als deutsches Ergänzungsformat zu den UN-Klimakonferenzen statt. Zunächst wurde er auf dem Petersberg bei Bonn ausgerichtet, inzwischen jedoch regelmäßig in Berlin. In diesem Jahr werden rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet, darunter auch Vertreter aus der Wirtschaft. Die Konferenz dauert zwei Tage.

Im Mittelpunkt der Beratungen stehen der Umbau der Energieversorgung, die Abkehr von Öl, Kohle und Gas, die Anpassung an den Klimawandel sowie die Finanzierung dieser Aufgaben. Vertreter aus mehr als 30 Ländern beraten darüber, wie sich die Erderwärmung bremsen lässt.

Türkei und Australien bereiten COP31 vor

Bei der Eröffnung sprachen neben Schneider auch der türkische Umweltminister Murat Kurum und sein australischer Kollege Chris Bowen. Beide bereiten gemeinsam die nächste Weltklimakonferenz im November im türkischen Antalya vor. Die Türkei wird dabei die Präsidentschaft der COP31 übernehmen.

Kurum sagte, die multilaterale Zusammenarbeit sei zwar geschwächt, aber keineswegs beendet. Er erinnerte die Staaten daran, ihre fälligen Meldungen für nationale Klimaziele einzureichen. Nach seinen Angaben fehlen diese Zusagen noch von 43 Staaten. Zudem mahnte er, dass Geberländer ihre Finanzierungszusagen für den globalen Klimaschutz einhalten und bestehende Fonds wieder auffüllen müssten.

Stiell fordert konkrete Etappen und schnelle Umsetzung

Stiell machte deutlich, dass allgemeine Klimaziele allein nicht ausreichen. Vereinbarungen müssten in konkrete, erreichbare Etappen übersetzt und anschließend umgesetzt werden. Bis zur Weltklimakonferenz COP33 im Jahr 2028 müsse sichtbar sein, dass die 2023 gegebenen Zusagen tatsächlich eingelöst werden.

Nach seiner Einschätzung kann die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens Billionensummen in der Wirtschaft mobilisieren und damit auch positive Kipppunkte auslösen. Besonders wichtig sei, dass die Wende hin zu sauberer Energie inzwischen unumkehrbar geworden sei.

Als zentrale Hebel nannte Stiell einen schnelleren Netzausbau, eine stärkere Verringerung des besonders klimaschädlichen Methans sowie eine krisenfeste Versorgung mit klimaresistenten Lebensmitteln bei gleichzeitig weniger Verschwendung. Weniger Food Waste könnte Schätzungen zufolge die weltweiten Emissionen deutlich senken.

Internationale Klimapolitik kommt nur langsam voran

Der weltweite Klimaschutz kommt seit längerem nur schleppend voran. Das gilt nicht erst seit dem erneuten Austritt der USA unter Präsident Donald Trump Anfang seiner zweiten Amtszeit 2025 aus dem Pariser Klimaabkommen. Fachleute halten die bislang zugesagten Maßnahmen weiterhin für unzureichend, um die Erhitzung der Erde möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Auch die Klimakonferenz im brasilianischen Belém im November 2025 brachte keinen konkreten Plan für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Schneider will in Berlin deshalb besonders für Elektrifizierung werben – etwa durch einen stärkeren Einsatz von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen.

Energiewende in Deutschland unter Druck

Deutschland will seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 senken und bis 2045 klimaneutral werden. Weil das Land bei diesen Zielen nicht vollständig auf Kurs ist, hat Schneider zuletzt ein neues Klimaschutzprogramm vorgelegt.

Innerhalb der Bundesregierung gibt es allerdings Streit über Tempo und Förderung beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält zwar an den Klima- und Ausbauzielen fest, will aber die Förderung kleiner Solaranlagen sowie Entschädigungen für nicht genutzten Ökostrom verringern. Umweltverbände warnen vor einer Bremswirkung für die Energiewende.

Umweltverbände fordern klare Signale

Aus Sicht von Klimaschützern ist jetzt der Zeitpunkt für konkrete Entscheidungen gekommen. Susann Scherbarth vom BUND betonte, beim Ausstieg aus fossilen Energien gehe es längst nicht mehr um das Ob, sondern um das Tempo und die soziale Gerechtigkeit. Deutschland müsse dafür sorgen, dass vom Petersberger Klimadialog ein klares Signal für verbindliche und international abgestimmte Fahrpläne ausgehe.

Auch Germanwatch sieht das Treffen unter besonderem Druck. Kurz nach der Berliner Konferenz folgt im kolumbianischen Santa Marta ein weiteres internationales Treffen zum Abschied von fossilen Brennstoffen. Greenpeace-Experte Martin Kaiser forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, Deutschland eine neue strategische Führungsrolle zu geben. Sicherheit und wirtschaftliche Stärke ließen sich langfristig nur sichern, wenn Europa seine Abhängigkeit von Öl und Gas entschlossen verringere.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Änderungsverlauf
  • Neu aufgenommen wurde, dass Carsten Schneider den Petersberger Klimadialog mit einem Appell für eine schnelle globale Energiewende eröffnet hat.
  • Ergänzt wurden Schneiders Aussagen, wonach die aktuelle Krise eine Krise der fossilen Energien sei und erneuerbare Energien mehr Sicherheit böten.
  • Neu ist Schneiders Einschätzung, dass die Energiewende weit fortgeschritten und nicht mehr aufzuhalten ist, aber deutlich schneller werden muss.
  • Hinzugekommen ist der Verweis auf eine Umfrage, nach der 70 Prozent in Deutschland das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 unterstützen.
  • Neu aufgenommen wurde die Videobotschaft von UN-Generalsekretär António Guterres mit Appellen zu Emissionsminderung und internationaler Klimafinanzierung.
  • Ergänzt wurden die Auftritte des türkischen Umweltministers Murat Kurum und des australischen Ministers Chris Bowen bei der Eröffnung.
  • Neu ist der Hinweis, dass die Türkei die Präsidentschaft der nächsten Weltklimakonferenz COP31 in Antalya übernehmen wird.
  • Hinzugefügt wurde Kurums Appell an die Staaten, ausstehende nationale Klimaziele einzureichen; nach seinen Angaben fehlen noch 43 Meldungen.
  • Ergänzt wurde zudem Kurums Forderung, dass Geberländer ihre Zusagen zur globalen Klimafinanzierung einhalten und Finanzierungsfonds wieder auffüllen.
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