Der Iran hat den USA mit einer erneuten Sperrung der Straße von Hormus gedroht, falls Washington seine Seeblockade gegen iranische Häfen nicht beendet. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf der Plattform X, dass die Meerenge unter diesen Bedingungen nicht offen bleiben werde. Zugleich betonte er, die Passage durch die strategisch wichtige Wasserstraße erfolge nur auf einer vom Iran festgelegten Route und mit iranischer Zustimmung.
Nach mehreren Wochen Blockade infolge des Kriegs hatte Teheran zuletzt angekündigt, während der aktuellen Waffenruhe wieder Öltanker und Handelsschiffe durchfahren zu lassen. Die USA halten jedoch an ihrer eigenen Blockade fest, die laut Präsident Donald Trump ausschließlich Schiffe mit Start- oder Zielhafen im Iran betrifft. Diese Maßnahme solle erst nach einem vollständigen Abschluss der Vereinbarungen mit Teheran aufgehoben werden. In der iranischen Führung stieß diese Haltung auf scharfe Kritik.
Deutliche Warnungen aus Teheran
Auch das iranische Außenministerium verschärfte den Ton. Sprecher Ismail Baghai erklärte laut der Nachrichtenagentur Tasnim, die amerikanische Seeblockade verstoße gegen die Waffenruhe und werde eine angemessene Reaktion des Iran nach sich ziehen. Ghalibaf wies zudem Trumps Darstellungen zurück und erklärte, über Öffnung oder Schließung der Meerenge werde vor Ort entschieden und nicht über soziale Netzwerke. Falsche Behauptungen würden auch laufende Gespräche nicht voranbringen.
Kaum Bewegung im Schiffsverkehr
Von einer Entspannung auf der wichtigen Schifffahrtsroute ist bislang wenig zu sehen. Nach Angaben von Datenanbietern und Branchenbeobachtern bleibt der Verkehr in der Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt. CNN berichtete unter Berufung auf Verkehrsdaten, dass seit der offiziellen Freigabe durch Teheran am Freitag nur fünf Frachtschiffe und ein leeres Kreuzfahrtschiff die Meerenge passiert hätten. Öltanker seien bislang nicht durchgefahren.
Der Schifffahrtsexperte John-Paul Rodriguez von der Texas A&M University sagte Al Jazeera, einige Schiffe hätten zwar versucht, die Route zu nutzen, viele würden jedoch wieder umkehren, weil die Lage weiterhin unklar sei. Der Analysedienst Kpler erklärte zudem auf X, dass es Monate dauern könne, bis sich der Verkehr normalisiere und Versicherer wieder Vertrauen in die Passage fassten.
Neue diplomatische Bemühungen vor Ablauf der Feuerpause
Parallel dazu laufen diplomatische Gespräche, um die zunächst bis Mittwoch befristete Waffenruhe zu verlängern und gleichzeitig Fortschritte im Streit um das iranische Atomprogramm zu erzielen. Pakistan vermittelt dabei zwischen den Parteien. Trump zeigte sich zuversichtlich und sagte, die Gespräche würden über das Wochenende fortgesetzt. Medienberichten aus den USA zufolge könnte bereits am Montag in Islamabad eine weitere Verhandlungsrunde stattfinden.
Eine erste Gesprächsrunde in der pakistanischen Hauptstadt war am vergangenen Wochenende ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Pakistan bereitet sich dennoch auf weitere Treffen vor. Medienregistrierungen laufen bereits, und zusätzliches Sicherheitspersonal wurde in die Stadt verlegt. Aus dem Weißen Haus hieß es dagegen, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen und ein fester Termin stehe bisher nicht fest.
Streitpunkt Uran bleibt ungelöst
Trump räumte ein, dass es weiterhin Differenzen mit dem Iran geben könnte, spielte diese aber herunter. Einer der wichtigsten Konfliktpunkte bleibt der Umgang mit iranischem hoch angereichertem Uran. Nach einem Bericht von CBS News sagte Trump in einem Telefoninterview, die USA wollten gemeinsam mit dem Iran dessen Uranbestände bergen und anschließend in die Vereinigten Staaten bringen.
Teheran wies das umgehend zurück. Außenamtssprecher Baghai erklärte, ein Transfer von Uran in die USA sei niemals eine Option gewesen und stehe auch nicht zur Debatte. Trump wiederum beharrte auf seiner Darstellung und schrieb auf Truth Social, die USA würden das iranische Uran erhalten, ohne dass Geld an Teheran fließe.
Zuvor hatte das US-Portal Axios berichtet, in den Gesprächen werde auch über die mögliche Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte in Höhe von 20 Milliarden Dollar gesprochen. Im Gegenzug solle der Iran seinen Vorrat an hoch angereichertem Uran aufgeben.
Sanktionen und Kriegsschäden als zentrale Forderungen
Baghai bekräftigte nach Angaben staatlicher Medien, das angereicherte Uran werde das Land nicht verlassen. Zugleich signalisierte er Verhandlungsbereitschaft für eine dauerhafte Friedenslösung mit den USA, sofern die Interessen des Iran berücksichtigt würden. Besonders wichtig seien aus Sicht Teherans die Aufhebung der Sanktionen sowie Entschädigungen für Kriegsschäden.
Trump spricht von geräumten Seeminen
Trump erklärte außerdem, mutmaßlich vom Iran in der Meerenge verlegte Seeminen seien inzwischen entfernt worden oder würden derzeit geräumt. Nach seinen Angaben geschehe dies mit amerikanischer Hilfe. Experten vermuten, dass der Iran vor rund einem Monat mehrere Dutzend Minen südlich seiner Gewässer ausgelegt haben könnte, auch wenn Teheran einen solchen Schritt nie offiziell bestätigt hat.
Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe am 28. Februar blockiert. Außenminister Abbas Araghtschi kündigte am Freitag an, Handelsschiffe und Öltanker während der verbleibenden Dauer der Waffenruhe wieder passieren zu lassen, allerdings unter bestimmten Bedingungen. Ob dafür Gebühren an den Iran zu entrichten sind, ließ er offen. Der Konflikt um die wichtige Meerenge hat die Energiepreise zuletzt deutlich steigen lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion