Berlin

Neue Emil-Verfilmung: Kinder hetzen Dieb durch Berlin

Kästners «Emil» ist zurück: moderner, wilder, weiblicher – mit E-Scootern, Berlin-Feeling und Zah1de-Cameo.

23.09.2026, 07:30 Uhr

"Emil und die Detektive" kehrt 2026 ins Kino zurück

Schon die Namen der jungen Hauptdarsteller zeigen, wie viel Zeit seit den früheren Verfilmungen vergangen ist: 1931 hießen die Kinderstars noch Rolf und Inge, 1954 dann Peter und Claudia, 2001 Tobias und Anja – und in der neuen Version von 2026 sind es Nicholas Jonah und Lara Toni.

Erich Kästners "Emil und die Detektive" wird damit erneut fürs Kino neu entdeckt. Der Roman erschien 1929 und zählt seit langem zu den bekanntesten Kinderbuchklassikern im deutschsprachigen Raum.

Die neue Adaption, die am 24. September anläuft, versetzt die Geschichte behutsam ins heutige Berlin. Herausgekommen ist ein familienfreundlicher Film mit viel Tempo und Humor. Auch Rapperin und TikTok-Star Zah1de ist mit einem kurzen Gastauftritt dabei.

Worum es in Kästners Klassiker geht

Im Zentrum steht Emil Tischbein, der aus der Provinz nach Berlin reist. Während der Zugfahrt wird ihm Geld gestohlen, das eigentlich für seine Großmutter bestimmt ist. In der Hauptstadt schließt er sich mit Berliner Kindern zusammen, um den Täter aufzuspüren.

Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich, dem Dieb das Geld wieder abzunehmen und zugleich einen Mann zu überführen, nach dem die Polizei schon länger sucht.

Dreharbeiten im Jahr 2025

Die neue Filmfassung wurde im August, September und Oktober 2025 gedreht. Nicholas Jonah Peter, heute 14 Jahre alt, spielt Emil. An seiner Seite stehen unter anderem Lara Toni Lüdders als Pony und Kilian Kasa als Gustav vor der Kamera.

Kinostart - "Emil und die Detektive"
Der dubiose Max Grundeis (Merlin Sandmeyer) spricht Emil (Nicholas Jonah Peter) im Zug an und gibt ihm ein schläfrig machendes Gummibärchen, um sein Geld stehlen zu können – Szene aus «Emil und die Detektive» (Kinostart 24.09.2026). Quelle: -/Warner Bros./dpa

Pony ist in der neuen Version nicht mehr Emils Cousine, sondern ein selbstbewusstes Nachbarskind von Oma Renate, die von Ursula Werner gespielt wird. Sie begegnet Emil direkt am Bahnhof und ordnet ihn erst einmal als typischen Jungen vom Land ein.

Auch Gustav wurde modernisiert: Statt mit einer Hupe wie im Buch tritt er nun als ehrgeiziger Berliner Junge mit Nahost-Migrationshintergrund auf. Seinen Spitznamen trägt er, weil sein eigentlicher Name angeblich für viele Deutsche zu kompliziert sei.

Berlin von heute mit einem Augenzwinkern

Der Film greift immer wieder typische Berlin-Klischees auf und macht sich charmant darüber lustig. Dazu gehören etwa Servicekräfte, die lieber Englisch sprechen, der Ruf bestimmter U-Bahn-Linien wie der U8 oder verwirrte Partygänger am helllichten Tag.

Regie führte David Dietl, Sohn des Regisseurs Helmut Dietl. Das Drehbuch stammt von Antonia Scheurlen.

Während Kästners Vorlage noch klar als Jungenabenteuer angelegt war, präsentiert sich die neue Verfilmung deutlich ausgewogener und zeitgemäßer.

Eine Figur wurde neu gedacht

Der "kleine Dienstag" ist diesmal kein Junge mehr, sondern ein technikaffines Mädchen mit Smartphone, gespielt von Bela Louis Plass. Emil selbst besitzt dagegen nur ein einfaches Kinderhandy ohne Internetzugang.

Um den Dieb Max Grundeis verfolgen zu können, nutzen die Kinder moderne Mittel: Sie stecken ihm unbemerkt AirPods zu, damit sie seinen Standort verfolgen können. Gespielt wird der Ganove von Merlin Sandmeyer, der vielen bereits aus "Die Discounter" bekannt ist.

Fortbewegt wird sich nicht nur mit dem Fahrrad – die Kinder sausen auch auf E-Scootern durch das sommerliche Kreuzberg, manchmal sogar zu zweit auf einem Roller.

Emil kommt nun aus Bernburg

Im Original stammt Emil aus dem fiktiven Neustadt, im neuen Film lebt er in Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt. Seine Mutter Anna Tischbein, gespielt von Luise Heyer, arbeitet wie schon bei Kästner als Friseurin.

Auch bei der Familiengeschichte gibt es Änderungen: Im Buch ist Emils Vater, ein Klempnermeister, früh gestorben. In der neuen Fassung war er Purser und kam vor einigen Jahren unter nicht näher erläuterten Umständen ums Leben.

Das Geld, das Emil für seine Großmutter mitnimmt, wurde ebenfalls an die Gegenwart angepasst: Aus den 140 Mark der Romanvorlage sind nun mehr als tausend Euro geworden.

Reise mit dem ICE statt mit der alten Eisenbahn

Nicht nur die Summen, auch die Reise selbst ist moderner geworden. Statt mit einer alten Bahn am Bahnhof Zoo anzukommen, fährt Emil diesmal mit dem ICE nach Berlin und steigt am weitläufigen Hauptbahnhof aus.

Insgesamt wirkt die neue Version näher an Kästners Grundidee als die Verfilmung von 2001. Damals wurden Handlung und Figuren stärker verändert. So lebte Emil etwa bei seinem arbeitslosen Vater, und die Berlin-Reise führte nicht zur Großmutter, sondern zur Schwester seines Lehrers.

Die aktuelle Neuverfilmung setzt dagegen stärker auf die Qualitäten des Originals. Im Mittelpunkt stehen Wärme, kindgerechte Perspektive und ein realistischer Blick auf das Miteinander.

Solidarität als zentrales Thema

Am Ende erinnert der Film daran, was Kästners Buch bis heute so stark macht: Zusammenhalt, Mut, Freundschaft und gemeinsames Handeln gegen Unrecht. Genau darin liegt auch fast hundert Jahre später noch seine Aktualität.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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