Apple steht vor einem bedeutenden Wechsel an der Unternehmensspitze: Nach 15 Jahren als Konzernchef gibt Tim Cook den Posten ab. Neuer CEO wird John Ternus, bisher verantwortlich für die Hardware-Sparte. Cook soll künftig den Vorsitz im Verwaltungsrat übernehmen. Der Führungswechsel ist für den 1. September vorgesehen.
Der 50-jährige Ternus galt schon seit Längerem als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Cooks. Uneinigkeit gab es zuletzt vor allem über den genauen Zeitpunkt. Mit dem nun feststehenden Termin könnte Ternus bereits im September als neuer Apple-Chef ein faltbares iPhone vorstellen, über das seit geraumer Zeit spekuliert wird.
Kurssetzung für das KI-Zeitalter
Die Entscheidung für Ternus hat auch strategische Bedeutung. Cook war Ende der 1990er Jahre von Steve Jobs vor allem wegen seiner Expertise in Lieferketten und Betriebsabläufen zu Apple geholt worden. Er stand später vor allem für Stabilität und effiziente Führung eines riesigen Konzerns. Ternus dagegen ist klar technikorientiert und war maßgeblich an der Entwicklung zahlreicher Apple-Produkte beteiligt.
Dass Apple sich für Ternus und nicht für Softwarechef Craig Federighi entschieden hat, wird als Signal gewertet: Der Konzern will auch im beginnenden KI-Wettbewerb seine starke Hardware-Ausrichtung beibehalten. Konkurrenten wie Google und Samsung setzen bereits offensiv auf neue KI-Funktionen in ihren Smartphones. Apple hingegen hatte bislang Schwierigkeiten, eine schon für 2024 angekündigte, KI-gestützte Version von Siri auf den Markt zu bringen.
Dem Verkaufserfolg schadete das bislang kaum. Im vergangenen Jahr überholte Apple mit dem iPhone den langjährigen Smartphone-Marktführer Samsung.
Branchenanalyst Dan Ives sagte bei CNBC, Cooks Bereitschaft zum Rückzug deute darauf hin, dass Apple die aktuellen KI-Herausforderungen aus seiner Sicht unter Kontrolle habe. Gleichzeitig wachse an der Börse der Druck, eine überzeugende KI-Strategie vorzulegen.
Starkes Wachstum in der Cook-Ära
Während Cooks Zeit an der Spitze weitete Apple sein Geschäft deutlich aus. Das Unternehmen brachte unter anderem die Apple Watch und ein Headset auf den Markt und steigerte seine Einnahmen mit iPhones, Macs und weiteren Geräten erheblich. Gleichzeitig beendete Cook nach hohen Investitionen das Elektroauto-Projekt des Konzerns.
Die wirtschaftliche Entwicklung unter seiner Führung war beachtlich: Im Geschäftsjahr 2011, als Cook kurz vor dem Tod von Steve Jobs die Leitung übernahm, erzielte Apple knapp 26 Milliarden Dollar Gewinn bei einem Umsatz von gut 108 Milliarden Dollar. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Gewinn bei 112 Milliarden Dollar, der Umsatz bei rund 416 Milliarden Dollar. An der Börse wird Apple inzwischen mit mehr als vier Billionen Dollar bewertet.
Analyst Ives erwartet, dass Ternus zunächst mit gewisser Skepsis betrachtet wird, da er die Nachfolge eines der erfolgreichsten Konzernlenker der Gegenwart antritt. Zugleich erinnerte er daran, dass es auch bei Cook anfangs Zweifel gegeben habe, weil dieser weder als großer Produktvisionär noch als charismatische Kultfigur wie Jobs galt. Dennoch habe er Apple wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich geführt.
Cook bleibt für politische Kontakte wichtig
Zu Cooks Aufgaben gehörte zuletzt auch die Pflege der Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Bei einem gemeinsamen Termin überreichte Cook dem Präsidenten unter anderem eine Glasplakette mit goldenem Sockel. Das stieß bei manchen Apple-Anhängern und auch innerhalb der Belegschaft auf Kritik.
Gleichzeitig zeigte sich gerade in Trumps zweiter Amtszeit mit ihren teils sprunghaft wirkenden Entscheidungen etwa zu Importzöllen, wie wichtig für ein US-Unternehmen ein funktionierendes Verhältnis zum Weißen Haus ist. Cook gelang es unter anderem, Forderungen nach einer schnellen Verlagerung der iPhone-Produktion in die USA abzuschwächen.
Apple teilte mit, dass Cook auch künftig politische Kontakte rund um den Globus pflegen soll. Damit dürfte er Ternus den sensiblen Umgang mit Regierungen und insbesondere mit Washington weitgehend abnehmen.
Nachfolger aus den eigenen Reihen
Mit Ternus setzt Apple erneut auf eine interne Lösung. Unter seiner Verantwortung entstanden in den vergangenen Jahren unter anderem besonders kompakte Produkte wie die AirPods sowie leistungsfähigere Gerätegenerationen. Technologie-Analyst Patrick Moorhead bezeichnete ihn als einen "Kandidaten der Kontinuität". Die Apple-Aktie reagierte nachbörslich mit einem leichten Minus von 0,5 Prozent.
Ternus‘ bisherigen Posten als Hardware-Chef übernimmt Johny Srouji, der bislang die Chipentwicklung leitete. Dank der eigenen Prozessoren konnte Apple Intel aus den Mac-Computern verdrängen. Die hauseigenen Chips verbesserten unter anderem Laufzeiten und sorgten für eine engere technische Verzahnung zwischen Macs und iPhones.
Dass für Srouji eigens der Titel Chief Hardware Officer geschaffen wurde, deutet darauf hin, dass er weiterhin die Verantwortung für die Chipentwicklung tragen und zugleich zusätzliche Bereiche der Geräte-Technik übernehmen wird.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion