Steinmeier warnt vor Angriffen auf den Freiraum der Kunst
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eindringlich davor gewarnt, die Freiheit der Kunst einzuschränken. Bei der Wiedereröffnung der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall sagte er laut vorab verbreitetem Redemanuskript, was vor Jahren noch abstrakt gewirkt habe, sei inzwischen für viele Kultureinrichtungen bittere Realität. So fürchte etwa das Bauhaus in Dessau inzwischen um sein Überleben.
Steinmeier sprach von einem neu ausgerufenen Kulturkampf, der mit nationalistischer Engstirnigkeit den mühsam zurückgewonnenen „Freiraum Kunst“ erneut beschneiden wolle. Dagegen müsse sich die Gesellschaft mit aller Kraft stellen, mahnte das Staatsoberhaupt.
Kritik an AfD-Positionen
Hintergrund sind unter anderem Äußerungen der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei hatte das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet und möchte die Landeskampagne „#moderndenken“ in „#deutschdenken“ umbenennen. Die AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Bei der Landtagswahl wurde sie zwar klar stärkste Kraft, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit.
Steinmeier betonte, dass die Kunstfreiheit im Grundgesetz ausdrücklich geschützt werde – auch geprägt von den Erfahrungen der Zeit des Nationalsozialismus. „Kunst ist Ausdruck unseres Menschseins, unserer Individualität, unseres unabhängigen Denkens und Empfindens“, sagte der Bundespräsident.
Kunsthalle Würth nach drei Jahren Umbau wieder geöffnet
Zugleich würdigte Steinmeier den Unternehmer Reinhold Würth für dessen langjähriges kulturelles Engagement. Nach rund dreijähriger Erweiterungs- und Umbauphase präsentiert sich die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall nun in neuer Form. Durch die Modernisierung kamen rund 600 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche hinzu. Insgesamt verfügt das Haus nun über etwa 3.200 Quadratmeter. Die Baukosten lagen bei 25 Millionen Euro.
Zur Wiedereröffnung startet die Kunsthalle mit der großen Einzelausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“. Kiefer zählt zu den prägenden künstlerischen Positionen in der Sammlung Würth. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hob beim Festakt Würths Verdienste für den Kunststandort im Südwesten hervor.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber