Der Iran hat den USA mit einer erneuten Schließung der Straße von Hormus gedroht, falls die amerikanische Blockade iranischer Häfen fortgesetzt wird. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf X, bei einer Fortsetzung der Maßnahmen werde die wichtige Wasserstraße nicht offen bleiben. Zugleich betonte er, die Passage durch die Meerenge erfolge auf einer vom Iran festgelegten Route und nur mit iranischer Zustimmung.
Scharfe Reaktionen aus Teheran
Nach wochenlangen Einschränkungen infolge des Kriegs hatte die Führung in Teheran zuletzt erklärt, dass Öltanker und Handelsschiffe während der geltenden Waffenruhe wieder durchfahren könnten. Die USA wollen ihre Seeblockade jedoch beibehalten. Präsident Donald Trump stellte klar, dass diese weiterhin für Schiffe mit Start- oder Zielhafen im Iran gelte und erst mit einem vollständigen Abschluss der Vereinbarungen mit Teheran aufgehoben werde. Im Iran stieß das auf heftige Kritik.
Außenamtssprecher Ismail Baghai bezeichnete die sogenannte Seeblockade laut der Agentur Tasnim als Verstoß gegen die Waffenruhe und kündigte eine angemessene Reaktion an. Ghalibaf wies zudem Trumps Darstellung zurück und sagte, über Öffnung, Schließung und Regeln in der Straße von Hormus werde vor Ort entschieden – nicht in sozialen Netzwerken.
Neue Gespräche über Waffenruhe und Atomstreit
Unter Vermittlung Pakistans laufen derzeit Bemühungen, die zunächst bis Mittwoch vereinbarte Feuerpause zu verlängern und zugleich Fortschritte im Streit um das iranische Atomprogramm zu erzielen. Trump zeigte sich optimistisch und sagte, in den nächsten Tagen könne ein Abkommen zustande kommen. Die Gespräche würden über das Wochenende fortgesetzt.
US-Medien zufolge könnte es am Montag in Islamabad zu einer weiteren Verhandlungsrunde kommen. Die erste Gesprächsrunde am vergangenen Wochenende hatte noch kein greifbares Ergebnis gebracht. Pakistan bereitet sich aber bereits auf neue Treffen vor: Medienregistrierungen laufen, zusätzliches Sicherheitspersonal wurde in die Hauptstadt verlegt. Aus dem Weißen Haus hieß es dagegen, ein genauer Termin sei noch nicht festgelegt.
Streit um Irans Uranvorräte
Trump erklärte weiter, er sehe nicht allzu viele grundlegende Differenzen zwischen beiden Seiten. Einer der wichtigsten Streitpunkte bleibt allerdings der Umgang mit Irans hoch angereichertem Uran. Dem Sender CBS sagte Trump in einem Telefoninterview, die USA wollten gemeinsam mit dem Iran daran arbeiten, die Uranvorräte zu bergen und in die Vereinigten Staaten zu bringen.
Teheran wies das entschieden zurück. Baghai stellte klar, ein Transfer von Uran in die USA sei nie eine Option gewesen und habe auch nie zur Debatte gestanden. Trump hielt dem auf Truth Social entgegen, die USA würden Irans Uran erhalten, ohne dass dafür Geld fließe.
Zuvor hatte das Portal Axios berichtet, in den Verhandlungen werde unter anderem diskutiert, ob die USA eingefrorene iranische Gelder in Höhe von 20 Milliarden Dollar freigeben könnten. Im Gegenzug solle der Iran seinen Bestand an hoch angereichertem Uran aufgeben.
Bedingungen Teherans für eine Einigung
Nach Darstellung iranischer Staatsmedien bekräftigte Baghai, das angereicherte Uran werde das Land nicht verlassen. Zugleich ließ er erkennen, dass Teheran bei Wahrung eigener Interessen grundsätzlich offen für eine Einigung sei. Entscheidend seien aus iranischer Sicht vor allem die Aufhebung von Sanktionen und ein Ausgleich für die Kriegsschäden.
Trump: Seeminen werden geräumt
Trump erklärte außerdem, die mutmaßlich vom Iran in der Meerenge ausgelegten Seeminen seien bereits entfernt worden oder würden derzeit geräumt. Auf Truth Social schrieb er, der Iran habe mit Hilfe der USA sämtliche Minen beseitigt oder sei dabei. Experten gehen von mehreren Dutzend Minen aus, die vor rund einem Monat südlich iranischer Gewässer verlegt worden sein sollen. Teheran selbst hat einen solchen Einsatz allerdings nie bestätigt.
Hunderte Schiffe weiterhin im Persischen Golf fest
Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe am 28. Februar hatte der Iran die Straße von Hormus blockiert. Außenminister Abbas Araghtschi kündigte nun an, Handelsschiffe und Öltanker vorerst wieder passieren zu lassen. Ob dafür eine Art Gebühr verlangt werden könnte, ließ er offen.
Welche praktischen Folgen die Ankündigung für die Schifffahrt hat, ist noch unklar. Nach wie vor liegen Hunderte Tanker und Frachtschiffe im Persischen Golf fest. Der Konflikt um die strategisch wichtige Meerenge hat die Energiepreise weltweit steigen lassen.
USA lockern Sanktionen auf russisches Öl erneut
Zur Beruhigung der internationalen Energiemärkte haben die USA unterdessen ihre Sanktionen auf russisches Öl erneut zeitlich begrenzt gelockert. Wie eine Behörde des Finanzministeriums mitteilte, bleiben Verkauf und Lieferung von russischem Öl, das bis in der Nacht auf Freitag auf Schiffe verladen wurde, bis zur Nacht zum 16. Mai nach US-Ostküstenzeit von den amerikanischen Verboten ausgenommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion