In Geretsried in Oberbayern sorgt die Festnahme eines früheren BND-Mitarbeiters wegen des Verdachts der Spionage für große Unruhe. Bürgermeister Patrik Kohlert erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, er könne verstehen, dass ein solcher Fall in der direkten Nachbarschaft viele Menschen verunsichere. In einer Stadt wie Geretsried, in der sich viele untereinander kennen, sei die Belastung entsprechend hoch.
Der festgenommene Mann, Manfred D., war einst Büroleiter des früheren BND-Präsidenten August Hanning. Nach seiner Festnahme befindet er sich inzwischen in Untersuchungshaft. Geretsried zählt etwas mehr als 26.000 Einwohner und liegt im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, rund eine halbe Stunde vom BND-Standort Pullach entfernt. Pullach war früher die Zentrale des Auslandsgeheimdienstes; heute arbeiten dort noch etwa 1.000 Beschäftigte.
Haftbefehl wegen Verdachts der Beihilfe
Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, erließ ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe am Dienstagnachmittag Haftbefehl gegen Manfred D. Vorgeworfen werden ihm Beihilfe zum versuchten Landesverrat sowie zur landesverräterischen Ausspähung.
Bürgermeister Kohlert bezeichnete die Anschuldigungen als schwerwiegend, wollte sich mit Blick auf das laufende Verfahren jedoch nicht weiter dazu äußern.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen Hanning und sein damaliger Büroleiter bereits im Jahr 2010 eine Abmachung getroffen haben. Demnach soll Manfred D. gegen Bezahlung fortlaufend an wertvolle Erkenntnisse des BND gelangt sein, die Hanning anschließend im Rahmen seiner Beratungstätigkeit genutzt und wirtschaftlich verwertet haben soll.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte Hanning womöglich über mindestens zwölf Jahre hinweg Zugang zu Informationen gehabt, die ausschließlich für interne Zwecke des deutschen Auslandsgeheimdienstes bestimmt waren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber