Kurz vor dem Ende der Feuerpause im Krieg mit dem Iran hat US-Präsident Donald Trump neue Verhandlungen in Aussicht gestellt. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, US-Unterhändler würden am Montagabend in Islamabad eintreffen. Ob auch Vertreter aus Teheran in die pakistanische Hauptstadt reisen, blieb zunächst offen.
Trump sprach von einem aus Sicht der USA „sehr fairen und vernünftigen“ Angebot an den Iran und äußerte die Hoffnung, dass Teheran darauf eingehen werde. Zugleich verschärfte er den Ton und drohte erneut mit massiven Angriffen auf die Infrastruktur des Landes, sollte es keine Einigung geben.
Nach Informationen aus dem Weißen Haus reisen Vizepräsident JD Vance, Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nach Islamabad.
Lage in der Straße von Hormus spitzt sich zu
Zusätzlichen Druck erzeugt die erneut geschlossene Straße von Hormus. Iranische Streitkräfte gehen dort inzwischen wieder gegen Schiffe vor, die die Meerenge passieren wollen. Teheran begründet dies mit der US-Blockade iranischer Häfen sowie von Schiffen, die diese anlaufen oder verlassen möchten. Trump wirft dem Iran dagegen einen schweren Verstoß gegen die Waffenruhe vor.
Teheran sieht weiter große Differenzen
Noch vor Trumps Vorstoß hatte die iranische Führung betont, dass es weiterhin erhebliche Hindernisse für eine Einigung gebe. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sagte der Nachrichtenagentur Tasnim, es habe zwar Fortschritte gegeben, doch zwischen beiden Ländern bestehe nach wie vor eine große Kluft. Einige Streitfragen seien geklärt, andere aber weiter offen. Von einem endgültigen Abkommen sei man noch weit entfernt.
Zugleich bekräftigte Ghalibaf, der Iran kontrolliere den gesamten Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Kurz zuvor hatte das iranische Militär die erst am Freitag verkündete Öffnung der für den weltweiten Ölhandel zentralen Passage wieder zurückgenommen.
Beschuss auf Handelsschiffe sorgt für Proteste
Nach der erneuten Sperrung gingen iranische Einheiten mit Waffengewalt gegen Schiffe vor, die die Meerenge trotzdem nutzen wollten. Wegen des mutmaßlichen Beschusses von zwei unter indischer Flagge fahrenden Frachtern bestellte das Außenministerium in Neu-Delhi den iranischen Botschafter ein. Indien habe seine tiefe Sorge über den Vorfall übermittelt.
Zuvor hatte der Dienst TankerTrackers.com unter Berufung auf maritime Notrufmeldungen berichtet, dass iranische Revolutionsgarden zwei Schiffe in der Meerenge gewaltsam zurückgedrängt hätten. Darunter soll sich auch ein Supertanker befunden haben, der zwei Millionen Barrel irakisches Rohöl geladen hatte.
Die Wasserstraße war nach ihrer überraschenden Freigabe am Freitag nicht einmal 24 Stunden lang offen. In diesem kurzen Zeitfenster nutzten nur wenige Schiffe die Route, da die Sicherheitslage als zu unberechenbar gilt. Der Verband Deutscher Reeder erklärte, ohne verlässliche Sicherheitsgarantien könne es keine dauerhafte Normalisierung des Schiffsverkehrs in dieser für den Welthandel wichtigen Region geben.
Mehrere im Persischen Golf festliegende Kreuzfahrtschiffe konnten die Straße von Hormus inzwischen dennoch passieren und befinden sich nun ohne Passagiere auf dem Weg nach Europa. Dazu zählen die „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ von TUI Cruises sowie die „MSC Euribia“.
Huthi-Miliz droht mit weiterer Eskalation
Auch die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen verschärften ihre Rhetorik. Der hochrangige Huthi-Vertreter Hussein al-Essi stellte neue Angriffe auf Handelsschiffe in Aussicht und brachte zudem eine mögliche Blockade der Meerenge Bab al-Mandab ins Spiel. Diese Seeverbindung ist für den Zugang vom Indischen Ozean zum Suezkanal und weiter nach Europa von zentraler Bedeutung.
Islamabad bereitet sich auf neue Gesprächsrunde vor
Von der pakistanischen Regierung gab es zunächst keine offizielle Bestätigung zu neuen Gesprächen in Islamabad. Kurz nach Trumps Ankündigung teilte das Außenministerium jedoch mit, Außenminister Ishaq Dar habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi die Bedeutung eines fortlaufenden Dialogs betont. Nur so könnten die Spannungen rasch abgebaut und Frieden sowie Stabilität in der Region gefördert werden.
In Islamabad laufen bereits seit Tagen Vorbereitungen für mögliche neue Verhandlungen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden sichtbar verschärft: Die sogenannte Rote Zone mit Botschaften und Regierungsgebäuden, in der schon die erste Gesprächsrunde stattfand, wurde erneut abgeriegelt. Frühere Verhandlungen waren eine Woche zuvor ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen.
Am 28. Februar hatten die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen. Teheran reagierte mit Raketenangriffen auf Ziele in Israel und in der Golfregion. Die vereinbarte Waffenruhe hält bislang. Seit Freitag gilt zudem im Libanon eine Feuerpause zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz, die am kommenden Wochenende ausläuft.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion