Die Rettung des vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwals könnte bald in eine entscheidende Phase gehen. Nach Angaben der privaten Initiative verläuft die Vorbereitung bislang planmäßig. Rechtsanwältin Constanze von der Meden sagte, das Tier habe am Morgen sehr positiv reagiert und noch viel Kraft gezeigt. Deshalb werde auch nicht ausgeschlossen, dass sich der etwa zwölf Meter lange Wal selbst befreien kann. Für diesen Fall gibt es bereits eine Ausweichstrategie.
DLRG-Boote stehen für «Plan B» bereit
Sollte der Meeressäuger aus eigener Kraft losschwimmen, sollen Boote der DLRG ihn begleiten und in die richtige Richtung lotsen. Nach Angaben der Initiative ist sichergestellt, dass das Tier notfalls bis in die Nordsee und weiter Richtung Atlantik geführt werden kann. In den nächsten Stunden könnte der Wasserstand zudem um 50 bis 60 Zentimeter steigen, was die Chancen auf ein Freikommen verbessern würde. Bereits früher hatte sich der Wal schon einmal selbst gelöst, war dann jedoch erneut in flachem Wasser festgekommen.
Die Rettungsaktion wird privat finanziert, unter anderem von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns verfolgt den Einsatz und stimmt ihn eng mit den zuständigen Behörden ab.
Seit 20 Tagen in der Wismarbucht
Der aktuelle Plan sieht vor, unter dem Buckelwal eine Plane zu platzieren, die zwischen zwei Pontons befestigt ist. Mit dieser Konstruktion soll das Tier aus dem flachen Gebiet gehoben und anschließend in Richtung Nordsee transportiert werden. Die Pontons sollen von einem Schlepper mit langer Leine gezogen werden. Nach Behördenangaben befindet sich die dafür vorgesehene Netzplane bereits im Wasser und in Sichtweite des Tieres.
Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Das geschwächte Tier liegt seit inzwischen 20 Tagen in der Wismarbucht nahe der Insel Poel.
Zwischen dem Hafen Kirchdorf und dem Aufenthaltsort des Wals waren mehrere DLRG-Boote im Einsatz. Sie dienen auch dem Schutz des Personals vor Ort. Insgesamt stehen fünf Boote, ein Jet-Ski und rund 20 Einsatzkräfte der DLRG bereit. Allerdings nimmt der Wind zu, was die Bergung zusätzlich erschweren könnte.
GPS-Sender wird geprüft
Nahezu zeitgleich informierte auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) über die Lage. Seinen Worten nach geht es dem Wal den Umständen entsprechend "einigermaßen" gut. "Er lebt, er atmet", sagte der Minister. Das Tier werde von insgesamt fünf Tierärzten betreut – drei aus der privaten Initiative und zwei aus der staatlichen Veterinärverwaltung. Backhaus erklärte, der Wal reagiere, gebe Laute von sich und zeige Aktivität.
Falls das Tier befreit werden kann oder sich selbst löst, wird außerdem geprüft, ihm einen GPS-Sender anzubringen. Ein solcher Sender könnte helfen, den Wal auch bei längeren Tauchphasen lückenlos zu verfolgen. So könnte seine Route Tag und Nacht überwacht werden.
Tierärztin sieht ermutigende Zeichen
Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, äußerte sich optimistisch zum Zustand des Buckelwals. Das Tier atme inzwischen deutlich tiefer ein, was sie als positives Signal wertete. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären habe sie den Wal untersucht. Dabei sei klar geworden, dass es sich nicht um ein Tier handle, das bereits im Sterben liege.
Den Einwand, ein Rettungsversuch könne dem Wal zusätzlich schaden, wies sie zurück. Ziel sei es nicht, weiteres Leid zu verursachen, sondern das Tier aus seinem "Gefängnis" zu holen. Bahr-van Gemmert sagte, die Helfer hätten insgesamt ein gutes Gefühl. Auch auf den eingesetzten Saugbagger reagiere der Wal nicht stärker als auf die Menschen vor Ort. Ihrer Einschätzung nach nehme das Tier wahr, dass ihm geholfen werden solle.
Zugleich wies sie Kritik aus Wissenschaft und Fachkreisen zurück. Diese Stimmen hätten den Wal nicht selbst vor Ort gesehen. Zuvor waren Experten aus Behörden, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass das Tier vor allem Ruhe brauche und weitere Eingriffe große Schäden verursachen könnten. Ihrer Einschätzung nach ist der Buckelwal desorientiert sowie so geschwächt, dass er die Rückkehr in den Atlantik möglicherweise nicht überstehen würde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion