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Merz und Lula treiben deutsch-brasilianische Kooperation voran

Wenn der Kanzler den brasilianischen Präsidenten in Hannover trifft, geht es um Handel, Klimaschutz und Trump. Ganz am Rande könnte es aber auch noch um etwas anderes gehen - um die Wurst.

19.04.2026, 16:57 Uhr

Deutschland und Brasilien wollen ihre strategische Zusammenarbeit bei zweitägigen Gesprächen in Hannover vertiefen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva am Nachmittag vor dem Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren. Anschließend kamen beide zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammen. Am Abend wollten sie gemeinsam im Congress Centrum die Hannover Messe eröffnen, die als bedeutendste Industriemesse der Welt gilt.

Am Montag sind im Schloss Herrenhausen die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen geplant. Daran nehmen auf brasilianischer Seite sieben und auf deutscher Seite acht Minister teil. Im Mittelpunkt stehen ein Ausbau der Beziehungen in den Bereichen Handel, Rohstoffe, Verteidigung, Digitalisierung, Forschung und Klimaschutz.

Außenpolitik dürfte ebenfalls Thema sein

Neben Wirtschaftsfragen dürfte auch die internationale Lage zur Sprache kommen. Dabei könnten unter anderem die Schritte von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran sowie gegenüber lateinamerikanischen Staaten wie Venezuela und Kuba eine Rolle spielen.

Vor seiner Reise nach Deutschland kritisierte Lula im Gespräch mit dem "Spiegel" Trumps Auftreten deutlich. Er sagte, Trump sei nicht "zum Kaiser der Welt" gewählt worden und könne anderen Staaten nicht ständig mit Krieg drohen. Hintergrund sind jüngste Äußerungen des US-Präsidenten, der im Zusammenhang mit dem Iran auch Kuba erwähnte.

Lula fordert stärkere Vereinte Nationen

Lula setzt Trumps Großmachtpolitik auf diplomatischer Ebene den Ruf nach einer Reform der Vereinten Nationen entgegen. Wie Deutschland strebt auch Brasilien einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Eine Neuordnung des Gremiums ist jedoch seit Jahrzehnten nicht gelungen. Der Sicherheitsrat hat bislang fünf ständige Mitglieder mit Vetorecht: die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich.

Vor seinem Aufenthalt in Hannover hatte Lula Spanien besucht. Dort warnte er in scharfen Worten vor einer Gefährdung der Demokratie. Demokratien müssten gestärkt und Rückschritte verhindert werden, sagte er. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass "ein Hitler auftaucht".

Mercosur-Abkommen eröffnet neue Möglichkeiten

Das Treffen zwischen Merz und Lula ist das erste seit der Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Die Vereinbarung kann ab dem 1. Mai vorläufig angewendet werden. Damit entsteht eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen.

Der Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen soll den Austausch von Waren und Dienstleistungen erleichtern. Besonders große Potenziale werden für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen.

Deutschland war im vergangenen Jahr mit einem Handelsvolumen von 20,9 Milliarden US-Dollar der viertgrößte Handelspartner Brasiliens. Hinzu kommen deutsche Direktinvestitionen von rund 38 Milliarden Dollar. Etwa 1.000 deutsche Unternehmen sind in Brasilien ansässig, vor allem im Großraum São Paulo, der als wichtigster Industriestandort deutscher Firmen im Ausland gilt.

Brasilien will sich auf der Hannover Messe modern präsentieren

Brasilien möchte sich auf der Hannover Messe nach Angaben des Leiters der Abteilung für Handels- und Investitionsförderung im brasilianischen Außenministerium, Carlos Henrique Moscardo, als "nachhaltige, innovative und wettbewerbsfähige Industriemacht" vorstellen.

Auch Klima- und Umweltschutz dürften bei den Beratungen im Schloss Herrenhausen eine wichtige Rolle spielen. Deutschland hatte bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém im vergangenen November zugesagt, über einen Zeitraum von zehn Jahren eine Milliarde Euro für einen neuen Fonds zum Schutz des Regenwaldes bereitzustellen.

Ein persönlicher Wunsch von Lula

Der Besuch von Merz bei der Klimakonferenz in Belém war in Brasilien allerdings aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben. Nach seiner Rückkehr hatte sich der Kanzler über die Gastgeberstadt in einer Weise geäußert, die viele Brasilianer als herablassend empfanden. Lula hatte ihn zunächst dafür kritisiert. Beim G20-Gipfel in Johannesburg näherten sich beide jedoch wieder an.

Für seinen jetzigen Aufenthalt in Hannover äußerte Lula einen besonderen Wunsch. Dem "Spiegel" sagte er, dass er in Deutschland gern eine Wurst von einem Straßenimbiss esse. Schon bei einem früheren Besuch, damals im Kanzleramt von Angela Merkel, habe er sich eine solche Wurst gekauft. Wenn er im Ausland sei, probiere er gern lokale Spezialitäten.

Am Sonntagabend stand zunächst jedoch kein Imbiss auf dem Programm, sondern ein Abendessen mit Vertretern der Wirtschaft im Schloss Herrenhausen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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