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Wal-Drama nur in Deutschland? Anderswo nicht

Während in Deutschland viele gebannt jeden Tag auf das Schicksal des gestrandeten Wals schauen, bleibt das Drama andernorts fast unbeachtet - auch, weil dort immer wieder Wale stranden und sterben.

25.04.2026, 04:00 Uhr

Walstrandung in Deutschland löst international vor allem Verwunderung über den Wirbel aus

Während das Schicksal des vor Poel gestrandeten Buckelwals in Deutschland große Emotionen weckt, fällt die Berichterstattung im Ausland meist deutlich sachlicher aus. Dort richtet sich das Interesse vor allem auf die enorme öffentliche Aufmerksamkeit, die der Fall hierzulande erhalten hat. Die New York Times sprach sogar von „Deutschlands Lieblingswal“ und beschrieb das Geschehen als Mischung aus Touristenattraktion und Medienspektakel.

Auch Medien in Spanien und Portugal sehen in dem Fall vor allem ein Kommunikationsphänomen. Die spanische Zeitung El País schrieb, aus der Strandung sei ein regelrechtes „Medienphänomen“ geworden, bei dem regionale Sender live selbst kleinste Veränderungen beim Zustand des Tieres begleiteten. Der portugiesische öffentlich-rechtliche Sender RTP verwies zudem auf den Einfluss des aufgeheizten Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern.

Der rund zwölf Meter lange Buckelwal war Ende März vor der Ostseeinsel Poel gestrandet. Nach Einschätzung von Fachleuten entschieden die Behörden zunächst, das Tier nicht anzufassen. In sozialen Netzwerken wuchs jedoch der Druck, angeheizt auch durch populistische Stimmen. Schließlich wurde einer privaten Initiative erlaubt, Rettungsversuche zu unternehmen. Seitdem herrscht viel Unruhe rund um das ohnehin geschwächte Tier.

Wo Strandungen häufiger vorkommen, sind sie weniger spektakulär

In Spanien und Portugal werden Meeressäuger deutlich öfter angespült als in Deutschland. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, doch Medienberichte gehen von etwa 20 bis 50 Fällen pro Jahr aus. Besonders auf den portugiesischen Azoren, die auf wichtigen Wanderrouten der Tiere liegen, werden regelmäßig kranke oder entkräftete Wale entdeckt.

Betroffen sind dort häufig Zwergwale, Pottwale und Delfine. Rettungsaktionen enden oft ohne Erfolg. So strandete im April 2022 südlich von Lissabon ein junger Pottwal. Tierschützer, Feuerwehr und Polizei versuchten mit Kränen, Planen und Wasser, das Tier zurück ins Meer zu bringen. Am Ende starb der Wal dennoch. Später stellte sich bei der Untersuchung heraus, dass er krank gewesen war.

In Dänemark wird meist nicht eingegriffen

Auch in Dänemark sind in diesem Jahr bereits mehrere Wale gestrandet. Zuletzt lagen im Februar etwa sechs Pottwale vor der Nordseeküste bei Fanø. Nach Einschätzung der Umweltbehörde lebte mindestens eines der Tiere anfangs noch. Dennoch verzichteten die Behörden auf einen Rettungsversuch. Auch eine Einschläferung wurde nach Rücksprache mit Tierärzten und Forschern verworfen.

Die Begründung: Bei Walen von mehr als vier Metern Länge sei ein solches Vorgehen weder ethisch noch sicher vertretbar. Deshalb lasse man das Tier am Strand in Ruhe, damit es friedlich sterben könne. Jede Annäherung von Menschen würde die Lage nur weiter verschlechtern, hieß es damals.

Grundsatz: Die Natur soll ihren Lauf nehmen

Buckelwale und andere große Meeressäuger werden an Dänemarks Küsten zwar immer wieder gesichtet, Strandungen sind dort aber vergleichsweise selten. Nach den Vorgaben des dänischen Umweltministeriums gilt grundsätzlich: Große gestrandete Meeressäuger werden weder aktiv gerettet noch getötet. Stattdessen soll die Natur ihren Lauf nehmen.

Ähnliche Fälle gibt es auch in Japan, wo an den Küsten ebenfalls immer wieder Wale stranden. 2023 sorgte ein rund acht Meter langer Wal in der Mündung des Yodo-Flusses in Osaka kurzzeitig für Aufsehen. Zahlreiche Schaulustige kamen an die Bucht, um das Tier zu sehen. Der Wal wurde jedoch zunehmend schwächer und starb schließlich. Eine Rettungsaktion fand nicht statt.

Oft geht es am Ende nur noch um die Beseitigung des Kadavers

Ein Jahr später verendete erneut ein Wal in der Bucht von Osaka, diesmal ein etwa 13 Meter langes Tier. Nach Angaben des örtlichen Hafenamts sterben Wale, die in diese Bucht geraten, praktisch immer. Ein Behördenvertreter erklärte, man könne letztlich nur im Voraus planen, wie die Kadaver entsorgt werden sollen.

Auch in Dänemark wurde im März über dieses Thema diskutiert, nachdem ein toter Pottwal an einen Strand in Nordjütland gespült worden war. Anwohner forderten laut der Nachrichtenagentur Ritzau, das Tier wegzuschaffen. Sie befürchteten, der Geruch könnte im Sommer Urlauber vertreiben. Die Umweltbehörde lehnte das jedoch ab: Der Kadaver könne Möwen und anderen Aasfressern noch als Nahrung dienen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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