Zecken sind mehr als nur unangenehme Parasiten: Ihr Stich kann Krankheitserreger übertragen. Gerade im Frühjahr steigt das Risiko bei Ausflügen ins Grüne, bei der Gartenarbeit oder beim Spaziergang durch Wald und Park besonders an. Fachleute erklären, wann Zecken aktiv sind, welche Arten in Deutschland vorkommen und wie man sich wirksam schützt.
Gibt es eine typische Zeckenzeit?
Nach Einschätzung von Experten sind Zecken infolge milderer Temperaturen inzwischen fast das ganze Jahr über ein Thema. Solange kein Schnee liegt, müsse man grundsätzlich mit ihnen rechnen. Aktiv werden sie vor allem dann, wenn die Nächte frostfrei bleiben und die Temperaturen tagsüber über etwa 5 bis 7 Grad steigen.
Am häufigsten kommt in Deutschland der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) vor. Laut der Parasitologin Ute Mackenstedt ist diese Art der wichtigste Überträger von FSME und Lyme-Borreliose beim Menschen. Danach folgt die Auwaldzecke, die zwar gelegentlich ebenfalls FSME-Viren in sich tragen kann, Menschen aber deutlich seltener befällt.
Forscher sammeln und untersuchen Zecken regelmäßig im Freien. In Bayern wurden in diesem Jahr schon ab Mitte März zahlreiche Holzböcke gefunden, in besonders milden Jahren sogar bereits im Februar.
Die eigentliche Hochphase beginnt nach Angaben von Fachleuten mit steigenden Temperaturen und gleichzeitig noch recht hoher Luftfeuchtigkeit. Im Hochsommer ist der Holzbock dagegen weniger aktiv. Im Juli und August erreicht seine Aktivität nur einen Bruchteil dessen, was im Mai und Juni beobachtet wird.
Stechen nur ausgewachsene Zecken?
Zecken sind in jeder Entwicklungsphase auf Blut angewiesen – als Larven, Nymphen und erwachsene Tiere. Zwar können auch Larven Menschen stechen, das kommt jedoch eher selten vor. Zudem übertragen sie meist keine Krankheitserreger.
Die meisten Infektionen gehen von Nymphen und erwachsenen Zecken aus. Bei den ausgewachsenen Tieren sind es nur die Weibchen, die stechen, weil sie das Blut für die Eientwicklung benötigen. Weibchen sind etwa einen halben Zentimeter groß und rotbraun gefärbt. Männchen bleiben kleiner und sind dunkel bis schwarz. Nymphen sind mit weniger als einem Millimeter noch deutlich schwerer zu entdecken.
Warum gelten Zecken als besonders widerstandsfähig?
Zecken gehören zu den erfolgreichsten Überlebenskünstlern der Natur. Bernsteinfunde deuten darauf hin, dass es sie schon seit mehr als 300 Millionen Jahren gibt. Vermutlich saugten sie bereits Blut an Dinosauriern.
Hinzu kommt ihre enorme Widerstandskraft: Ein erwachsener Holzbock kann ein bis zwei Jahre ohne Blutmahlzeit auskommen. Viele Arten überstehen außerdem extreme Temperaturen.
Dass Zecken oft unbemerkt bleiben, liegt auch an ihrem Speichel. Dieser enthält Stoffe, die Schmerzen dämpfen, die Blutgerinnung hemmen und die Immunabwehr beeinflussen. So können die Tiere lange am Körper haften und größere Mengen Blut aufnehmen.
Wie gelangen FSME und Borreliose zum Menschen?
Zecken infizieren sich, wenn sie Blut von bereits befallenen Wirten wie kleinen Nagetieren oder Vögeln aufnehmen. Die Erreger oder Viren verbleiben dann im Körper der Zecke und können beim nächsten Stich auf den Menschen übergehen.
Menschen gelten dabei als sogenannter Fehlwirt. Die Krankheitserreger sind im Laufe der Evolution gut an ihre eigentlichen Wirte angepasst und schaden diesen meist nicht in gleicher Weise.
Die Lyme-Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit in Deutschland, FSME steht an zweiter Stelle. Nach Daten des Robert Koch-Instituts wurden in diesem Jahr bis zum 13. April 918 Borreliose-Fälle und 11 FSME-Fälle registriert.
Beide Erkrankungen werden überwiegend durch den Stich infizierter Zecken übertragen. FSME-Viren können in seltenen Fällen jedoch auch über Rohmilch infizierter Ziegen oder Schafe weitergegeben werden. In Deutschland spielt das nur eine geringe Rolle.
Allerdings trägt nicht jede Zecke Krankheitserreger in sich. Borrelien kommen bei Zecken vergleichsweise häufig vor, FSME-Viren deutlich seltener. Zecken mit FSME-Erregern treten oft nur in sehr begrenzten Gebieten auf, manchmal auf Flächen, die kaum größer als ein Fußballfeld sind.
Wie kann man sich schützen?
Empfohlen wird lange und möglichst helle Kleidung, auf der sich Zecken leichter erkennen lassen. Sinnvoll ist es auch, die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Zusätzlich können Zeckenschutzmittel auf Kleidung und unbedeckter Haut helfen.
Nach Aufenthalten im Grünen sollte der Körper gründlich abgesucht werden. Zecken stechen meist nicht sofort, sondern suchen oft erst zwei bis vier Stunden lang nach einer geeigneten Stelle. Auch das Eindringen in die Haut und das feste Verankern mit den Mundwerkzeugen dauert etwas.
Wer eine Zecke entdeckt, sollte sie deshalb rasch entfernen. Das kann vor allem das Risiko einer Borreliose-Infektion senken. Denn die Borrelien sitzen zunächst im Darm der Zecke und werden in der Regel erst nach längerer Saugzeit – meist nach ungefähr 24 Stunden – übertragen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion