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„Rocky Horror“-Ikone Tim Curry feiert seinen 80. Geburtstag

Das Musical «The Rocky Horror Show» bescherte Tim Curry die Rolle seines Lebens - auf der Theaterbühne und im Kino. Nach einem Schlaganfall ist der Brite gelähmt - und arbeitet trotzdem weiter.

19.04.2026, 07:00 Uhr

Schon zu Beginn seiner Laufbahn sorgte Tim Curry offenbar für Aufregung im engsten Familienkreis. Berichten zufolge saß seine Mutter 1968 peinlich berührt im Publikum, als ihr Sohn im Musical „Hair“ nackt über die Bühne tanzte. Noch gewagter wurde es einige Jahre später: 1973 trat Curry in der „Rocky Horror Show“ erstmals geschniegelt, geschminkt, in Strapsen und hohen Absätzen auf. Als Dr. Frank N. Furter fand er schließlich die Rolle, mit der er unsterblich wurde.

Die Figur, die alles veränderte

Im eher konservativen Großbritannien der 1970er Jahre galt Richard O’Briens Musical als provokant. Eine Geschichte über einen außerirdischen, bisexuellen Wissenschaftler in Frauenkleidern schien alles andere als massentauglich. Dass daraus einmal ein weltweiter Kult entstehen würde, war damals kaum vorstellbar.

Tim Curry wurde 1946 als Timothy James Curry in der Grafschaft Cheshire geboren. Wegen des Militärdienstes seines früh verstorbenen Vaters verbrachte er Teile seiner Kindheit auch in Hongkong. Später studierte er Schauspiel an der Universität Birmingham. Bevor O’Brien ihn für die „Rocky Horror Show“ engagierte, stand Curry bereits bei der Royal Shakespeare Company auf der Bühne und übernahm kleinere Fernsehrollen.

Die Uraufführung der „Rocky Horror Show“ fand am 16. Juni 1973 zunächst vor nur 85 Zuschauern statt. Nach einem mühsamen Start sprach sich die Produktion jedoch herum, bis die Spielstätte schließlich zu klein wurde. Zwei Jahre später verkörperte Curry Dr. Frank N. Furter auch in der Kinoverfilmung „The Rocky Horror Picture Show“ und machte mit Songs wie „Sweet Transvestite“ weltweit auf sich aufmerksam. Mit dem plötzlichen Ruhm fremdelte er allerdings. Dem Guardian sagte er einmal, er genieße ihn nicht besonders, spiele aber eben mit.

Bühne, Fernsehen und Musik

Obwohl ihn „Rocky Horror“ berühmt machte, war Curry zunächst häufiger im Fernsehen als im Kino zu sehen. Gleichzeitig blieb er dem Theater treu und spielte regelmäßig im West End in London und am Broadway in New York, etwa in Brechts „Dreigroschenoper“ oder in „A Christmas Carol“ nach Charles Dickens. Für seine Darstellung von Mozart in der Broadway-Version von „Amadeus“ erhielt er sogar eine Tony-Nominierung als bester Hauptdarsteller.

Auch musikalisch versuchte er sich über die „Rocky Horror“-Erfolge hinaus. Schon als Kind sang er in der Kirche, und sein Gesangstalent hatte er als Frank N. Furter eindrucksvoll gezeigt. Der Soundtrack der „Rocky Horror Picture Show“ wurde millionenfach verkauft.

Seine eigenen Alben „Read My Lips“ (1978), „Fearless“ (1979) und „Simplicity“ (1981) konnten kommerziell jedoch nicht an diesen Erfolg anknüpfen. Immerhin schaffte es die zusammen mit Filmkomponist Michael Kamen geschriebene Single „I Do The Rock“ in die US-Charts.

Später Erfolg in Hollywood

Ab den 1980er Jahren nahm auch seine Filmkarriere Fahrt auf. Curry spielte unter anderem in John Hustons „Annie“ und in der Krimikomödie „Alle Mörder sind schon da“. 1985 war er in Ridley Scotts Fantasyfilm „Legende“ als Herr der Finsternis zu sehen. Der Film war damals kein Kassenerfolg, entwickelte sich später aber zum Kultfilm. Unter der aufwendigen Maske war Curry kaum wiederzuerkennen.

Ende der 1980er zog er in die USA. Der New York Times sagte er, er sei nach Los Angeles gegangen, weil dort die Kameras auf einen gerichtet würden — und genau das habe er gewollt. Der Schritt zahlte sich aus.

In den 1990er Jahren war Curry deutlich häufiger auf der Leinwand und im Fernsehen präsent, meist in markanten Nebenrollen. Besonders in Erinnerung blieb er als unheimlicher Clown Pennywise in „Stephen Kings Es“. Außerdem wirkte er in Filmen wie „Jagd auf Roter Oktober“, „Kevin – Allein in New York“ und „Die drei Musketiere“ mit. Als persönlichen Favoriten nannte er einmal „Muppets – Die Schatzinsel“.

Markante Stimme, neue Aufgaben

Später verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf Sprechrollen. Mit seiner unverwechselbaren Stimme prägte er zahlreiche Figuren in Zeichentrickserien, Kinderformaten und Videospielen. Für diese Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Auch als Hörbuchsprecher war er erfolgreich.

Leben nach dem Schlaganfall

Seit einem Schlaganfall im Jahr 2012, den Curry mit 67 erlitt, ist er teilweise gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Seinen trockenen Humor hat er dennoch behalten. Im Gespräch mit dem Guardian witzelte er, er habe am Tag vor dem Schlaganfall noch drei Schachteln Zigaretten geraucht — das werde er wohl nicht noch einmal tun.

Trotz der gesundheitlichen Folgen arbeitete Curry weiter, vor allem als Sprecher. Bei der TV-Neuverfilmung der „Rocky Horror Picture Show“ von 2016 übernahm er die Erzählerrolle. Auf Festivals und Fan-Conventions begeistert er bis heute mit Geschichten aus seinem bewegten Leben. Im vergangenen Jahr erschien zudem seine Autobiografie „Vagabond“, die er selbst als Hörbuch eingesprochen hat.

Über sein Privatleben ist nur wenig bekannt. Laut seiner Website war Tim Curry nie verheiratet und hat keine Kinder. In „Vagabond“ erklärt er auch, warum er diesen Bereich stets geschützt hat: Liebesgeschichten und intime Details gingen die Öffentlichkeit, bei allem Respekt, schlicht nichts an.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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