Die Bundeswehr baut ihre Infrastruktur an der Nordseeküste deutlich aus. Noch in diesem Jahr soll der Hafen in Bremerhaven mit einer Milliardeninvestition für Bundeswehr und Nato ertüchtigt werden. Zudem ist nach dpa-Informationen im ostfriesischen Emden der Bau eines neuen Militärhafens für die Marine vorgesehen.
Neuer Marinehafen in Emden vorgesehen
In Emden soll der zweite Marinehafen an der deutschen Nordseeküste entstehen. Bislang verfügt die Marine dort nur in Wilhelmshaven über einen Hafenstandort.
Nach dpa-Informationen benötigt die Marine in Emden eine Fläche von rund 40 Hektar, mit einer Option auf weitere 10 Hektar. Vorgesehen sind Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper. Dort könnten später voraussichtlich eine vierstellige Zahl von Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sein.
Für den 5. Oktober ist in Emden eine Pressekonferenz angekündigt. Dort wollen Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (beide SPD) das weitere Vorgehen zu einem möglichen neuen Marinestützpunkt erläutern. Erwartet werden auch Marineinspekteur Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry und Emdens Erster Stadtrat Horst Jahnke.
Pistorius wollte sich auf Nachfrage zunächst nicht näher zu einer möglichen Standortentscheidung äußern. Weitere Einzelheiten werden in der kommenden Woche erwartet.
Bremerhaven wird zur Nato-Drehscheibe ausgebaut
Deutlich konkreter sind die Pläne in Bremerhaven. Im Bremer Rathaus unterzeichnete Pistorius eine Absichtserklärung, mit der der Hafen bis 2031 als Nato-Drehscheibe ausgebaut werden soll. Der Bund stellt dafür rund 1,35 Milliarden Euro bereit. Nach Angaben des Ministers ist das eine Rekordsumme und die bislang größte Investition vor Ort.
Der Bremer Senat beteiligt sich mit 200 Millionen Euro, weitere Mittel sollen von Privatinvestoren kommen. Ziel ist es, die zivile und militärische Infrastruktur der Überseehäfen sowie die Anbindung ins Hinterland auszubauen.
Geplant sind mehr als 40 Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem eine neue Schwerlastbrücke, mehrere Schwerlastflächen, der Ausbau eines Teils der Stromkaje, ein Verbindungskanal mit Drehbrücke, verschiedene Binnenkajen im Kaiserhafen, die Vertiefung von Hafenbecken, eine neue Feuerwache sowie bessere Straßen- und Bahnverbindungen. Auch der Flughafen Bremen soll unter anderem zusätzliche Logistikflächen erhalten.
Pistorius begründete die Investition mit der veränderten Bedrohungslage. Deutschland sei im Ernstfall eine Drehscheibe für militärische Verlegungen, sagte der Minister. Damit werde ein wichtiger Baustein für den Operationsplan Deutschland umgesetzt.
Marine prüfte mehrere Küstenstandorte
Für die Suche nach einem neuen Standort hatte sich die Marine in den vergangenen Monaten mehrere Orte an der Küste angesehen. Dazu gehörte auch Bremerhaven. Sowohl dort als auch in Emden werden bereits heute militärische Güter umgeschlagen, etwa bei Truppentransporten und Verlegeübungen.
Zum Auswahlverfahren, den Kriterien und möglichen weiteren Standorten wurden bislang keine Einzelheiten bekannt. Das Verteidigungsministerium hatte zuletzt auf neue Anforderungen an Standorte und Liegenschaften verwiesen, die auch mit dem geplanten Aufwuchs der Streitkräfte zusammenhängen.
Pistorius betont Bedarf für zweiten Marinehafen
Bereits Mitte Juli hatte Pistorius bei einem Truppenbesuch in Ostfriesland den Bedarf für einen weiteren Marinehafen an der deutschen Nordseeküste hervorgehoben. Ein zweiter Hafen sei aus Gründen der Absicherung nötig, um im Ernstfall ausweichen und Erreichbarkeiten sicherstellen zu können.
Zugleich gehe es darum, ausreichende Kapazitäten zu schaffen, falls im Krisen- oder Verteidigungsfall Hunderttausende alliierte Soldaten mit Material und Personal über Deutschland verlegt werden und zuvor in Deutschland anlanden müssten.
Landesregierung sprach sich für Emden aus
Die niedersächsische Landesregierung hatte sich zuletzt für Emden als Marinestandort starkgemacht. Bis 1997 gab es in der größten Stadt Ostfrieslands bereits einen Marinestützpunkt. Aus Hannover hieß es zuletzt, Niedersachsen habe großes Interesse an einem starken Bundeswehrstandort in Emden.
Der Emder Hafen verfügt nach Angaben der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports über das größte noch ungenutzte Flächenpotenzial unter den niedersächsischen Häfen. Als möglicher Bereich gilt der sogenannte Rysumer Nacken, eine Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich der Seehafenstadt, die dem Land gehört. Stadt, Land und Niedersachsen Ports beraten seit Jahren über eine Nutzung des Areals, bislang vor allem für zivile Zwecke.
Wilhelmshaven bleibt zentraler Marinestandort
Der derzeit einzige Marinehafen an der Nordseeküste liegt weiterhin in Wilhelmshaven. Dort befindet sich zugleich der größte Bundeswehrstandort Deutschlands. Neben dem Marinestützpunkt gehören unter anderem auch ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum dazu.
Am Standort ist die Einsatzflottille 2 stationiert, einer der drei Großverbände der Deutschen Marine. Zu ihr gehören Fregatten, Einsatzgruppenversorger und Flottentanker.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber