Nur ein Coup gegen den FC Bayern und am Ende der Gewinn des DFB-Pokals können Bayer Leverkusens bislang enttäuschendes Fußball-Jahr noch retten. Vor dem Halbfinale am Mittwochabend (20.45 Uhr, ZDF und Sky) machte Abwehrspieler Jarell Quansah die Tragweite der Partie deutlich. Ein Sieg, sagte er, könne die gesamte Saison verändern und Bayer in ein riesiges Finale nach Berlin bringen.
Leverkusen will die letzte Titelchance nutzen
Für den deutschen Meister von 2024 ist der DFB-Pokal die letzte realistische Möglichkeit, der Saison noch einen versöhnlichen Ausgang zu geben. In der Champions League war bereits im Achtelfinale Schluss, in der Bundesliga kommt Leverkusen über Rang sechs nicht hinaus. Vier Punkte fehlen auf einen Champions-League-Platz, der Rückstand auf den inzwischen erneut gekrönten FC Bayern beträgt sogar 27 Zähler.
Ein Erfolg gegen die Münchner würde diese ernüchternde Bilanz zumindest vorerst in den Hintergrund rücken. Bayer will unbedingt die letzte Titelchance am Leben halten und wie schon in der Double-Saison vor zwei Jahren ins Endspiel nach Berlin einziehen.
Rolfes: Im Pokal ist immer etwas möglich
Sportchef Simon Rolfes sprach von einem besonderen Spiel für den gesamten Verein. Bayern sei zwar eine Top-Mannschaft, doch Leverkusen habe in dieser Saison ebenfalls schon große Gegner schlagen können. Deshalb glaubt der Club weiter an seine Chance im K.o.-Wettbewerb.
Zusätzlichen Glauben dürfte das bislang letzte Pokalduell mit den Münchnern geben. Damals warf die Werkself den Rekordpokalsieger im Achtelfinale mit einem 1:0 aus dem Wettbewerb. Rolfes weiß also noch genau, wie sich ein solcher Sieg anfühlt.
Gigantischer Umbruch bei Bayer 04
Seit jenem Erfolg hat sich in Leverkusen allerdings viel verändert. Nach dem Ende der Ära von Xabi Alonso und den Abgängen von Florian Wirtz, Granit Xhaka, Jonathan Tah und Jeremie Frimpong ist das Gesicht der Mannschaft kaum wiederzuerkennen. Aus der Startelf des damaligen Pokalspiels gegen Bayern sind nur noch vier Spieler im Kader.
Dass dieser tiefgreifende Umbruch Probleme mit sich bringen würde, war absehbar. Dass Bayer in der Bundesliga aber derart weit von der Spitze entfernt ist, entspricht nicht dem eigenen Anspruch.
Unter Alonso-Nachfolger Kasper Hjulmand läuft es bislang deutlich holpriger als erhofft. Von den vergangenen elf Ligaspielen gewann Leverkusen nur vier. Am Samstag setzte es beim 1:2 gegen den FC Augsburg vor eigenem Publikum den nächsten Rückschlag. Inzwischen gibt es sogar Spekulationen, dass Hjulmand seinen Posten im Sommer schon wieder verlieren könnte.
Der Däne selbst wollte von zusätzlichem persönlichem Druck jedoch nichts wissen. Er betonte, voll auf seine Aufgaben fokussiert zu sein und alles dafür zu tun, der Mannschaft zu helfen.
Defensive als Problem, Bayern mit Meisterschub
Vor allem defensiv offenbart Leverkusen derzeit große Schwächen. Zwölf Gegentore in den vergangenen sechs Pflichtspielen belegen die Probleme eindrucksvoll. Nun wartet mit der Münchner Offensive um Harry Kane und Michael Olise die wohl härteste denkbare Prüfung.
Die Bayern reisen dagegen mit reichlich Rückenwind an. Am Sonntag machte das Team von Vincent Kompany die 35. deutsche Meisterschaft perfekt. Damit dürfen die Münchner weiter von einer außergewöhnlich erfolgreichen Saison träumen und gehen als Triple-Anwärter in das Halbfinale.
Kompany erwartet erneut einen großen Kampf
Trotz der klar unterschiedlichen Ausgangslage warnte Kompany ausdrücklich vor Leverkusen. Man habe zwar Selbstvertrauen, wisse aber genau, was auf die Mannschaft zukomme, sagte der Bayern-Trainer. Die vergangenen Spiele gegen Bayer seien immer ein totaler Kampf gewesen – und genau das erwarte sein Team auch diesmal.
Auch die beiden Bundesliga-Duelle dieser Saison unterstreichen das. Das Hinspiel in München gewann der Rekordmeister mit 3:0. Das Rückspiel in der BayArena endete 1:1 und sorgte für viel Aufregung: Zwei Münchner sahen Rot, anschließend folgte deutliche Schiedsrichter-Kritik von Ehrenpräsident Uli Hoeneß.
Große Emotionen in Leverkusen
In Leverkusen ist die Bedeutung des Pokalabends längst angekommen. Nach der Niederlage gegen Augsburg suchten die Bayer-Ultras noch einmal deutlich den Kontakt zur Mannschaft und machten klar, wie wichtig sowohl das Halbfinale gegen Bayern als auch das anschließende Derby beim 1. FC Köln sind. Aus dem Stadion schallte zudem die klare Aufforderung an das Team, den Bayern die Lederhosen auszuziehen.
Quansah forderte deshalb, jede Faser an Kraft und Energie auf den Platz zu bringen. Zusätzliche Motivation brauche es für dieses Spiel ohnehin nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion