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Rettung des vor Poel festsitzenden Buckelwals weiter ungewiss

Seit Tagen laufen die Vorbereitungen für den Transport des Buckelwals zurück ins offene Meer. Der Wind wird stärker, der Wasserstand steigt. Vielleicht schwimmt der Wal sich selbst frei?

20.04.2026, 06:14 Uhr

Der Ausgang des geplanten Rettungseinsatzes für den vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestrandeten Buckelwal bleibt offen. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei in Wismar hat sich das Tier in der Nacht zwar leicht verlagert, befindet sich aber weiterhin nahezu an derselben Stelle. Während die private Rettungsinitiative zuletzt von guten Fortschritten sprach und im Zeitplan lag, äußerte sich ein Unterstützer der Aktion deutlich skeptischer.

Walter Gunz, Mitgründer von MediaMarkt und zusammen mit Unternehmerin Karin Walter-Mommert Finanzier des Einsatzes, sagte der dpa am Sonntag, der gestiegene Wasserstand mache das geplante Anbringen der Pontons und die vorgesehene Begleitung des Wals unmöglich. Am Vortag seien die Bedingungen noch passend gewesen, nun liege der Pegel jedoch rund 70 Zentimeter höher. Das verändere die Lage grundlegend.

Nach Einschätzung von Gunz nimmt der Wal wahr, dass er sich frei bewegen kann. Deshalb sei fraglich, ob sich das Tier überhaupt noch in der vorgesehenen Weise lenken lasse. Das über längere Zeit entwickelte Konzept könne unter den aktuellen Umständen nicht umgesetzt werden. Zusätzlich könnte auffrischender Wind die Arbeiten weiter erschweren.

Zugleich kritisierte Gunz bürokratische Abläufe, die den Einsatz seiner Ansicht nach um anderthalb bis zwei Tage verzögert hätten. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) wies diesen Vorwurf bei einem Statement auf Poel zurück. Die Behörden hätten schnell und flexibel reagiert, sagte er. Das Umweltministerium begleitet die Aktion nach eigenen Angaben eng und stimmt sich laufend mit den zuständigen Stellen ab.

Ursprünglicher Rettungsplan und möglicher Plan B

Nach dem ursprünglichen Konzept sollte eine Plane unter den vor Poel festsitzenden Buckelwal gezogen und an Pontons befestigt werden. Diese sollten dann von einem Schlepper an einem langen Seil in Richtung Nordsee und möglichst weiter in den Atlantik gezogen werden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit Donnerstag. Nach Behördenangaben befindet sich die Plane bereits im Wasser und ist für den Wal sichtbar. Außerdem wurde am Sonntag eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung des Tieres geschaffen, indem Schlick abgesaugt wurde.

Vertreter der Initiative berichteten zuvor von positiven Reaktionen und großer Lebenskraft des etwa zwölf Meter langen Meeressäugers. Sie halten es weiterhin für möglich, dass sich der Wal aus eigener Kraft befreien könnte. In diesem Fall soll ein alternativer Plan greifen: Boote der DLRG stehen bereit, um das Tier nach dem Freischwimmen zu begleiten und auf dem Weg in die Nordsee und weiter Richtung Atlantik zu lenken. Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem Aufenthaltsort des Wals vor Poel waren zuletzt DLRG-Boote unterwegs, die zugleich der Absicherung der Einsatzkräfte dienten.

Der Buckelwal hatte sich bereits zuvor einmal selbst befreien können, war danach jedoch erneut festgekommen.

Seit Wochen in der Ostsee unterwegs

Seit Anfang März ist der Wal immer wieder an der Ostseeküste gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und bei Steinbeck im Kreis Nordwestmecklenburg. Fachleuten zufolge hatte sich das Tier mehrfach in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer von Sea Shepherd konnten es von Teilen des Materials befreien. Vor Poel sitzt der Wal nun bereits zum dritten Mal fest.

Nach Messungen des Umweltministeriums ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Das geschwächte Tier liegt inzwischen seit 21 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.

Ministerium prüft GPS-Sender

Nahezu zeitgleich zur Pressekonferenz der privaten Initiative trat auch Umweltminister Backhaus vor die Presse. Seinen Worten zufolge geht es dem Wal den Umständen entsprechend "einigermaßen". Er lebe und atme, sagte der Minister. Betreut werde das Tier von insgesamt fünf Tierärzten, davon drei aus der privaten Initiative und zwei aus der staatlichen Veterinärverwaltung. Der Wal sende Signale, äußere Laute und zeige Reaktionen.

Für den Fall, dass das Tier befreit wird oder sich selbst lösen kann, wird nach Angaben von Backhaus auch der Einsatz eines GPS-Senders geprüft. Dieser könnte am Wal befestigt werden, um seinen Standort jederzeit verfolgen zu können. Das wäre hilfreich, weil der Wal auch für längere Zeit abtauchen könne und so Tag und Nacht begleitet werden müsste.

Tierärztin sieht ermutigende Zeichen

Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, zeigte sich mit Blick auf den Zustand des Wals vorsichtig optimistisch. Das Tier atme inzwischen deutlich tiefer ein, was sie als positives Signal wertete. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären habe sie den Wal untersucht. Dabei habe sich gezeigt, dass das Tier nicht im unmittelbaren Sterben liege.

Bedenken, wonach ein weiterer Rettungsversuch dem Wal zusätzlich schaden könnte, wies sie zurück. Ziel sei nicht, neues Leiden zu verursachen, sondern das Tier aus seiner ausweglosen Lage zu befreien.

Auch die Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies Bahr-van Gemmert zurück. Diese hätten den Wal nicht selbst vor Ort gesehen, sagte sie. Zuvor waren Wissenschaftler, Behördenexperten und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, das Tier brauche vor allem Ruhe und weitere Eingriffe könnten schwere Schäden verursachen. Nach ihrer Einschätzung ist der Buckelwal desorientiert, stark geschwächt und so beeinträchtigt, dass er eine Rückkehr in seinen natürlichen Lebensraum kaum schaffen dürfte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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