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Bestürzung in Runkel nach tödlichem Unglück in Gerbereibetrieb

Drei Tote, zwei lebensgefährlich Verletzte: Nach dem Unglück in der traditionsreichen Lederfabrik in Runkel herrscht Fassungslosigkeit. Angehörige und Behörden suchen nach Antworten.

17.04.2026, 18:21 Uhr

Runkel steht nach dem schweren Arbeitsunfall in einer Lederfabrik unter Schock. Bei dem Unglück kamen drei Menschen ums Leben, zwei weitere wurden lebensgefährlich verletzt. Auch einen Tag später suchten Angehörige und Freunde das Werksgelände am Ortsrand auf und zeigten sich tief erschüttert.

Am Nachmittag rückte die Feuerwehr erneut zu dem Betrieb aus. Grund war nach Angaben von Feuerwehrsprecher Jörg Martin ein Geruch, der während der polizeilichen Untersuchungen festgestellt wurde und dessen Ursprung zunächst unklar blieb. Aus Vorsicht wurde das Gelände weiträumig abgesperrt, um auszuschließen, dass gefährliche Stoffe austreten.

Die Messgruppe des Landkreises Limburg-Weilburg überprüfte daraufhin die Luft auf dem Gelände. Laut Feuerwehr handelte es sich zunächst um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Beeinträchtigungen für Menschen habe es nicht gegeben.

Drei Arbeiter sterben in einer Grube

Der Unfall ereignete sich am Donnerstagnachmittag in der Lederfabrik und Pelzgerberei in der rund 9.500 Einwohner zählenden Stadt im Kreis Limburg-Weilburg. Drei Beschäftigte im Alter von 38, 58 und 59 Jahren konnten nur noch tot geborgen werden. Die beiden weiteren Schwerverletzten befanden sich laut Polizei auch am folgenden Tag noch in kritischem Zustand.

Kripo untersucht die genaue Ursache

Die Ermittlungen liegen inzwischen bei der Kriminalpolizei. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Westhessen steht nun im Mittelpunkt, woran die Männer genau starben. Besonders untersucht werden die in der Grube vorhandenen Chemikalien.

Zusätzlich verschaffte sich ein Fachmann des Regierungspräsidiums Gießen vor Ort einen Überblick. Die Behörde ist unter anderem für Fragen des Arbeitsschutzes zuständig. Ein Sprecher erklärte, dass der Mitarbeiter aus dem zuständigen Dezernat die Situation auf dem Gelände prüfen solle.

Da es bislang unterschiedliche Angaben zum Ablauf und zu möglichen Schutzmaßnahmen gibt, dauern die Untersuchungen an. Noch sei etwa unklar, wer zuerst über eine Leiter in den betroffenen Schacht hinabstieg. Auch wie es genau zu der folgenschweren Kettenreaktion kam, sei weiter Gegenstand der Ermittlungen von Polizei und Arbeitsschutzbehörden.

Bei den beiden lebensgefährlich Verletzten handelt es sich demnach um einen weiteren Mitarbeiter des Betriebs sowie um eine Person einer Kanal- und Rohrreinigungsfirma aus Montabaur in Rheinland-Pfalz. Der Betrieb war zuletzt im November 2023 vom Arbeitsschutzdezernat überprüft worden. Auch Vertreter der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie waren inzwischen auf dem Firmengelände.

Verdacht auf Kohlenmonoxidvergiftung

Nach Angaben des hessischen Innenministers Roman Poseck gehen die Behörden derzeit davon aus, dass in der Grube Kohlenmonoxid entstanden ist. Diese Vergiftung könnte nach bisherigem Stand zum Tod der Arbeiter geführt haben.

Anteilnahme in der Nachbarschaft

Auch in der Umgebung des Betriebs ist die Betroffenheit groß. Ein Paar aus der Nachbarschaft, das seit rund zwei Jahren dort lebt, erfuhr aus den Medien von dem Unglück. Die Frau sagte, man kenne die Partnerin des Firmeninhabers von Begegnungen beim Spazierengehen mit dem Hund. Es seien "nette Leute". Von dem traditionsreichen, rund 200 Jahre alten Betrieb habe man sonst kaum etwas bemerkt – abgesehen von einem leichten Geruch. Dass nun ein solches Unglück passiert sei, sei furchtbar.

Trauergottesdienst und Glockengeläut

Für den Abend war ein ökumenischer Trauergottesdienst angekündigt. Wie Bürgermeisterin Antje Hachmann mitteilte, sollten Bürgerinnen und Bürger zwischen 18 und 20 Uhr Gelegenheit zum stillen Gedenken haben.

Außerdem sollten ab 19 Uhr in Runkel und im Stadtteil Schadeck die Kirchenglocken läuten – als Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern und ihren Familien. Die Stadt wollte zudem die Fahnen auf halbmast setzen. Die Gedanken der Kommune seien bei den Verstorbenen, ihren Angehörigen sowie bei allen Einsatzkräften und weiteren Betroffenen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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