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Prozess in Istanbul nach dem Tod einer Hamburger Familie beginnt

Ein Paar mit zwei Kindern stirbt an einer Vergiftung - laut Gutachten durch Insektizide im Hotelzimmer. Nun stehen sechs Angeklagte vor Gericht. Der Anwalt der Familie fordert harte Konsequenzen.

21.04.2026, 04:00 Uhr

Fünf Monate nach dem Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg hat in Istanbul der Prozess gegen sechs Beschuldigte begonnen. Vor dem Gericht im Viertel Caglayan müssen sich unter anderem der Besitzer des Hotels und der Inhaber einer Schädlingsbekämpfungsfirma verantworten.

Die Eltern und ihre beiden kleinen Kinder waren im November vergangenen Jahres in die Türkei gereist und kurz nach ihrer Ankunft schwer erkrankt. Zunächst wurde von einer Lebensmittelvergiftung ausgegangen. Ein späteres Gutachten kam jedoch zu dem Schluss, dass ein im Hotel zur Bekämpfung von Bettwanzen eingesetztes Insektizid die Vergiftung verursacht haben soll.

Haftstrafen von bis zu 22,5 Jahren möglich

Fünf Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft: der Hotelbesitzer, ein Mitarbeiter der Rezeption, der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma, dessen Sohn sowie ein Mitarbeiter der Firma, der das Mittel angewendet haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft diesen fünf Beschuldigten „bewusste fahrlässige Tötung“ vor. Dafür drohen bis zu 22,5 Jahre Haft. Ein weiterer Hotelmitarbeiter ist wegen „fahrlässiger Tötung“ angeklagt; in diesem Fall liegt das mögliche Strafmaß bei bis zu 15 Jahren. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück.

Schädlingsbekämpfungsfirma im Fokus

Im Zentrum der Anklage steht vor allem die Schädlingsbekämpfungsfirma. Laut Anklageschrift soll Aluminiumphosphid eingesetzt worden sein, obwohl die Chemikalie nicht zur Bekämpfung von Bettwanzen geeignet ist. Zudem habe dem Unternehmen die nötige Genehmigung gefehlt, und es seien keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

Für die Familie sollte es ein Aufenthalt in der türkischen Metropole werden, den der Vater aus Hamburg geplant hatte. Kurz nach der Landung am 9. November erkrankten jedoch alle vier schwer und mussten noch am selben Tag in eine Klinik gebracht werden. Erst starben die Mutter und die beiden Kinder, wenig später erlag auch der Vater im Krankenhaus den Folgen der Vergiftung.

Angehörige fordern Höchststrafen

Am Prozess nehmen auch Angehörige teil, darunter der Bruder sowie die Eltern eines der Opfer. Sie verlangen für die Angeklagten die höchstmöglichen Strafen.

Yasar Balci, ein Freund und Anwalt der Familie, vertritt die Hinterbliebenen vor Gericht. Er sprach von einer Verkettung von Vernachlässigungen, durch die eine ganze Familie ausgelöscht worden sei. Nach seiner Einschätzung müsse das Verfahren klare Konsequenzen haben, um ähnliche Tragödien künftig zu verhindern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Änderungsverlauf
  • Der Artikel wurde an die aktuelle Agenturfassung angepasst: Der Prozess gegen sechs Angeklagte hat in Istanbul begonnen und findet vor einem Gericht im Viertel Caglayan statt.
  • Die Vorwürfe und möglichen Strafen wurden präzisiert: Für fünf Beschuldigte steht „bewusste fahrlässige Tötung“ mit bis zu 22,5 Jahren Haft im Raum, für einen weiteren Hotelmitarbeiter „fahrlässige Tötung“ mit bis zu 15 Jahren.
  • Klarer herausgestellt wurde, dass das tödliche Insektizid im Hotel zur Bekämpfung von Bettwanzen eingesetzt worden sein soll.
  • Die Rolle der Schädlingsbekämpfungsfirma wurde geschärft: Laut Anklage wurde Aluminiumphosphid verwendet, obwohl der Stoff dafür ungeeignet sei; zudem sollen Genehmigungen und Sicherheitsvorkehrungen gefehlt haben.
  • Ergänzt wurde, dass Angehörige am Prozess teilnehmen und Höchststrafen fordern. Zudem wurde die Kritik des Familienanwalts Yasar Balci an einer „Verkettung von Vernachlässigungen“ aufgenommen.
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