Der frühere Formel-1-Fahrer und spätere Paralympics-Sieger Alessandro Zanardi ist tot. Das teilte seine Familie mit. Der Italiener starb am 1. Mai 2026 im Alter von 59 Jahren. In der Mitteilung hieß es: „Alex ist friedlich eingeschlafen, umgeben von der Zuneigung seiner Angehörigen.“
In seiner Gegenwart, so beschrieben es viele Weggefährten, schienen Klagen an Bedeutung zu verlieren. Zanardi galt als außergewöhnlicher Optimist, selbst in schwersten Lebenslagen. Für viele wurde er zum Sinnbild des Nicht-Aufgebens. Bezeichnend dafür war auch der Titel einer Dokumentation über ihn: „Keine Grenzen – Unmöglich ist nur ein Wort“.
Von den Folgen seines schweren Handbike-Unfalls im Jahr 2020 hatte sich Zanardi nie mehr erholt. Sein Tod löste weit über den Motorsport hinaus große Bestürzung aus.
Formel 1 und Sportwelt würdigen Zanardi
Die Formel 1 bezeichnete Zanardi als einen „Helden größten Kalibers“. Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali würdigte seinen Landsmann als Menschen, der selbst vor Herausforderungen, an denen andere zerbrochen wären, nie den Blick nach vorn verloren habe – immer mit einem Lächeln und außergewöhnlicher Entschlossenheit. Sein Vermächtnis, so Domenicali, bleibe bestehen.
Auch BMW, für das Zanardi häufig fuhr und später als Markenbotschafter tätig war, reagierte mit großer Trauer. Der Autobauer nannte ihn einen wundervollen Menschen, unerschütterlichen Optimisten und eine Inspiration für viele Menschen weltweit.
Italiens Politik zeigte sich ebenfalls tief bewegt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete Zanardi als außergewöhnlichen Menschen, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion in Mut, Stärke und Würde verwandelt habe. Mit seiner Haltung und Menschlichkeit habe er vielen Hoffnung gegeben.
Neben zahlreichen Wegbegleitern kondolierten auch Spitzenclubs wie Inter Mailand und Juventus Turin. Die Gazzetta dello Sport schrieb über Zanardi als den Rennfahrer und Paralympioniken, der Italien gelehrt habe, niemals aufzugeben.
Mehr als 40 Formel-1-Rennen
Zanardi bestritt zwischen 1991 und 1999 mehr als 40 Rennen in der Formel 1. Er fuhr unter anderem für Lotus und Williams. Sein Debüt in der Königsklasse gab er in der Schlussphase der Saison 1991. Nach seinem vorläufigen Abschied Ende 1994 kehrte er 1999 noch einmal für eine Saison zurück. Bei Williams war er damals Teamkollege von Ralf Schumacher.
Die Nachricht von seinem Tod erreichte die Formel 1 in der Nacht in Miami, wo an diesem Wochenende ein Sprintrennen und die Qualifikation anstehen. In Italien war die Anteilnahme besonders groß – auch, weil sein Tod ausgerechnet am 1. Mai bekannt wurde, dem Todestag von Ayrton Senna, der 1994 in Imola verunglückte.
Horrorunfall auf dem Lausitzring veränderte sein Leben
Nach dem Ende seiner Formel-1-Karriere nahm Zanardis Leben 2001 eine dramatische Wendung. Am 15. September verunglückte er in der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring in Brandenburg schwer. Nach einem Dreher auf der Strecke raste ein Konkurrent in sein Auto – ein Horrorcrash, dessen Bilder um die Welt gingen.
Der Italiener überlebte nur knapp. Auf dem Hubschrauberflug in ein Notfallkrankenhaus nach Berlin musste er Berichten zufolge siebenmal wiederbelebt werden. Er hatte enorme Mengen Blut verloren. Infolge des Unfalls mussten ihm beide Beine amputiert werden.
Beeindruckende Rückkehr in den Spitzensport
Doch auch dieser Schicksalsschlag stoppte ihn nicht. Nach langer Reha kehrte Zanardi in den Rennsport zurück. Nur zwei Jahre nach dem Lausitzring-Unfall saß er wieder in einem für ihn umgebauten Rennwagen. In der DTM feierte er später vier Siege.
Noch beeindruckender war sein Weg im Parasport. Zanardi wechselte in den Radsport und wurde mit dem Handbike zu einem der erfolgreichsten Athleten seiner Disziplin. Bei den Paralympics in London 2012 und Rio de Janeiro 2016 gewann er insgesamt vier Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen. 2014 und 2015 finishte er zudem bei der Ironman-WM auf Hawaii. 2019 startete er auch bei den legendären 24 Stunden von Daytona.
Weiterer schwerer Unfall 2020 in der Toskana
Doch auch später blieb Zanardi von weiteren Rückschlägen nicht verschont. Bei einem Benefizrennen in der Toskana verlor er 2020 auf einer abschüssigen Straße bei Pienza mit seinem Handbike die Kontrolle, geriet auf die Gegenseite und kollidierte mit einem Lastwagen. Dabei erlitt er schwerste Kopf- und Gesichtsverletzungen. Ärzte sprachen damals von einer heiklen neurochirurgischen Operation.
Seine Frau sagte 2021, dass Zanardi zwar mit der Familie kommunizieren könne, aber nicht sprechen könne. In Armen und Händen habe er jedoch noch viel Kraft gehabt. Vollständig erholt hat er sich von dem Unfall nicht mehr.
Mit Alessandro Zanardi verliert der Sport eine der inspirierendsten Persönlichkeiten seiner Zeit – einen Mann, der nach schwersten Rückschlägen immer wieder neu begann und für viele Menschen zum Symbol von Mut, Würde und unerschütterlicher Willenskraft wurde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion