Aktivisten in Myanmar haben aus wachsender Besorgnis über das Schicksal von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi eine internationale Aktion gestartet. Unter dem Namen „Proof of Life“ fordern sie von der Militärjunta einen Nachweis, dass die entmachtete frühere Regierungschefin noch am Leben ist. In sozialen Netzwerken fand der Aufruf rasch viel Unterstützung.
Die Kampagne wurde von der Menschenrechtsgruppe „All in One Piece“ angestoßen. Rückendeckung kommt auch von Suu Kyis Sohn Kim Aris, der die Militärführung in Myanmar seit Monaten öffentlich drängt, Angaben zum Zustand seiner Mutter zu machen. Seit Jahren ist sie nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.
Ungewissheit über ihren Gesundheitszustand
Suu Kyi, die lange als Symbolfigur des Freiheitskampfes galt, wurde nach dem Militärputsch im Februar 2021 festgenommen. Später verurteilten die Machthaber sie wegen verschiedener Vorwürfe zu einer langen Haftstrafe. Wie und wo sie genau festgehalten wird und wie es um ihre Gesundheit steht, ist weiterhin unklar. Ihr Sohn sagte kürzlich dem Portal „Democratic Voice of Burma“ (DVB), viele Menschen glaubten irrtümlich, sie befinde sich weiterhin im Hausarrest, obwohl sie die gesamte Zeit im Gefängnis verbracht habe.
Schon im September hatte Kim Aris in einer Videobotschaft erklärt, seine Mutter leide unter zunehmenden Herzproblemen. Ob sie angemessen versorgt werde, wisse niemand. Das Vorgehen des Militärs bezeichnete er damals als grausam, lebensgefährlich und nicht hinnehmbar.
Bereits in früheren Jahren stand Suu Kyi insgesamt etwa 15 Jahre unter Hausarrest. Damals war sie in ihrer Villa in Yangon weitgehend isoliert, wurde international aber zum Sinnbild des gewaltlosen Widerstands gegen die Militärherrschaft.
Amnestie ohne Freilassung Suu Kyis
Erst vor Kurzem entließen die Behörden zum Neujahrsfest in Myanmar Tausende Häftlinge, darunter überraschend auch den früheren Präsidenten Win Myint. Zunächst wurde darüber spekuliert, ob auch Suu Kyi freikommen könnte. Dazu kam es jedoch nicht. Statt einer Begnadigung wurde ihre Strafe lediglich um einige Jahre verkürzt.
Die neue Kampagne setzt vor allem auf öffentlichen Druck. Unterstützer sollen ihre Forderung in sozialen Medien verbreiten und Regierungen weltweit auffordern, die Junta zu mehr Offenheit zu bewegen. Auch bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur machen mit. So veröffentlichte der Schauspieler Khar Ra ein Video mit der Frage: „Wo ist Aung San Suu Kyi? Lebt sie noch?“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion