Wirtschaft

EU-Staaten billigen gelockerte Regeln für Gentechnik

In europäischen Supermärkten könnten künftig genveränderte Lebensmittel verkauft werden, ohne speziell gekennzeichnet und geprüft zu sein. Was das bedeutet - und wann die Änderung greifen könnte.

21.04.2026, 13:30 Uhr

Die geplante Reform der EU-Vorgaben zur Gentechnik hat einen weiteren wichtigen Schritt geschafft. Der Rat der Europäischen Union bestätigte den Kompromiss, auf den sich Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments bereits im Dezember verständigt hatten. 18 Länder votierten dafür, sechs dagegen, drei enthielten sich, darunter auch Deutschland. Bundesumweltminister Casten Schneider (SPD) hatte die Einigung damals scharf kritisiert und als gravierenden Fehler bezeichnet.

Zwei Kategorien für Gentechnik vorgesehen

Nach der Vereinbarung soll künftig zwischen zwei Arten gentechnisch veränderter Produkte unterschieden werden. Lebensmittel, bei denen nur geringere Veränderungen am Erbgut vorgenommen wurden, könnten ohne besondere Risikoprüfung und ohne Kennzeichnung in den Handel gelangen. Für Produkte mit weitergehenden Eingriffen sollen dagegen weiterhin deutlich strengere Vorschriften gelten.

Neue Pflanzen bleiben zulassungspflichtig

Falls die neuen Regeln auch formell verabschiedet werden, wäre für Verbraucher nicht mehr unmittelbar erkennbar, ob ein Lebensmittel mithilfe moderner Gentechnik verändert wurde. Unabhängig davon müssen neue Sorten weiterhin die gesetzlich vorgeschriebenen Prüf- und Zulassungsverfahren durchlaufen.

Zyperns Landwirtschaftsministerin Maria Panayiotou sprach von praktikablen Lösungen für die Landwirtschaft. Diese könnten Bauern helfen, sich besser auf den Klimawandel einzustellen und zugleich wettbewerbsfähig zu bleiben. Die neuen Bestimmungen würden nach ihrer Einschätzung den Zugang zu Innovationen erleichtern und zugleich für Klarheit, Fairness und hohe Standards in der EU sorgen. Zypern hat aktuell den turnusmäßig wechselnden Ratsvorsitz inne.

Hoffnung auf robustere Nutzpflanzen

In der Forschung werden die Möglichkeiten moderner Gentechnik vielfach positiv bewertet. Genannt werden etwa Weizensorten mit Widerstandskraft gegen Mehltau, Maispflanzen mit höherer Stresstoleranz oder auch Erdnüsse ohne bestimmte Allergene.

Allerdings stößt die geplante Lockerung nicht überall auf Zustimmung. Kritiker warnen unter anderem vor möglichen wirtschaftlichen Nachteilen für Landwirte.

Endgültige Zustimmung des Parlaments steht noch aus

Bevor die neuen Vorschriften tatsächlich gelten, muss das Europaparlament noch offiziell zustimmen. Weil zwischen den beteiligten Institutionen bereits ein informeller Kompromiss erzielt wurde, gilt dieser Schritt normalerweise als Formsache. Der Umweltausschuss des Parlaments hatte sich bereits im Januar mehrheitlich dafür ausgesprochen. Nach Angaben des Rates könnten die neuen Regeln voraussichtlich ab Mitte 2028 angewendet werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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