Bayern

Traum-Wiesn! Warum dieses Fest fast perfekt war

Rekordandrang auf der Wiesn – und trotzdem erstaunlich friedlich. Warum dieses fast perfekte Fest doch einen dunklen Schatten hat.

27.09.2026, 11:36 Uhr

Oktoberfest zieht zur Halbzeit mehr Menschen an – zwei Unglücke überschatten die Wiesn

Bei spätsommerlich idealem Volksfestwetter hat das Oktoberfest in seiner ersten Hälfte mehr Menschen angezogen als im Vorjahr. Nach Schätzungen der Festleitung kamen bislang rund 3,8 Millionen Besucherinnen und Besucher auf die Theresienwiese, im Vorjahr waren es etwa 3,5 Millionen. Trotz des großen Andrangs blieb es laut Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) bei einer ruhigen Lage ohne gefährliche Überfüllungssituationen wie 2025.

Scharpf sprach von einer von Beginn an entspannten und friedlichen ersten Woche. Auch Münchens dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) lobte die harmonische und gute Stimmung auf dem Fest. Die Wiesn läuft noch bis 4. Oktober.

Mehr Andrang an Werktagen

Nach Einschätzung der Festleitung wirkte sich eine gezielte Kampagne positiv aus, die zu Besuchen unter der Woche aufrief. Damit sollten die Besucherströme besser verteilt werden. Tatsächlich lag die Zahl der Gäste an den Werktagen 18,5 Prozent über dem Vorjahreswert, während die Wochenenden leicht unter dem Niveau des Vorjahres blieben.

Auch das überarbeitete Sicherheitskonzept habe sich bewährt. Zum Einsatz kommen unter anderem KI-gestützte Videotechnik sowie ein Crowdspotter, der das Geschehen beobachtet und bei Bedarf mit Durchsagen lenkend eingreifen kann. Scharpf sprach von einem deutlichen Fortschritt und einem „Quantensprung“ für die Sicherheit. Am Samstag wurden bei starkem Besucheraufkommen zeitweise einzelne Eingänge geschlossen, um die Ströme umzuleiten. Anders als 2025 habe es aber keine kritischen Menschentrauben gegeben.

Zwei Unglücke überschatten das Fest

Überschattet wurde die erste Wiesn-Hälfte von zwei schweren Unglücksfällen. Bereits am dritten Wiesntag kam ein 52-jähriger Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes an einem Fahrgeschäft ums Leben, nachdem ihn eine Gondel erfasst hatte. Warum er sich in dem Bereich aufhielt, wird weiter untersucht. Beim traditionellen Gottesdienst gedachte die Wiesn-Gemeinde des Verstorbenen.

Hinzu kam ein schwerer Busunfall auf der Autobahn 96 bei Buchloe im Ostallgäu. Ein Reisebus aus Italien mit einer Gruppe von in Italien lebenden philippinischen Staatsangehörigen, die auf dem Oktoberfest feiern wollte, kippte auf dem Weg nach München um. Zwei Menschen starben, zahlreiche weitere wurden teils schwer verletzt.

Saures Radler als Trendgetränk

Bei den Getränken zeigte sich in diesem Jahr ein überraschender Trend: Viele Gäste bestellten saures Radler. Scharpf äußerte sich verwundert über die Beliebtheit, kündigte aber an, das Getränk selbst zu probieren. Der Absatz des klassischen Festbiers ging leicht zurück, während Weißbier stärker gefragt war.

Beliebt waren außerdem klassische Wiesn-Speisen wie Käsespätzle, Bratwürste, halbe Hendl und Ochsenfleisch.

Souvenirs: Lebkuchenherzen gefragter als Hendlhüte

Bei den Andenken verlieren Hendlhüte etwas an Popularität. Dagegen greifen viele Gäste, auch aus dem Ausland, weiterhin gern zu Lebkuchenherzen. Mitunter werden deren Aufschriften sogar übersetzt. Ebenfalls gefragt sind Pins, weil sie sich leicht transportieren lassen. Die Maßkrüge, die immer wieder einfach mitgenommen werden, gelten dagegen nicht als Souvenir, sondern als Diebesgut.

