Schon zu Beginn ist klar: Hier läuft etwas gewaltig schief. Die Atmosphäre ist angespannt, die Beteiligten stehen unter Druck. Unter den Polizistinnen und Polizisten fallen Sätze, die nach Abschottung und Zusammenhalt klingen. Einer aus der Runde scheint jedoch an seine Grenzen zu kommen – ihm wird sogar übel.
Was in jener Nacht tatsächlich geschehen ist, enthüllt der neue «Tatort» nur nach und nach. Fest steht zunächst: In einem Freiburger Club wird ein Rocker tot aufgefunden, brutal niedergeschlagen. Ein dringend Verdächtiger sitzt bereits im Polizeipräsidium und wird verhört.
Doch der Fall ist weit komplizierter, als es anfangs scheint. Denn auch eine Einheit der Bereitschaftspolizei gerät in den Fokus – und innerhalb dieser Gruppe gibt es offenkundig Dinge, die lieber verborgen bleiben sollen. Das Erste zeigt die Folge «Innere Angelegenheiten» um 20.15 Uhr.
Gruppendruck und Loyalität im Mittelpunkt
Für die 17. Schwarzwald-«Tatort»-Folge stand das Ermittlerduo mit Eva Löbau als Franziska Tobler und Hans-Jochen Wagner als Friedemann Berg an insgesamt 24 Nächten vor der Kamera. Entstanden ist ein Krimi, der sich intensiv mit Dynamiken innerhalb von Gruppen beschäftigt: Wer beeinflusst wen? Wer schweigt – und warum? Und wie bringt man Menschen dazu, doch noch die Wahrheit zu sagen?
Im Zentrum steht eine sechsköpfige Polizeigruppe, in der unterschiedliche Haltungen aufeinanderprallen. Die Beteiligten verfolgen teils gegensätzliche Interessen, wechseln mitunter ihre Position und ringen sichtbar mit Loyalität, Anstand und Moral. Gerade diese Spannungen machen die Dialoge besonders interessant.
Da ist von einem Charaktertest die Rede, von der Frage, wie weit man für andere mitgeht. Funkanfragen bleiben zunächst unbeantwortet, ein wichtiges Einsatzprotokoll lässt auf sich warten – alles Hinweise darauf, dass etwas vertuscht werden könnte.
Ein Verdächtiger, viele offene Fragen
Parallel dazu wird ein Mann verhört, der als Intensivtäter gilt. Im Beisein seiner Anwältin weist er jedoch jede Schuld von sich. Die Vorwürfe setzen ihm sichtbar zu, dennoch versucht er, die Fassung zu bewahren. Gegen ihn spricht einiges: Er hatte Streit mit dem Opfer und war ihm bis in einen Nebenraum gefolgt.
Kommissar Berg gerät im Schlagabtausch mit der Verteidigerin allerdings an Grenzen, denn handfeste Beweise fehlen. Wie stark allein ihre Anwesenheit das Gespräch beeinflusst, zeigt sich erst, als sie den Ort verlässt.
Wechselnde Fronten und starke Bilder
Kommissarin Tobler hat derweil an anderer Stelle alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit einer Kollegin versucht sie, sowohl die wütenden Rocker aus dem Umfeld des Opfers als auch die Angehörigen des Verdächtigen unter Kontrolle zu halten. Auch deren Haltung verändert sich im Lauf der Handlung – besonders dann, wenn es um die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Polizei geht.
Der Film springt dabei zwischen verschiedenen Schauplätzen: vom Parkplatz mit dem Polizeiwagen über den in violettes Dämmerlicht getauchten Club bis hin zu den nüchternen Räumen des Präsidiums. Die Kamera von Andreas Schäfauer verweilt immer wieder auf Gesichtern, die oft mehr erzählen als Worte. Das Drehbuch stammt von Bernd Lange, Regie führte Robert Thalheim.
Die Auflösung kommt in ruhigen Bildern
Früh wird deutlich, dass der Schlüssel zur Lösung bei jenen Bereitschaftspolizistinnen und -polizisten liegt, die als Erste am Tatort waren. Der Konflikt innerhalb dieser Einheit treibt den Fall entscheidend voran. Irgendwann steht auch Tobler der Gruppe direkt gegenüber, fragt nach, zweifelt und setzt nach.
Die Auflösung erfolgt schließlich in einer vergleichsweise stillen Szene: Die Ereignisse im Club werden Schritt für Schritt rekonstruiert. Auch wenn diese Nachstellung etwas ausführlich gerät, bleibt die Spannung erhalten – bis zuletzt offen ist, wer tatsächlich für den Tod des Rockers verantwortlich ist.
Am Rande werden zudem frühere Handlungsstränge gestreift, etwa Bergs Suspendierung und Toblers berufliche Perspektiven. Viel wichtiger erscheint diesmal jedoch das vertrauensvolle Zusammenspiel der beiden Ermittler, das dem Film zusätzliche Tiefe verleiht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion