Politik

US-Marine stoppt iranischen Frachter – Gespräche mit Teheran auf der Kippe

Kurz vor Auslaufen der Feuerpause im Iran-Krieg zeigt sich Trump zu neuen Verhandlungen bereit. Wenig später greift die US-Marine einen iranischen Frachter an. Was wird Teheran machen?

20.04.2026, 04:48 Uhr

Kurz nachdem US-Präsident Donald Trump seine Bereitschaft zu neuen Gesprächen mit Teheran signalisiert hatte, ist es auf See zu einer weiteren Zuspitzung gekommen: Das US-Militär brachte einen iranischen Frachter unter seine Kontrolle. Nach Darstellung Trumps auf Truth Social habe das Schiff versucht, die von den USA verhängte Seeblockade zu durchbrechen. Die iranischen Streitkräfte verurteilten den Einsatz laut Press TV als „bewaffnete Seepiraterie“ und kündigten eine baldige Reaktion an. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna sieht Teheran kurz vor dem Ende der Waffenruhe am Mittwoch derzeit keine realistische Grundlage für ernsthafte Verhandlungen. Präsident Massud Peseschkian beschuldigte Washington zudem, Vereinbarungen gebrochen zu haben.

Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom war der Frachter in Richtung Bandar Abbas unterwegs, einer wichtigen iranischen Hafenstadt an der Straße von Hormus. Zuvor hätten die USA bereits 25 Schiffe angewiesen, abzudrehen oder in iranische Häfen zurückzukehren. Der aktuelle Fall ist jedoch der erste bekannte, bei dem militärische Gewalt eingesetzt wurde. Die neue Eskalation ließ auch die Ölpreise erneut steigen.

Centcom erklärte, das Kriegsschiff USS Spruance habe die Besatzung des iranischen Frachters nach stundenlangen erfolglosen Warnungen aufgefordert, den Maschinenraum zu räumen. Anschließend sei der Antrieb des Schiffs außer Betrieb gesetzt worden. Der Frachter befinde sich nun unter Kontrolle der US-Marine. Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump angekündigt, amerikanische Vertreter würden noch am Abend zu Gesprächen nach Islamabad reisen. Ob der Iran daran teilnimmt, ist bisher offen.

Trump erhöht den Druck auf Teheran

Trump schrieb, die USA böten der iranischen Führung einen „sehr fairen und vernünftigen Deal“ an. Zugleich verschärfte er seinen Ton und drohte, bei einer Ablehnung sämtliche Kraftwerke und Brücken im Iran auszuschalten. Aus dem Weißen Haus erfuhr die dpa, dass Vizepräsident JD Vance, Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nach Islamabad reisen sollen. Laut Irna lehnt die iranische Führung jedoch ein zweites Treffen derzeit ab.

Als Gründe werden überzogene amerikanische Forderungen, ständige Kurswechsel in Washington und die fortgesetzte Blockade iranischer Häfen genannt. Auch die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete unter Berufung auf eine informierte Quelle, solange die US-Marine ihre Abriegelung vor der Straße von Hormus aufrechterhalte, werde es keine Gespräche geben. In den vergangenen Tagen habe es allerdings über Pakistan einen Austausch von Botschaften zwischen beiden Seiten gegeben.

Bericht: Sorge vor Täuschung und möglichem Angriff

Nach einem Bericht des US-Portals Axios vermuten iranische Regierungsvertreter, Trump könne die Aussicht auf ein Abkommen nutzen, um Teheran in Sicherheit zu wiegen. Demnach befürchten sie einen überraschenden Militärschlag der USA.

Peseschkian sagte laut seiner offiziellen Website in einem Telefonat mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, die anhaltenden „provokativen und illegalen“ Schritte der USA im Rahmen der Seeblockade stellten einen eindeutigen Verstoß gegen die auslaufende Waffenruhe dar. Zusammen mit Trumps Drohungen würden diese Maßnahmen das Misstrauen weiter vertiefen. Der Iran sei entschlossen, sich gegen ein „erneutes Abenteurertum“ der USA und Israels entschieden zu verteidigen.

Islamabad bereitet sich auf mögliche neue Gespräche vor

Von pakistanischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung für neue Verhandlungen in Islamabad. Kurz nach Trumps Ankündigung teilte das Außenministerium jedoch mit, Außenminister Ishaq Dar habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi betont, ein fortlaufender Dialog sei entscheidend, um die Spannungen schnell abzubauen und den Frieden in der Region zu stärken.

In Islamabad laufen nach Informationen vor Ort seit Tagen Vorbereitungen für eine neue Gesprächsrunde. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden sichtbar verschärft: Die sogenannte Rote Zone mit Botschaften und Regierungsgebäuden, in der bereits die erste Verhandlungsrunde stattfand, wurde erneut abgesperrt. Die vorangegangenen Gespräche eine Woche zuvor waren ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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