Weniger Fundsachen

Auffällig ist auch der Rückgang bei den Fundsachen: Deren Zahl sank laut Festleitung um 40 Prozent. Unter den ungewöhnlicheren Fundstücken waren ein Bildband über Tibet und ein Rollator. Scharpf scherzte, vielleicht habe das Festbier Kräfte freigesetzt, sodass der Rollator nicht mehr gebraucht worden sei.

Noch kein klarer Wiesn-Hit

Einen eindeutigen Wiesn-Hit gibt es bislang noch nicht. Besonders häufig zu hören sei jedoch der Titel „Gute Laune“ von GroßstadtEngel.

Viel Sonne und prominente Gäste

Das Wetter zeigte sich in der ersten Hälfte nahezu ideal: Temperaturen um die 20 Grad und darüber, dazu viel Sonne und meist wolkenloser Himmel.

Auf der Theresienwiese feierten auch zahlreiche Prominente, darunter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt mit seinem italienischen Amtskollegen Matteo Piantedosi, außerdem Arnold Schwarzenegger, Michael Ballack, Oliver Pocher, Andreas Gabalier, Regine Sixt, Florian Silbereisen, Cathy Hummels und die Geissens.

Mehr Einsätze für Polizei und Sanitäter

Trotz der insgesamt gelösten Atmosphäre verzeichneten Polizei und die Sanitätsstation der Aicher Ambulanz mehr Einsätze als im Vorjahr, zogen insgesamt aber eine positive Bilanz.

Die Sanitätsstation behandelte bislang 4.242 Patientinnen und Patienten. Wie üblich entfiel der größte Anteil der Behandlungen auf alkoholbedingte Probleme – sie machten rund 35 Prozent der Fälle aus. 66 Menschen mussten im sogenannten „Hotel Aicher“ über Nacht betreut werden, um die Münchner Kliniken zu entlasten.

Hinzu kamen verschiedene Verletzungen, Kreislaufzusammenbrüche und andere internistische Beschwerden. Ein besonderer Fall: Ein Besucher aus Berlin brach sich beim Armdrücken den Arm. Erstmals wurden auf der Wiesn zudem Impfungen gegen Influenza und Covid-19 angeboten; dieses Angebot nahmen Hunderte Menschen wahr.

Polizei registriert mehr Delikte

Die Polizei registrierte bislang etwa 470 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Dazu gehörten unter anderem Körperverletzungen, Diebstähle, sexuelle Belästigungen sowie Fälle von Upskirting, also heimlichen Aufnahmen unter den Rock.

Auffällig war zudem ein deutlicher Anstieg bei den Drogendelikten, die um fast 50 Prozent zunahmen. Als häufigste Droge nannten die Behörden Kokain.

Für die Sicherheit sind nach Polizeiangaben rund 600 Beamtinnen und Beamte sowie eine vierstellige Zahl an Ordnern im Einsatz. Das Gelände wird zudem von 56 polizeilichen Videokameras überwacht.

Zu den kurioseren Fällen zählte der Diebstahl eines Rollators von einem 90-jährigen Wiesn-Besucher. Mithilfe von Videoaufnahmen konnte ein 52-jähriger Tatverdächtiger ermittelt und festgenommen werden.

Drohnen über dem Festgelände

Zudem wurden erneut zahlreiche Drohnen über dem Festgelände gesichtet, obwohl während der Wiesn strikte Flugbeschränkungen gelten. Mehrere Geräte wurden aus dem Verkehr gezogen oder vom Himmel geholt. Die Polizei appellierte an Hobbyflieger, ihre Drohnen während des Oktoberfests am Boden zu lassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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