Hamburg

Block-Anwalt packt aus: Info kam «vom Himmel»

Was wusste die Block-Familie direkt nach der Entführung? Im Hamburger Prozess gerät ein Anwalt ins Kreuzverhör.

05.10.2026, 13:34 Uhr

Anwalt berichtet von Überraschung nach der Silvesternacht

Im Hamburger Prozess um die mutmaßliche Entführung zweier Kinder aus der Familie Block hat ein Anwalt der Familie als Zeuge die unmittelbare Zeit nach der Tat in der Silvesternacht 2023/24 geschildert. Vor dem Landgericht sagte der 55-Jährige, die Nachricht, dass sich die Kinder nicht mehr in Dänemark aufhielten, sei für die Beteiligten völlig überraschend gekommen – sie sei förmlich „vom Himmel gefallen“.

Nach seinen Angaben nahm er am Vormittag des 2. Januar 2024 an einem Treffen teil, bei dem unter anderem der Block-House-Gründer Eugen Block und der mitangeklagte Jurist Andreas Costard anwesend waren. Niemand bei diesem Treffen habe gewusst, was genau passiert sei. Auch unter welchen Umständen die Kinder nach Deutschland gelangt waren, sei damals unklar gewesen.

Hintergrund des Verfahrens

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block (53) muss sich vor Gericht verantworten, weil sie nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben soll. Diese habe ihre damals 13 Jahre alte Tochter und den zehnjährigen Sohn vom Wohnort ihres Vaters Stephan Hensel in Süddänemark nach Deutschland bringen sollen.

Von den sieben Angeklagten hat bislang nur ein 37-jähriger Israeli die Vorwürfe eingeräumt. Die übrigen sechs bestreiten die Anschuldigungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Eugen Block selbst ist in dem Verfahren nicht angeklagt.

Der Hintergrund des Falls reicht bis August 2021 zurück: Damals soll der frühere Ehemann von Christina Block die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch nicht wie vereinbart nach Hamburg zurückgebracht haben. Rund zweieinhalb Jahre später wurden die Kinder laut Anklage von maskierten Männern ergriffen, als sie mit ihrem Vater in der Nähe ihres Hauses das Silvesterfeuerwerk ansahen.

Richterin hinterfragt Aussagen des Zeugen

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt ging mehrfach kritisch auf die Schilderungen des Anwalts ein. Sie verwies darauf, dass ein mitangeklagter Sicherheitsunternehmer bei der Polizei ausgesagt habe, bei dem Treffen sei auch über mutmaßliche Gewalt gegen den Vater in der Silvesternacht gesprochen worden. Der Zeuge erklärte jedoch, daran keine Erinnerung zu haben.

Wie der 55-Jährige weiter sagte, vertrat er seit Januar 2023 Eugen Block, der ihn für die Aussage von seiner Schweigepflicht entbunden habe. Sein Auftrag habe darin bestanden, im Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann beratend tätig zu sein.

Fragen zu seiner Präsenz im Gerichtssaal

Auch seine häufige Anwesenheit im Zuschauerraum des Prozesses war Thema. Die Richterin wollte wissen, ob er den Auftrag gehabt habe, Eugen Block über den Verlauf der Verhandlung zu informieren. Das verneinte der Anwalt. Er habe aus persönlichem Interesse an dem Fall teilgenommen und seine Anwesenheit nicht abgerechnet. Eugen Block verfolge den Prozess über einen Live-Ticker.

Schilderungen zum 5. Januar 2024

Zum Schluss berichtete der Zeuge auch über den 5. Januar 2024. An diesem Tag mussten die Kinder nach einer gerichtlichen Entscheidung wieder zu ihrem Vater zurückkehren. Er sei damals zum Haus von Christina Block gefahren, um in dieser schwierigen Situation für sie da zu sein. Nach seinen Worten sei sie „am Boden zerstört“ gewesen.

Darüber hinaus schilderte er die Reaktionen der Kinder: Der Sohn sei „tieftraurig“ gewesen, die Tochter habe eher eine Fassade aufgesetzt und genervt gewirkt. Die Vorsitzende Richterin mahnte den Zeugen jedoch, er solle nur eigene Erinnerungen wiedergeben und keine Deutungen oder Interpretationen liefern.

Vater verweigert erneute Aussage

Am 80. Verhandlungstag sollte eigentlich auch der Vater der Kinder noch einmal als Zeuge aussagen. Der Nebenkläger machte jedoch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Hintergrund der erneuten Ladung war eine jüngste Debatte über einen neuen Podcast, in dem die entführte Tochter bereits im Januar 2024 in Dänemark ein Interview gegeben haben soll.

Den Antrag auf eine erneute Vernehmung hatte Costards Verteidiger Marko Voß gestellt. Er warf dem Vater vor, das Leid der Kinder zu instrumentalisieren. Weil dieser nicht erneut aussagen wollte, will die Kammer voraussichtlich in der kommenden Woche seine neue Ehefrau ein zweites Mal als Zeugin hören. Nach Angaben des Vertreters der Nebenklage konnte die Ladung allerdings nicht über ihn zugestellt werden. Das Gericht will nun andere Wege prüfen.

Der Prozess wird an diesem Dienstag fortgesetzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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