Bei der Initiative „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ haben in der ersten Oktoberfest-Woche 185 Personen den dort eingerichteten Safe Space aufgesucht. Damit lag die Zahl leicht unter dem Vergleichswert des Vorjahres, als es zum selben Zeitpunkt 197 Fälle gegeben hatte. Gleichzeitig meldeten die Organisatorinnen jedoch einen spürbaren Anstieg bei Gewalttaten: 19 Wiesn-Besucherinnen suchten Hilfe, nachdem sie auf dem Festgelände sexualisierte oder körperliche Gewalt erlebt hatten. Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum 12 Fälle.
Sorge wegen zunehmender Gewalt
Das Team der „Sicheren Wiesn“ beobachtet diese Entwicklung nach eigenen Angaben mit großer Besorgnis. Vor allem bei den Fällen körperlicher Gewalt habe es sich teils um besonders schwere Vorfälle gehandelt, erklärten die Verantwortlichen, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.
Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, dass in der ersten Wiesn-Woche 32 Sexualdelikte angezeigt wurden. Diese Zahl bewege sich etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre.
Auch das Thema Upskirting, also heimliches Filmen unter den Rock, war im Vorfeld des Volksfests erneut stark diskutiert worden. Am Safe Space seien dazu allerdings keine Vorfälle gemeldet worden. Eine Sprecherin erklärte, man gehe davon aus, dass viele Betroffene solche Taten im Moment selbst gar nicht bemerkten, da die Täter gezielt verdeckt vorgingen. Tauche ein entsprechendes Video später im Internet auf, falle dies nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des Safe Space.
Häufigster Grund: Unterstützung für den Heimweg
Am häufigsten baten Besucherinnen um Hilfe, um sicher nach Hause oder in ihre Unterkunft zu gelangen. Viele hatten den Kontakt zu Freundinnen, Freunden, Partnern oder Angehörigen verloren. Andere fühlten sich allein unsicher oder waren orientierungslos. Besonders schwierig werde es, wenn Betroffene weder wüssten, in welchem Hotel ihre Gruppe untergebracht sei, noch wann die nächste Busverbindung fahre.

Weitere Gründe für Hilfegesuche waren alkoholbedingter Kontrollverlust, der Verdacht auf K.-o.-Tropfen sowie ganz praktische Soforthilfe, etwa das Ausleihen von Wechselkleidung.
Viele junge Frauen und zahlreiche Besucherinnen aus dem Ausland
Von den Hilfesuchenden kamen 38 Prozent beziehungsweise 67 Personen aus München und dem Umland. 37 Prozent beziehungsweise 65 Personen reisten aus dem Ausland an. Die übrigen stammten aus anderen Regionen Deutschlands. Damit entsprach die Herkunftsverteilung in etwa dem Vorjahresbild.
Ähnlich zeigte sich auch die Altersstruktur: 74 Prozent der Hilfesuchenden waren jünger als 30 Jahre, darunter 28 Minderjährige.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber