Kurz vor dem Ende der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ist weiterhin unklar, ob die Verhandlungen fortgesetzt werden. Während beide Seiten zuletzt einen harten Ton anschlugen, gibt es widersprüchliche Signale über eine mögliche neue Gesprächsrunde in Pakistan.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hatte sich im US-Sender Fox News zwar optimistisch gezeigt und von der Aussicht auf ein „wirklich gutes Abkommen“ gesprochen. Nach ihrer Darstellung stehen die USA einer Einigung nahe. Auf iranischer Seite mehren sich jedoch die Hinweise, dass eine Fortsetzung der Gespräche derzeit nicht unmittelbar bevorsteht.
Iran: Keine Vertreter nach Islamabad gereist
Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens hat Teheran bislang weder Experten für vorbereitende Gespräche noch eine Hauptdelegation in die pakistanische Hauptstadt Islamabad entsandt. Damit bleibt kurz vor Auslaufen der Feuerpause offen, ob es überhaupt zu einer zweiten Verhandlungsrunde mit den USA kommt.
Dem Bericht zufolge betonten Regierungsvertreter, man werde nicht unter dem Schatten von „Drohungen und Vertragsbrüchen“ verhandeln. Eine weitere Gesprächsrunde hänge demnach davon ab, ob Washington von seinen bisherigen Positionen abrücke. Nähere Details wurden dazu nicht genannt.
Bereits zuvor hatte Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärt, Verhandlungen unter Drohungen werde er nicht akzeptieren. Nach der Feuerpause verfüge der Iran zudem über neue militärische Optionen.
Abreise der US-Delegation bleibt im Raum
Sollte bis Mittwochabend nach Washingtoner Zeit keine neue Vereinbarung zustande kommen, droht ein erneutes Aufflammen des Krieges. US-Präsident Donald Trump hatte für diesen Fall erneut mit massiven Angriffen gedroht. Die Unsicherheit, insbesondere rund um die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus, trieb zuletzt die Ölpreise nach oben. Auch in den USA liegen die Spritpreise auf einem hohen Niveau – im Wahljahr ein heikles Thema für Trump. Der Präsident betonte dennoch, er stehe nicht unter Druck, rasch einen Deal abzuschließen.
Die zweiwöchige Waffenruhe hatte Trump in der Nacht zum 8. April nach mitteleuropäischer Zeit angekündigt. Zunächst war vielfach angenommen worden, sie ende in der Nacht zu Mittwoch. Inzwischen nannte Trump jedoch den Mittwochabend in Washington als Frist. Wegen des Zeitunterschieds würde die Feuerpause im Iran damit erst in den frühen Stunden des Donnerstags auslaufen.
Trotz aller Zweifel über eine neue Verhandlungsrunde hieß es aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen zuletzt, die US-Delegation unter Leitung von Vizepräsident JD Vance könne „bald“ nach Islamabad aufbrechen. Die New York Times und CNN berichteten, das Team werde möglicherweise bereits am Dienstag erwartet. Ob es tatsächlich zu direkten Gesprächen kommt, ist nach den neuen Angaben aus Teheran aber offen.
Seeblockade in der Straße von Hormus bleibt Kernstreitpunkt
Ein zentraler Konfliktpunkt ist weiter die amerikanische Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen. Trump machte auf Truth Social deutlich, dass er daran festhalten wolle, bis eine Vereinbarung erreicht sei. Aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete dagegen, Teheran mache seine Teilnahme an weiteren Gesprächen von einer Aufhebung dieser Blockade abhängig.
Am Wochenende hatte sich der Streit um die Straße von Hormus zusätzlich verschärft. Der Iran kündigte am Freitag zunächst die Öffnung der Wasserstraße an, nahm diesen Schritt tags darauf aber wieder zurück. Als Grund wurde die fortbestehende US-Blockade gegen iranische Häfen und Schiffe genannt. Am Sonntag brachte die US-Marine dann einen iranischen Frachter unter ihre Kontrolle.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, eine Teilnahme an dem aus Sicht Teherans „von den USA inszenierten Schauspiel“ setze Vorbedingungen voraus. Dazu gehöre insbesondere ein Ende der Seeblockade in der Straße von Hormus.
Auch pakistanische Sicherheitskreise bestätigten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Blockade derzeit das größte Hindernis darstellt. Demnach soll Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, Trump in mehreren Telefonaten mitgeteilt haben, der Iran verlange die Aufhebung der US-Maßnahmen als Voraussetzung für eine zweite Verhandlungsrunde. Innerhalb von 36 Stunden soll Munir demnach dreimal mit Trump gesprochen haben.
Pakistan wirbt weiter für Verhandlungen
Pakistan bemüht sich unterdessen, den Iran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch zu bewegen. Die Außenminister beider Länder telefonierten am Montag bereits den zweiten Tag in Folge. Irans Außenminister Abbas Araghtschi warf Washington dabei erneut Provokationen, Drohungen und Verstöße gegen die Waffenruhe vor, schloss weitere Gespräche aber nicht grundsätzlich aus.
Zuvor hatte bereits der Sprecher des iranischen Außenministeriums erklärt, dass noch keine Entscheidung über neue Verhandlungen mit den USA gefallen sei. Ismail Baghai verwies darauf, dass Armeechef Munir bei einem Besuch in Teheran einen neuen amerikanischen Vorschlag überbracht habe. Dieser werde geprüft, eine neue Gesprächsrunde sei aber bislang nicht angesetzt.
EU-Außenminister beraten über Nahost
Die angespannte Lage im Nahen Osten ist am Dienstag auch Thema beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg. Dort soll vor allem beraten werden, wie die Europäische Union zu einer Entschärfung der Krise beitragen kann. Aus Deutschland wird Bundesaußenminister Johann Wadephul erwartet. Geleitet werden die Gespräche von EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion
Änderungsverlauf
- Neu aufgenommen wurde, dass laut iranischem Staatsfernsehen bislang weder Vorgesprächs-Experten noch eine Hauptdelegation nach Islamabad gereist sind.
- Ergänzt wurde die iranische Position, wonach Verhandlungen nicht unter dem Eindruck von Drohungen und Vertragsbrüchen geführt würden.
- Aktualisiert wurde, dass eine zweite Gesprächsrunde aus Sicht Teherans davon abhängt, ob die USA von ihren Positionen abrücken.
- Die Passage zur möglichen Reise der US-Delegation wurde eingeordnet: Trotz entsprechender Berichte bleibt nach den neuen Angaben aus Iran offen, ob direkte Gespräche tatsächlich stattfinden.