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Michael Jackson auf der Leinwand: Wirkt das Biopic „Michael“ zu unkritisch?

Mehrmals wurde der Start verschoben. Nun läuft das Biopic über Michael Jackson in den Kinos. Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Popstar spart der Film allerdings aus. Was er stattdessen zeigt.

22.04.2026, 09:28 Uhr

Michael Jackson zählt bis heute zu den prägendsten Popstars der Musikgeschichte. Zugleich ist sein Andenken bis heute umstritten. Fast 20 Jahre nach seinem Tod kommt nun mit „Michael“ ein Film über sein Leben ins Kino. In der Hauptrolle ist sein Neffe Jaafar Jackson zu sehen. Das Biopic, das vom Nachlass des Sängers unterstützt wird, sorgt allerdings schon vor dem Start für Diskussionen.

Worum geht es in „Michael“?

Der Film, auf den viele Fans lange gewartet haben und dessen Veröffentlichung mehrfach verschoben wurde, verfolgt Jacksons Weg von der Kindheit bis zur „Bad“-Tour der 1980er Jahre. Erzählt wird die Geschichte in klassischer Biopic-Manier, ergänzt durch zahlreiche Musik- und Tanzszenen.

Geboren 1958 im US-Bundesstaat Indiana, steht Michael zunächst als Kind gemeinsam mit seinen Brüdern Jackie, Tito, Jermaine und Marlon bei den Jackson Five im Rampenlicht. Der junge Michael wird von Juliano Krue Valdi gespielt.

Ein zentrales Thema des Films ist der harte und von Erfolgsdruck geprägte Umgang des Vaters Joseph Jackson mit seinen Söhnen. Colman Domingo verkörpert ihn als kompromisslosen Patriarchen, der alles dem Ruhm unterordnet. Michaels Rückzug in Fantasiewelten wird ebenfalls aufgegriffen, darunter seine Faszination für Peter Pan und Neverland – ein Name, den später auch seine Ranch tragen sollte.

Auch das schwierige Verhältnis zum Vater zieht sich durch den Film. So zeigt eine Szene, wie der erwachsene Michael, gespielt von Jaafar Jackson, seinen Anwalt John Branca damit beauftragt, den Vater als Manager zu entlassen, weil er Angst vor ihm hat. Thematisiert wird außerdem der schwere Unfall bei einem Pepsi-Dreh 1984, bei dem Jacksons Haare durch Pyrotechnik Feuer fingen und er erhebliche Verbrennungen erlitt.

Welche Themen fehlen – und warum?

Da die Handlung mit der Zeit rund um das 1987 veröffentlichte Album „Bad“ endet, bleiben wichtige spätere Kapitel von Jacksons Leben außen vor. Dazu gehören vor allem die Missbrauchsvorwürfe, die sein öffentliches Bild später massiv belasteten.

Diese Anschuldigungen wurden erst Jahre nach der „Bad“-Ära öffentlich. Im Jahr 2005 kam es nach Vorwürfen eines Jugendlichen zu einem viel beachteten Prozess, der mit einem vollständigen Freispruch für Jackson endete.

US-Medien berichteten allerdings, dass die Auswirkungen dieser Vorwürfe ursprünglich im Film behandelt werden sollten. Demnach seien entsprechende Szenen später gestrichen worden, weil eine erst nach den Dreharbeiten entdeckte rechtliche Klausel es untersagt habe, einen der Kläger in einem Film darzustellen oder auch nur zu erwähnen.

Ein Sprecher von Lionsgate bestätigte dem New York Times Magazine, dass umfangreiches Material verworfen werden musste. Zugleich hieß es, die besondere Situation habe die Möglichkeit eröffnet, zusätzliches Material für das zu drehen, was nun im Grunde als erster Teil verstanden werden könne – also die Entstehung eines Stars –, während man sich weitere Fortsetzungen offenhalte.

Wie zeigt der Film Michael Jackson?

Insgesamt zeichnet „Michael“ ein eher wohlwollendes, wenig hinterfragendes Bild des Sängers. Jackson erscheint als sensibler, gutmütiger Künstler, der vor allem unter seinem strengen Vater leidet. Auch bei einem Fan-Event mit Bühnengespräch in Berlin wurden die Kontroversen rund um den Musiker nicht thematisiert.

Für Fans der Musik dürfte der Film dennoch einiges bieten. Im Mittelpunkt stehen Auftritte, Choreografien und bekannte Songs wie „Billie Jean“ und „Thriller“. Produzent Graham King, der bereits hinter „Bohemian Rhapsody“ stand, bezeichnete das Projekt in einem Interview als „pure Unterhaltung“.

Besonders im Fokus steht Jaafar Jackson, der hier seine erste Filmrolle übernimmt. Der 29-Jährige ähnelt seinem Onkel äußerlich auffallend und überzeugt vor allem in den Tanzszenen – etwa beim Moonwalk oder in den typischen Bühnenkostümen mit weißem Handschuh und glitzernden Jacken im Militärstil. Bei der internationalen Premiere in Berlin gab es dafür wiederholt spontanen Applaus.

Zu den eindrucksvollsten Momenten zählt die Nachstellung von Teilen des legendären „Thriller“-Videos. Laut Produzent King wurden für den Gesang im Film die Stimmen von Jaafar Jackson und des jungen Darstellers Juliano Krue Valdi mit Originalanteilen von Michael Jackson gemischt. Auch die aufwendig gestalteten Kostüme zählen zu den Stärken der Produktion.

Wie reagiert die Familie?

Bei der Premiere in Berlin waren neben Jaafar Jackson auch mehrere Mitglieder der Familie anwesend, darunter Michaels Brüder Jermaine, Jackie und Marlon sowie seine Söhne Prince und Bigi. Jermaine äußerte sich stolz über die Leistung seines Sohnes.

Doch nicht alle Familienmitglieder unterstützen das Projekt. Paris Jackson, die Tochter des Sängers, hatte sich öffentlich davon distanziert. Auch seine Schwester Janet Jackson soll nicht beteiligt gewesen sein.

Wie Rolling Stone im September 2025 berichtete, erklärte Paris Jackson auf Instagram, sie sei an dem Film nicht beteiligt. Ihrer Ansicht nach richte sich das Biopic an einen bestimmten Teil der Fangemeinde ihres Vaters, der weiterhin in einer idealisierten Fantasie lebe. Bei großen Musikfilmen wie „Bohemian Rhapsody“ liege das Grundproblem in Hollywood selbst: Dort entstehe eine Scheinwelt, die dem Publikum als Wirklichkeit präsentiert werde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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