Betroffene aus der Region können sich in der kommenden Woche öffentlich zum geplanten Windpark im oberbayerischen Altötting äußern. Bei einem Erörterungstermin am 6. und 7. Mai werden zuvor schriftlich eingereichte Einwände mündlich besprochen. Wie viele Menschen teilnehmen, ist noch unklar. Im großen Saal des Kultur & Kongress Forums gibt es Platz für etwa 1.000 Besucher.
Nach Angaben des Landratsamts und des Projektentwicklers Qair Deutschland sind insgesamt 73 Einwendungen eingegangen, unter anderem von Anwohnern, Verbänden und Bürgerinitiativen. Hinzu kommen 51 fachliche Stellungnahmen von Behörden und Kommunen, die Auflagen, Hinweise oder Bedenken zum Vorhaben enthalten.
Die nun anstehende Erörterung soll offene Punkte klären und der Genehmigungsbehörde, also dem Landratsamt, eine Grundlage für die Entscheidung liefern. Möglich ist auch, dass die eingereichten Planungsunterlagen anschließend noch überarbeitet werden müssen. Zuvor lagen die Unterlagen vier Wochen lang öffentlich aus; die Frist zur Abgabe von Stellungnahmen endete am 30. März.
Kritik an Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner
Das Windparkprojekt sorgt in der Region seit Längerem für Diskussionen. Kritiker befürchten vor allem Lärm, Schattenwurf sowie Risiken für Boden und Trinkwasser. Eine Bürgerinitiative hatte außerdem den Eingriff in den zusammenhängenden Wald kritisiert und auch Zweifel an Wirtschaftlichkeit und Energiebilanz geäußert.
Bereits früher war die Zahl der vorgesehenen Anlagen nach Protesten reduziert worden. Besonders in der Gemeinde Mehring, wo ursprünglich zehn der zunächst 40 Windräder entstehen sollten, hatten die Bürger das Vorhaben vor gut zwei Jahren in einem Bürgerentscheid abgelehnt. Das löste damals erhebliche Reaktionen aus – sowohl in der Industrie des nahegelegenen Chemiedreiecks als auch in der Staatsregierung.
Im Anschluss war Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in die Region gereist, um mit Bürgern zu sprechen und für das Projekt zu werben. Der Windpark galt als mögliches Prestigevorhaben und sollte zum größten in Bayern werden.
Inzwischen sieht die Planung noch 27 Windräder vor. Nach Angaben von Qair sollen sie im Vollausbau pro Jahr rund 320 Millionen Kilowattstunden Strom liefern. Rechnerisch könnten damit mehr als 90.000 Haushalte versorgt werden.
Baubeginn ab 2027 angepeilt
Qair möchte nach derzeitiger Planung im kommenden Jahr mit dem Bau beginnen. Bereits 2028 könnte nach Unternehmensangaben erstmals Strom erzeugt werden. Für die Genehmigungsentscheidung hat das Landratsamt laut einem Sprecher von Qair noch bis Anfang September Zeit. Das Unternehmen hoffe jedoch auf ein schnelleres Verfahren und stehe dazu im Austausch mit der Behörde.
Nach einer möglichen Genehmigung gilt zunächst eine vierwöchige Klagefrist. Eventuelle Klagen könnten das Vorhaben verzögern.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht laut Qair durch geplante Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Für die zeitliche Umsetzung sei entscheidend, wann das Projekt in einer EEG-Ausschreibung erfolgreich sei, da erst ein Zuschlag durch die Bundesnetzagentur bestimmte Erlöse absichere. Erst danach könnten die Windkraftanlagen verbindlich bestellt werden.
PFAS-Belastung erhöht Sorgen in der Region
Ein besonders sensibles Thema bleibt der Wasser- und Bodenschutz. Das Gebiet ist durch PFAS-Chemikalien, insbesondere PFOA aus der nahegelegenen Industrie, belastet. Die Stoffe waren vor Jahren im Blut von Anwohnern nachgewiesen worden; Trinkwasserbrunnen mussten mit Filtern nachgerüstet werden. In der Region gibt es daher die Sorge, dass die Schadstoffe durch Bauarbeiten erneut mobilisiert werden könnten.
Qair verweist in diesem Zusammenhang auf ein vorgesehenes Bodenmanagementkonzept. Es solle verhindern, dass belastetes Erdreich ausgewaschen wird. Zudem seien Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers geplant. So soll der Boden auf einer Fläche von 2.700 Quadratmetern je Anlage für Baufahrzeuge und Kräne nicht ausgehoben, sondern mit einer speziellen Betonmischung verfestigt werden.
Auch mögliche Belastungen durch Geräusche und Schatten bleiben Thema. Derzeit ist ein Abstand von 1.200 Metern zu geschlossener Wohnbebauung vorgesehen. Dieser Wert liegt nach Gesprächen mit Bürgern um 200 Meter über dem ursprünglich von den zuständigen Stellen vorgesehenen Abstand.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion